Wir hatten während unserer Zeit recht viel Wind, gelegentlich wurden die 8 Bf geknackt. Bei viel Wind fuhren wir oft nur mit dem Vorsegel und erreichten auch so über 7 kn Speed. Die 10er Marke haben wir nie geknackt (9,?? war das Maximum). Auch bei viel Wind und Welle hatten wir nie ein unsicheres Gefühl.
Die Liegen unter der Sprayhood sind eine Bombe! Da wurden von der 13-jährigen Enkelin vier Harry Potter Bände in zwei Wochen verschlungen!
Der Magnetkompass in der Mitte des Cockpits ist ein Witz. Der Plotter zeigte zwar das "Heading" auch an, dieses musste allerdings stark angezweifelt werden. Weiss der Geier, wo der Geber sitzt und nicht kompensiert ist. Eine Ablenkungstafel müsste erstellt werden, sind doch Abweichungen je nach Kurs bis plus/minus 10° möglich. Der COG zeigt dann schon die wahreren Werte.
Die Grösse des Kartentisches ist unterirdisch, finden doch nicht mal die Kartensätze Platz darin. Sie sind in der Sitzbank am Salontisch verstaut.
Der Plotter - leider nur auf der Stb-Seite - reklamiert oft, dass er kein GPS-Signal habe. Dadurch, dfass nur ein Plotter ist, kann das Steuern auf der Bb-Seite praktisch vergessen werden, besonders, wenn ein vorgegebener Kurs gesteuert werden soll. Zum Glück hatten wir zwei Jungs dabei, die sich in IT gut auskennen. Sie konnten die Anzeige so einstellen, dass das wichtige sichtbar war und auf dem Tablet am Kartentisch die Anzeige gespiegelt wurde und sogar von hier aus angepasst werden konnte. Die 2 Geräte kommunizieren einwandfrei (wenn man weiss, wie es geht. Der Bootsmann ist hier überfordert).
Thema AIS: Eine wunderbare Sache! Wir hatten immer Empfang von AIS-Signalen anderer Schiffe (so der Funk eingeschaltet ist). Aber die Bruno weigerte sich beharrlich, ihr eigenes Signal auszusenden. In Heiligenhafen wurde der Fehler bei der Übernahme des Schiffes zwar korrigiert, ganze 2x wurde das Signal gesendet, danach war wieder Ruhe. AIS ist Sicherheitsrelevant! Der Radarreflektor ist zwar schön, aber ein gesendetes AIS-Signal ist 100-Mal besser! Meine Bitte an die Technikcrew des Vercharterers: drauf schauen, dass das Ding zuverlässig geht!
Die zwei Ruderblätter sind sehr gewöhnungsbedürftig. Zum Manövrieren ist mir ein Ruderblatt deutlich sympathischer, kann doch so ein kurzer Gas Stoss durch Legen des Ruders das Heck in die eine oder andere Richtung bewegt werden.
Der Bulle und die zwei dazu gehörenden Rollen sind nicht brauchbar. Soll der Bulle seine Aufgabe mal wahrnehmen müssen, fliegen die zwei winzigen Schäkel weg und der Baum geht auf die andere Seite. Und Befestigungspunkte für die zwei Schäkel gibt es sowieso nicht. Ich habe mir ausgeholfen, indem ich zwei kräftige Schäkel besorgte, diese im Wantenspanner der Unterwanten befestigte und die Leine des Bullen da durchgezogen habe. Beim räumlichen Segeln und vor dem Wind ist bei mir der Bulle Pflicht!
Die Rollvorrichtung des Vorsegels hat nicht richtig funktioniert. Mehrmals sprang beim Abrollen des Vorsegels die Reffleine nach oben aus der Aufwickelrolle und wickelte sich um das Segel. Um das zu klarieren muss die ganze Leine ausgefädelt werden um anschliessend richtig aufgewickelt und wieder eingefädelt zu werden. Gut haben wir das bereits bei wenig Wind feststellen können. Wir haben dann beim Ausrollen des Vorsegels die Leine immer von Hand geführt, so dass sie sauber auf die Rolle lief - es musste also immer jemand auf den Bug! Eine zusätzliche letzte Leitrolle für die Leine hätte das Problem gelöst. Ich hoffe, dass es nun so ist.
Die Winschen ganz achtern sind wohl Mode geworden - aber praktisch sind sie nicht. Der Steuermann kann wohl alles selber machen, dafür wird es der Restcrew langweilig. Will jemand anderes als der Steuermann / die Steuerfrau die Fockschoten bedienen, bedarf es grosser Gelenkigkeit - und das einzustellende Segel befindet sich nun im Rücken. Es braucht eine weitere Person, die sagt, wann das Segel genug dicht genommen ist.
Als Zusammenfassung kann ich die Worte von G. Pöhls wiederholen:
Für Schönwettersegler und Komfortfetischisten ein tolles Boot mit guten Segeleigenschaften. Für die Kritikpunkte kann das Boot selbst nichts, der Vercharterer sowie nicht. Die Landcrew des Vercharterers steht immer bereit, um etwaige Probleme auszuwetzen.


