Was schon bei der Übernahme zu erkennen war: Der Container Rettungsinsel wurde nicht mehr von den Original-Bändern zusammengehalten, sondern war nachträglich mit Klebeband wieder verschlossen worden, das sich aber auch schon löste. Da man natürlich nicht einfach Gurte oder Leinen außenherum binden kann, weil sonst das Öffnen im Notfall behindert wäre, wurde uns vom Bootsmann erklärt, dass man da am besten gar nichts macht. Ein mulmiges Gefühl bleibt aber dennoch. Später haben wir gesehen, dass die Leine mit Rettungsschlinge, die als Mann-über-Bord-Hilfe dient, auch nicht so in ihrer Tasche lag, dass sie im Notfall gut hätte ausrauschen können.
Ein Mangel, den wir bei der Übergabe leider noch nicht bemerkt hatten: Das Pump-WC war so schwergängig, dass es nur mit erheblicher Kraft (und trotzdem eingeschränkter Pump-Wirkung) zu bedienen war. In Zukunft werden wir schon vor Übergabe die WC-Spülung testen. Insgesamt war die ganze Übergabe -trotz der vorbildlich vorbereiteten Staulisten bei ecosail- dadurch behindert, dass wir uns wegen der engen zeitlichen Vorgaben bzgl. Parken am Steg extrem unter Zeitdruck gesetzt fühlten.
Weitere Mängel, von denen wir hofften, dass das vorübergehend wäre: Ein starker Geruch nach Fäkalientank in der Nasszelle, von dem wir noch dachten, dass wir das mit ordentlichem Putzen und eifrigem Pumpen bei der WC-Benutzung verbessern könnten. Starker Schimmelgeruch in der Bugkammer, von dem wir dachten, dass man das mit Lüften und Heizen verbessern könnten. Später haben wir gesehen, dass man durch die Ritzen in der Innenverkleidung sogar sehen konnte, dass das Vlies, das zwischen der Kunstlederschicht und der Rumpfwand von Schimmel überwuchert war, genau wie der Teil des Türrahmens, der mit der Außenverkleidung in Kontakt ist.
All diese Mängel haben wir bei der Rückgabe zu Protokoll gegeben und auch ins Logbuch eingetragen. Zu diesem Zeitpunkt haben wir den Eindruck bekommen, dass diese Rückmeldungen von ecosail auch beherzigt werden, woran wir mittlerweile allerdings zweifeln (Anlass für diese Zweifel s. unten).
Dann ein Punkt, der zunächst in die Rubrik „kann auch beim besten Vercharterer mal passieren“ fällt, auf den ecosail aber letztlich nicht zufriedenstellend reagiert hat: Zur Halbzeit unserer zweiwöchigen Charter fiel der Kühlschrank aus. Wir haben das telefonisch beim technischen Notdienst gemeldet und bekamen (es war Samstag) zur Antwort, dass man da frühestens am Montag etwas machen könne. Wir sind dann am Montag extra in einen Hafen gefahren, den die Techniker von ecosail (bzw. beauftragten Firmen) gut erreichen konnten, aber leider war ohne Ersatzteile dennoch nichts zu machen. Wir haben schon in allen Telefonaten zu diesem Zeitpunkt klar gemacht, dass der Kühlschrank für uns essenziell ist, da ich wegen Lebensmittel-Unverträglichkeiten darauf angewiesen bin, dass wir an Bord unsere Mahlzeiten selbst zubereiten.
Der Grund aber, weshalb wir mit ecosail nun reichlich unzufrieden sind, ist die Reaktion auf den ausgefallenen Kühlschrank, nachdem wir im Nachgang erklärt hatten, dass wir eine Kompensation erwarten. Man hat uns zunächst einen Gutschein über 100€ für die nächste Buchung bei 1. Klasse / ecosail angeboten. Das fanden wir erstens vom Betrag nicht angemessen (unsere Argumentation: 20% des Charterpreises, der auf die Zeit ohne Kühlschrank entfiel) und zweitens sehen wir nicht ein, dass ein Unternehmen, das auf eine berechtigte Reklamation reagiert, dem Kunden eine Entschädigung nur dann gibt, wenn er nochmal bei ihm bucht. Drittens haben wir auch angesichts der übrigen Mängel (die wir nicht explizit reklamiert hatten, aber vor Ort gemeldet hatten) eigentlich erwartet, dass ecosail sich kulanter zeigen würde. Nachdem wir dies wiederum per E-Mail zurückgemeldet hatten kam ein etwas entgegenkommenderes finanzielles Angebot, das wir letztlich akzeptiert haben. Aber besonders frappiert hat uns die Erklärung des ecosail-Teamleiters in seiner Mail: Er hätte gar nicht gewusst, dass der Kühlschrank eine ganze Woche lang ausgefallen war und von den übrigen Mängeln hätte er gar keine Kenntnis erhalten. Nun fragen wir uns, ob Mängel, die von Kunden berichtet werden, bei ecosail letztlich gar nicht weitergeleitet werden, sondern lediglich durch freundliche Kommentare der Bootsleute bei der Rückgabe („ja da haben Sie Recht, das müssen wir verbessern“) quittiert werden, damit der Kunde GLAUBT, er würde ernst genommen.
Fazit: Ecosail ist sicherlich nicht schlechter als andere Vercharterer. Aber nach diesen Erfahrungen glauben wir nicht mehr, dass sie ihrem selbst verbreiteten Image gerecht werden, demgemäß sie in puncto Service, Kundenfreundlichkeit und Bereinigen von Mängeln an den Schiffen besser sind als die anderen.


