Sirius 40DS
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Testbericht der Sirius 40DS  

Der hier veröffentlichte Text ist dem vollständigen Yachttest der Zeitschrift "Yacht" entnommen. Sie können die PDF-Datei mit dem vollständigen Artikel downloaden. Dieser Artikel enthält aussagekräftige Bilder, detallierte Diagramme, Vergleiche zu anderen Yachten sowie präzise technische Angaben. Autor: Michael Good, Heft 25/26

Zum kostenpflichtigen Download (3,-€)Yachttest der Sirius 40DS

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Sirius 40 DS Yachttest:

Über dem Solent vor der Südküste Englands schüttet es in Strömen. „Mach doch bitte mal die Tür zu, sonst regnet es noch rein“, sagt Sirius-Werftchef Torsten Schmidt gelassen und dreht die Heizung noch eine Stufe höher. Im Deckssalon der neuen 40 DS ist es wohlig warm und trocken, während sich draußen gerade eine heftige Schauerzelle entlädt. Dazu gibt es Tee, wie in England eben üblich.

Es ist, als würde man zu Hause im Wintergarten sitzen. Drinnen sein und gut geschützt, aber trotzdem irgendwie auch draußen - gefühlt wenigstens; dazu die freie uneingeschränkte Aussicht. Das ist das Wesentliche an einer echten Deckssalonyacht wie der Sirius 40: ein klar abgestuftes Interieur mit seitlich erhöhter Sitzgruppe sowie Rundumsicht im Stehen wie auch im Sitzen. Beinahe so wie auf einem modernen Katamaran. Der Vergleich bietet sich an: Auch bei einer DS-Yacht wie von Sirius (oder auch Moody) verschmelzen die Bereiche Salon innen und Cockpit außen zu einer optischen und kommunikativen Einheit auf einer Ebene. Anders als bei herkömmlichen Schiffen, wo Interieur und Exterieur funktional meist vollständig separiert sind.

 

Sirius 40 DS: Mit Blick gen Norden

Das Konzept hat die Sirius-Werft, die deutsche Yachtbau-Manufaktur am Plöner See, natürlich nicht exklusiv. Die Konkurrenz findet sich vor allem im Norden, wo man Deckssallonyachten wegen Ihrer Allwetter-Tauglichkeit mag. Bekannte Wettbewerber sind zum Beispiel: Nordship aus Dänemark, Regina af Vindö aus Schweden oder Nauticat aus Finnland.

Trotzdem kann sich Sirius auf dem Markt abgrenzen und beweist Eigenständigkeit wie zum Beispiel die unter den Salon gebaute Mittelkabine. Ein Markenzeichen, welches die Werft als Alleinstellungsmerkmal hat. Alle aktuellen Modelle - 310 DS (Test in YACHT 7/2011), 35 DS (YACHT 10/2010) und jetzt auch die 40 DS - weisen dieses Layout auf.

Dazu ist der Name Sirius für einen Qualitätsstandard bekannt, den andere Marken nur schwerlich oder gar nicht mitgehen können - oder wollen. Die Qualität von Holz und Technik ist von erster Güte, die Verarbeitung makellos bis ins Detail. Werftchef Torsten Schmidt mag diesbezüglich auch keine Kompromisse eingehen und rüstet seine Yachten durchweg mit Anbauteilen aus den edelsten Sortimenten aus. Das Beste, so scheint es, ist für Sirius gerade gut genug. Beschläge und mechanische Teile an und unter Deck sind eher zu groß, vielleicht sogar überdimensioniert.

Und die Grundausstattung lässt kaum Wünsche offen. Deck und Cockpit sind bereits im Standard mit Echt-Teak oder künstlichem Teakholz-Ersatz belegt, alles ist da und dabei hochwertig sowie funktional.

 

Sirius 40 DS: Fast Alles ist machbar

Des Weiteren präsentiert sich das Sirius- Konzept von ungewöhnlicher Wandelbarkeit, vor allem beim Innenausbau. Für die Bereiche im Vorschiff, mittschiffs und achtern sind zahlreiche Ausbau Varianten machbar. In Kombination der Segmente ergibt sich so eine schier unüberschaubare Anzahl von möglichen Ausführungen mit zwei oder drei Kabinen, zwei oder drei Toilettenräumen sowie der Option einer zusätzlichen Kajüte für den Skipper. Alle Varianten an dieser Stelle zu beschreiben würde den Rahmen sprengen. Eine Übersicht für Interessierte bieten die Layoutpläne in der Typenbroschüre.

Auch bezüglich des Einsatzzwecks zeigt sich die Sirius 40 DS überaus flexibel. Festkiele gibt es in vier verschiedenen Versionen mit 2,10 Meter (Standard), 2,00, 1,75 oder 1,50 Meter Tiefgang. Dazu ist die Konstruktion von Marc-Oliver von Ahlen auch mit einem hydraulischen Schwenkkiel erhältlich. Mit zwei Ruderblättern kann die Yacht damit in Tidengewässern trockenfallen. Ebenfalls im Angebot ist eine Option mit zwei Kimmkielen. Auf ihnen lässt sich das Schiff problemlos abstellen.

Varianz auch bei der Besegelung. Standard ist die kurze Selbstwendefock. Dazu kann der Eigner beliebig zusätzliche Vorsegel, überlappende Genuas mit 130 oder 150 Prozent, dazu Gennaker, Spinnaker oder einen rollbaren Code Zero wählen. Für die lange Fahrt empfiehlt sich ein Kutterstag, an welchem sich ein kleines Sturmvorsegel anschlagen lässt.

 

Sirius 40 DS: Träge, weil schwer

Zurück auf den Solent: Nach Durchzug der Regenfront sorgen Sonnenschein und eine stetige Brise um 12 Knoten für beste Segelbedingungen - genau richtig für die große Genua. Die mit 11,6 Tonnen Leergewicht vergleichsweise schwere Sirius 40 DS benötigt aber ihre Zeit, um in Fahrt zu kommen. Und bei 6,5 Knoten auf einem Winkel von rund 45 Grad zum Wind stößt das Schiff bereits an seine Leistungsgrenze, was für eine reine Fahrtenyacht dieser speziellen Ausrichtung aber kaum anders zu erwarten ist.

Mehr Temperament und Potenzial legt das Boot an den Tag, wenn man es mit einem Schrick in den Schoten etwas tiefer steuert und laufen lässt, insbesondere mit der Genua. Störend ist aber der relativ hohe Ruderdruck, bedingt auch durch die schwenkbare Steuersäule (eine Option), deren Mechanik sehr direkt übersetzt ist, trotz des ungewöhnlich kleinen Rad-Durchmessers. Bei viel Druck und Krängung braucht es hier Kraft, um die Neue auf Kurs zu halten.

Muss man aufkreuzen, ist deshalb die Selbstwendefock die bessere Wahl, vorausgesetzt, es weht mit wenigstens 12 Knoten. Damit verhält sich das Boot spürbar agiler. Die Kräfte sind geringer, und das Steuern erfolgt mit mehr Übersicht und ist mit weniger Druck einfacher.

In der tiefen und sehr gut geschützten Plicht ist die Bewegungsfreiheit für die arbeitende Mannschaft eingeschränkt, vergleicht man dies mit den großen und offenen Cockpits moderner Performance-Yachten. Auch hinter der Steuersäule wird es für den Rudergänger bisweilen eng. Für die gute Sicht nach vorn und in die Fäden der Vorsegel muss er zudem dauerhaft stehen, weil der wuchtige Aufbau den Blick nach vorn einschränkt. Die Tatsache, dass Yachten wie die Sirius 40 DS wohl ohnehin meist per Autopilot gesteuert werden, relativiert diese Kritik.

Ungewöhnlich ist die Führung der Großschot über eine Talje, die auf einem massiven Chromstahlbügel am Cockpittisch angeschlagen ist. Damit kann der Steuermann zwar die Schot bedienen, wegen eines ungünstigen Zugwinkels allerdings nur aus einer ungünstigen Haltung heraus.

Das Dichtnehmen der Schot ist mühsam und verlangt nach Muskeln. Zudem liegt am Wind immer viel Schotenmaterial im Cockpit herum. Die Alternative dazu bietet ein Targabügel über dem Cockpit, den Sirius jetzt anbieten will, um die Großschotführung komplett aus der Plicht zu verbannen. Des Weiteren könnte am festen GFK-Bügel auch ein Cockpitbimini installiert werden. Das wäre eine interessante Option.

 

Sirius 40 DS: Gemütlichkeit ist Trumpf

Seit jeher bei Sirius im Fokus der Konzeption: der Innensteuerstand. Dank echtem Deckssalon und Rundumsicht ist es möglich, das Schiff unter Maschine wie auch unter Segeln aus der Navigation zu lenken, via Fernsteuerung für den Autopiloten. Dazu baut die Werft dort jetzt auch einen zweiten Motorenschalthebel an, womit selbst Hafenmanöver aus dem Salon gefahren werden könnten.

Unser Testschiff, die Baunummer 1, ist unter Deck mit drei Doppelkabinen und zwei Nasszellen ausgebaut - eine von vielen Varianten. Die Größen der Kojen in allen Bereichen liegen deutlich über den Mindestabmessungen für zwei erwachsene Personen, auch in der Achterkammer, wo das Bett in dieser Ausführung quer eingebaut ist. Die Eigner werden es schwer haben, sich in diesem Boot für eine persönliche Lieblings-Kabine zu entscheiden. Alle drei Bereiche bieten gleichermaßen viel Komfort, Raum und beste Wohnlichkeit.

Besonders gemütlich ist es in der ungewöhnlichen Mittelkabine unter dem Deckssalon, wo die drei markanten, horizontalen Rumpffenster einen unbeschreiblichen Ausblick ermöglichen. Allerdings ist zu bedenken, dass man nicht nur von innen nach außen blicken kann, sondern auch in Gegenrichtung. Faltbare Rollos sorgen deshalb bei Bedarf für ein ausreichendes Maß an Privatsphäre im Hafen.

 

Sirius 40 DS: Viel Platz für Alles

Wer sich innen umschaut, begibt sich auf eine wahre Entdeckungsreise durch ein weit verzweigtes Reich. Überall findet der Beobachter kleine Überraschungen und viele pfiffige Detaillösungen, die verblüffen. Stauräume gibt es im Überfluss, auch große Volumen für Taschen oder sperrige Dinge.

Zur Grundausstattung einer jeden Sirius gehört die begehbare Werkstatt, und zwar in allen Ausbauvarianten. Bei der Testversion der 40 DS erreicht man den Hobbykeller durch einen speziellen Niedergang unterhalb der Sitzgruppe im Deckssalon. Selbstverständlich für die Werft ist, dass dieser Arbeitsplatz mit allen nötigen Werkzeugen und Ersatzteilen für sämtliche Eventualitäten bestückt ist.

Dass die ausnehmend hohe Verarbeitungsqualität, die exquisite Ausstattung und die Vielseitigkeit des Konzepts einen exklusiven Preis mit sich bringen, versteht sich von selbst. Rund 485 000 Euro muss ein angehender Eigner für die Sirius ausgeben. Damit ist sie das teuerste Boot im direkten Konkurrenzumfeld (siehe Übersicht Seite 73). Das Delta zu den Preisvorstellungen der Wettbewerber bleibt jedoch im überschaubaren Rahmen.

Vielleicht ist die Sirius 40 DS das aktuell am besten gebaute Serienboot überhaupt, in jeden Fall liegt sie ganz weit vorn. Wer sich davon überzeugen will, kann dies auf der Messe in Düsseldorf tun. Das Schiff wird dort als Premiere zu sehen sein.

 

Hier finden Sie eine Übersicht von Testberichten zu allen Yachten

Sirius 40DS

 
Aussenansicht der Sirius 40DS "Aloucia" in Flensburg
 
 
Schiffsriss der Sirius 40DS "Aloucia" in Flensburg

 
Kojen
6
Kabinen
3 + Salon
Länge
11.99 m
Breite
4.08 m
Tiefgang
1.45 m
Baujahr
2018
Gewicht
11.60 t
Maschine
37.00 kW
Wassert.
500 l
Dieseltank
300 l
Kaution
1.000,00 €
Kojen
6
Kabinen
3 + Salon
Länge
11.99 m
Breite
4.08 m
Tiefgang
1.45 m
Baujahr
2018
Gewicht
11.60 t
Maschine
37.00 kW
Wassert.
500 l
Dieseltank
300 l
Kaution
1.000,00 €