Oceanis 34.2
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Testbericht der Oceanis 34.2  

Der hier veröffentlichte Text ist dem vollständigen Yachttest der Zeitschrift "Yacht" entnommen. Sie können die PDF-Datei mit dem vollständigen Artikel downloaden. Dieser Artikel enthält aussagekräftige Bilder, detallierte Diagramme, Vergleiche zu anderen Yachten sowie präzise technische Angaben. Autor: Fridtjof Gunkel , Heft 18/2008

Zum kostenpflichtigen Download (3,-€) : Yachttest der Oceanis 34.2

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Oceanis 34.2: Klasse für die Masse

Beneteau bereichert die beliebt-belebte 34-Fuß-Klasse um eine neue Fahrtenyacht der Oceanis-Reihe. Deren Überarbeitung ist damit vorerst beendet, das neue Modell schließt die Lücke zwischen der Oceanis 31 und der Oceanis 37. Diese drei Boote haben mit den Konstrukteuren der Groupe Pinot ein renommiertes Designbüro gemeinsam und durch das italienische Studio Nauta einen ebenso homogenen wie markanten Stil.

 

Oceanis 34.2: Wettbewerber

Eigenständigkeit im Gesamtmarkt erlangt auch die neue Oceanis 34-2 dank eines kantigen Aufbaus mit großen, transparenten und getönten Seitenflächen, in die Fenster eingelassen wurden, durch das breite, halb offene Heck und eine gefällige Innenraumgestaltung, die viele Geschmäcker treffen wird. Das muss sie auch, denn die Oceanis- Reihe ist auf einen langen Lebenszyklus sowie hohe Stückzahlen ausgerichtet und sieht sich einem harten Wettbewerb gegenüber: Die etwas größere Hanse 350 bzw. die Hanse 355 in der 2-Kabinen-Version ist ebenso eine Konkurrentin wie die Bavaria 34 Cruiser oder eine Delphia 33 oder Elan Impression 344.

Mit einem Grundpreis von 90 321 Euro platziert Branchenführer Beneteau die Oceanis 34-2 im unteren Segment und kommt Bavaria und Delphia recht nahe. Wobei der Preis sicher nur ein Entscheidungsparameter unter mehreren sein wird.

 

Die Oceanis 34.2: Hat fast alles, was ein Cruiser braucht

Die Baunummer 1 der Oceanis 34-2 erwartet uns am Steg in St. Gilles Croix de Vie unweit der Konzernzentrale "Les Embruns"- Dort, wo die Aktivitäten der Gruppenmitglieder Beneteau, Jeanneau, Lagoon, CNB und bis vor kurzem auch Wauquiez koordiniert und entwickelt wurden, ist die Oceanis 34-2 mehr als nur ein weiteres neues Boot. Immerhin geben sich zum Test Produktmanager Bruno Belmont und Mitglieder seines Teams die Ehre. Sie selbst haben das Boot noch nie zuvor gesegelt. Da kommen 11 bis 15 Knoten Wind ganz recht. Bedingungen, bei denen sich das Steuerverhalten, die Druckverhältnisse und die Tendenz zum In-den-Wind-Schießen ordentlich ausloten lassen. Letzter Punkt ist zunehmend ein Thema.

Dem Kundenwunsch folgend nach viel Volumen achtern, mit einer großzügigen Achter-kammer und üppigem Stauraum, werden die Hecks immer breiter. Was wiederum mäßig konstruierte, bei viel Lage stark vertrimmende Boote den Achtersteven weit aushebeln lässt - bis das Ruder an Wirkung verliert. Ein Punkt, der auf Fahrtenschiffen nicht zu tolerieren wäre. Immerhin wird auf diesen die Großschot - so auch auf der Oceanis 34-2 - auf dem Kajütdach bedient, um das Cockpit frei zu halten. Bedeutet: Ein Mitsegler müsste bei böigem Wind permanent an der Großschot arbeiten, um den Sonnenschuss zu verhindern - wenn das Schiff Tendenzen dazu zeigt. Nicht so die Oceanis 34-2!

 

Oceanis 34.2: Unter Segeln

Bis zu 35 Grad Lage, was jenseits seglerischer Effizienz und menschlichem Komfort rangiert, steckt sie weg. So soll es sein. Das Atlantikwetter hustet sich in Böen mit starken Drehungen aus, was nebenbei zu einem heterogenen Wellenbild führt. Unter Vorbehalt dieser wechselnden Umstände lassen sich rund 6 Knoten Geschwindigkeit an der Kreuz mitteln bei Wendewinkeln um etwa 90 Grad. Das sind normal- gute Werte für ein Fahrtenschiff dieser Größe. Abgefallen wird's dann recht flott. Mit Gennaker kann an der 9-Knoten-Marke gekratzt werden. In die bis zu geschätzten 1,5 Meter hohen Wellen setzt die Oceanis 34-2 weich ein und lässt sich dabei recht trocken segeln.

Bruno Belmont scheint zufrieden und betont noch mal die klare Ausrichtung der Oceanis 34-2 als Fahrtenschiff. Nach der Option eines größeren Rades gefragt, gibt er entschieden zurück: "Klar kann man das ranbauen, das machen wir aber nicht. Der Weg nach achtern soll frei sein". Die Sitz- und Stehpositionen am Rad gehen denn auch in Ordnung. Das halb offene Heck wird oben durch einen mit Gasdruckfeder ausgestatteten schwenkbaren Deckel geschlossen.

 

Oceanis 34.2: An Deck

Die Cockpitduchten sind zwei Meter lang und würden sich somit gut zum ausgestreckten Liegen eignen, sind jedoch achtern des Rades wegen eingeschnürt. Die Crew sitzt dank des vorn höheren Sülls besser geschützt als der Steuermann. Da die Cockpitbänke vor dem Rad um satte 106 Zentimeter auseinander liegen, ist das Abstützen mit den Füßen auf der Leeducht nicht gut möglich; diese Funktion liefert eine flache Holzstütze auf dem Cockpitboden. Bedienungsseitig ist die Oceanis 34-2, analog zu seinem Einsatzzweck, simpel gehalten. Einen schnell bedienbaren Achterstagspanner gibt es nicht, dafür leinenverstellbare Holepunkte. Die Genuawinschen lassen sich vom Rudergänger erreichen, die Großschot wie gesagt nicht.

Die Beschlagsauswahl entspricht gehobenem Standard: Spinlock- Klemmen und Harken- Winschen. Im Grundpreis ist ein Rohrkicker dabei, wie auch der Lazybag und die Cockpitdusche, das Rad ist ummantelt, und die Duchten sind mit Teak beklebt. Es fehlt jedoch die zweite Fallenwinsch, die man erst mit Spinnakerausrüstung benötigt. Ein Detail erfreut: Die Genuaschoten der Oceanis 34-2 lassen sich in ihren Umlenkungen abklemmen, wodurch die Cockpitwinschen schon beim Setzen frei für die Spischoten werden.

 

Oceanis 34.2: Rigg

Das Zwei-Salings-Rigg mit den außen am Rumpf angreifenden Wanten ist 9/10- getakelt und stammt aus der simpleren Serie ("Red Label") von Z-Spars. Das Großsegel wird über zwei Einleinenreffs gekürzt, um das Vorsegel kümmert sich eine ProfurI-Anlage. Die Standard-Garderobe kommt von Elvström Frankreich; da macht man auch nichts falsch. Wind und Welle bedeuten Druck und Bewegung im Boot, da kann ein Gang unter Deck recht erhellend sein. Auf der Oceanis 34-2 ist kein Knarzen und Arbeiten der Schotten oder anderer struktureller Teile zu hören oder zu spüren. Somit hinterlässt sie auch an Deck einen soliden, ja vertrauenerweckenden Eindruck. Geräusche erzeugen lediglich, wie auf diversen anderen Großserienbooten auch die Bodenbretter.

 

Oceanis 34.2: Unter Maschine

Zurück an Deck, erhalten nun die Motoreigenschaften Beachtung. Die Oceanis 34-2 wird nicht über einen Saildrive angetrieben, sondern per Welle, die in einem anlaminierten Bock geführt ist. Serienmäßig quirlt diese einen dreiflügeligen Festpropeller, auf dem Testschiff war ein faltbares Modell angeschraubt. Angetrieben von Yanmars 3YM 20 mit 21 PS Leistung (Optionen werden derzeit nicht angeboten), kommt die Oceanis 34-2 unter Volllast auf knapp 7,5 Knoten, bei Marschfahrt sind es noch ausreichende 6,6 Knoten. Die Maschinengeräusche sind selbst auf dem Prototypen schon ordentlich gedämmt, lauter als 77 dB(A) wird es nicht. Auffälligkeiten im Verhalten unter Motor gibt es keine - das Schiff stoppt, dreht und fährt rückwärts wie die meisten anderen modernen ebenfalls. Im Hafen angekommen, wird man sich, wenn auch nicht fürs Mittelmeer, so doch zumindest für Reviere mit Boxen und Pfählen eine Scheuerleiste wünschen, die nur der Händler gegen Aufpreis nachrüstet.

 

Oceanis 34.2: Innovation

Apropos unkonventionelle Lösungen: Da gibt es noch mehr, wenn man denn dieses Attribut ebenfalls für sinnvolle Details gebrauchen möchte, die bereits auf den anderen Typen der Reihe vorhanden sind. Als da wären: An Backbord befindet sich ein Rettungsinselstaufach im Cockpit. Der achtere Teil der Ducht wird hochgeklappt, wobei der Deckel aus der Oberseite und den Wänden besteht, die bis auf den Boden reichen. Ist das Bauteil aufgeklappt, liegt die Insel frei auf dem Cockpitboden.

Das bedeutet: schneller Zugriff ohne Verrenkungen in einer tiefen Kiste. Der (nicht abgedichtete) Stauplatz ließe sich auch gut für ein gepacktes Dingi nutzen. Weiter ist der Ruderquadrant von außen über die große Badeplattform durch ein Inspektionsluk erreichbar, wenn auch der Zugriff nicht ideal ist. Im Heck der Oceanis 34-2 prangt noch eine kleine Eigenheit, die Beneteau seit Jahren bringt: Ein aufklappbares Fenster im Spiegel sorgt in Kombination mit weiteren im Cockpit und an der Aufbauhinterkante für Durchlüftung sowie Licht und erlaubt beispielsweise vor Anker einen netten Blick nach draußen. Details, viel mehr als Gimmicks.

 

Oceanis 34.2: Überraschende Lösungen

Speziell sind auch Schiebeluk und Steckschott aus Plexiglas mit Aluminiumrahmen. Sie bilden eine Einheit. Das Schott wird hochgeklappt, über das Luk geschoben und mit diesem zusammen in die Garage gesteckt. Durch eine ausgeklügelte Vorrichtung lässt sich das Luk zudem bei geschlossenem Schott aufschieben. Andersartig ist des Weiteren die Garage selbst: Sie ist ebenfalls oben mit einer Plexiglasscheibe ausgestattet; Licht kann also durch Garage und Schiebeluk hinunter in den Salon dringen. Dieser Trick ersetzt das Mittelluk. Eine zu öffnende Klappe befindet sich noch vor dem Mast.

Eine weitere, allerdings nicht negative Besonderheit der Oceanis 34-2 ist der Niedergang. Nur bei genauem Hinsehen bemerkt der Betrachter, dass der Einstieg insgesamt um einige Zentimeter nach Steuerbord versetzt ist. Muss ja einen Sinn haben, freiwillig baut keiner asymmetrische Schiffe. Lösungen, die überraschen Produktmanager Bruno Belmont: "Dadurch gewinnen wir diese Zentimeter an Backbord für einen größeren Zugang zur Achterkammer. Auch der Motor steht nicht genau in Mittschiffslinie. So lässt sich bei Bedarf der Schaft ziehen, ohne das Ruderblatt demontieren zu müssen.

 

Oceanis 34.2: Unter Deck

Überhaupt sind Licht und Luft heute mehr denn je ein großes Thema bei Beneteau. Der Salon ist hell und einladend, die Kontraste sind groß. Die weiße, saubere Innenseite des Vakuum-Injektionsdecks, (wahlweise) helle Polster und eine ebensolche Arbeitsplatte der in den Salon ragenden Pantry kontrastieren mit dem angenehm. warm wirkenden, gebeizten Alpi-Holz.

Die dunkleren Bodenbretter der Oceanis 34-2 bestehen aus einem pflegeleichten und langlebigen Laminat in Plankenoptik. Die großen, getönten Einbaufenster mit den eingesetzten Klappöffnungen sowie die Skylights und die Rumpffenster verbessern noch den Raumeindruck.

 

Oceanis 34.2: Pantry

Des Weiteren verdient die Pantry Beachtung: Die bei den Waschbecken liegen dicht an der Schiffsmitte; hier kann Wasser selbst bei Lage gut ablaufen. Das ist ebenso wenig eine Selbstverständlichkeit wie ein Kocher, dessen Kardanik große Krängungen ausgleichen kann. Darüber hinaus gibt es viel und gut unterteilten Stauraum. Die Oberschränke sind mit Schlingerleisten ausgestattet, und die Klappen öffnen nach unten. Der Kühlschrank ist mit einem Volumen von 110 Litern so groß wie ein konventioneller an Land. Und ein drittes, in die Arbeitsfläche eingeformtes Waschbecken dient mit Aufstellhilfen für Geschirr und Wasserablauf als abdeckbarer Trockenschrank.

 

Oceanis 34.2: Mit 2 Kabinen und Oceanis 34 mit 3 Kabinen

Das Schiff ist auch als Dreikabiner -> Oceanis 34 zu haben. Mit lediglich einer Achterkammer schläft man quer, und das gut: 1,60 Meter Breite bei durchschnittlich (das Kopfende läuft nach achtern der Rumpfform folgend schmaler zu) zwei Meter Länge sind ungewöhnlich viel Platz. Mit zwei Kammern wird es enger, und vor allem muss dann die Nasszelle anders ausfallen.

Sie ist kleiner ausgeführt und weiter vorn im Salon platziert, was den Raumeindruck und die Standfläche vor dem Niedergang reduziert. Zudem wird der Backskistenstauraum durch die zweite Kammer kleiner. In jedem Fall ist die Navigationsecke nicht üppig, und man sitzt auf dem Steuerbordsofa - eine Lösung, mit der es sich auf dieser Schiffsgröße und angesichts der tatsächlichen Nutzung heutzutage gut leben lassen dürfte.

Die vordere Platzierung der Nasszelle in der Drei-Kabinen-Version bringt auch eine verkürzte Steuerbordkoje mit sich. In der anderen Variante ist diese immerhin noch 1,94 Meter lang. In jedem Fall eignet sich das Sofa an Backbord mit gut zwei Meter Länge zum Schlafen. Eine Auffälligkeit im Salon: Wahrend das Backbordsofa parallel zur Mittschiffslinie angeordnet ist, folgt das Gegenüber der Schiffsform. Diese Asymmetrie mag auf Booten ungewohnt sein, öffnet aber sowohl den Blick als auch den Durchgang nach vorn.

 

Oceanis 34.2: Fazit

Ein Boot, das punkten kann! Alles Dinge, die in ihrer Gesamtheit der Oceanis 34-2 eine gewisse Finesse verleihen und Auskunft über die große Mühe geben, die sich der Branchenführer gerade mit einem Volumenmodell macht. Mit der Summe ihrer positiven Eigenschaften aus ehrlichem Grundkonzept, klarer Ausrichtung, sinnvollen Detaillösungen und zeitgemäßer Gestaltung wird die Oceanis 34-2 ihren Weg gehen, auch wenn die Konkurrenz, vor allem aus Deutschland, für Beneteau stärker geworden ist.

 

Hier finden Sie eine Übersicht von Testberichten zu allen Yachten

Oceanis 34.2

 
Aussenansicht der Oceanis 34.2 "Ali" in Split
 
 
Schiffsriss der Oceanis 34.2 "Ali" in Split

 
Kojen
6
Kabinen
2 + Salon
Länge
10.34 m
Breite
3.65 m
Tiefgang
1.87 m
Baujahr
2014
Gewicht
5.70 t
Maschine
15.00 kW
Wassert.
290 l
Dieseltank
130 l
Kaution
1.500,00 €
Kojen
6
Kabinen
2 + Salon
Länge
10.34 m
Breite
3.65 m
Tiefgang
1.87 m
Baujahr
2014
Gewicht
5.70 t
Maschine
15.00 kW
Wassert.
290 l
Dieseltank
130 l
Kaution
1.500,00 €