Der hier veröffentlichte Text ist dem vollständigen Yachttest der Zeitschrift "Yacht" entnommen. Sie können die PDF-Datei mit dem vollständigen Artikel downloaden. Dieser Artikel enthält aussagekräftige Bilder, detaillierte Diagramme, Vergleiche zu anderen Yachten sowie präzise technische Angaben. Autor: Michael Good , Heft 6/2008.

yacht - Yachttest von Europas größtem Segelmagazin

Yachttest der Oceanis 31

Positionierung der Oceanis 31 am Markt

Es ist wahrscheinlich das am stärksten umkämpfte und am härtesten umworbene Marktsegment überhaupt. Inder Cruiser-Klasse um 30 bis 32 Fuß, Schiffe unter zehn Meter Länge also, gilt es, die Einsteiger ins Fahrtensegeln zu begeistern und an die Marke zu binden. Für die Hersteller locken hohe Stückzahlen und neue Namen in der Kundenkartei. Dadurch ist das Größensegment besonders für die absatzstarken Werften wichtig, deren Portfolio auch weit größere Boote aufweist.

Das hat gute Gründe: Bei Fahrtenyachten der Zehn-Meter-Klasse sind die Möglichkeiten für die Umsetzung eines eigenständigen Designs und außerordentlicher Ideen begrenzt - für exotische Konzeptionen bietet sich dieses Segment nicht an. Es fehlt hier an Volumen und damit an Spielraum, was die Machbarkeit beschränkt.

Oceanis 31: Mitbewerber

Gefragt ist vielmehr das einfache, insgesamt gelungene Konzept. So verwundert es nicht, dass sich die aktuellen Angebote der Klasse nur wenig unterscheiden. Und: Je ähnlicher sich die Schiffe sind, desto wichtiger wird der Preis, gerade für Einsteiger. Auch hier haben die großen Werften mehr Möglichkeiten und können durch große Einkaufsmacht und Teilegleichheit die Kostensenken. 70.000 Euro scheint als Basispreis eine Richtmarke für die Klasse zu sein. Bavaria bietet mit ihrer Bavaria 31 Cruiser einmal mehr den Preisschlager.

Die Konkurrenz wie Hanse 320 oder Sun Odyssey 30i rückt mittlerweile aber in greifbare Nähe. So auch die neue Oceanis 31 von Beneteau mit einem Grundpreis von 72.470 Euro. Das Boot wurde im Herbst 2007 angekündigt und wird im Programm der französischen Großserie die Oceanis 323 ablösen, einen Typ, der rund 1.000 Mal hergestellt wurde und jetzt als Gebrauchtboot auf eine starke Nachfrage stößt.

Oceanis 31: Die Konzeption

Optisch folgt die Oceanis 31 der größeren Schwester Oceanis 37, die von den gleichen Konstrukteuren gezeichnet wurde. Ein neues 34-Fuß-Boot (Oceanis 34, Oceanis 34-2) wird dann ab Sommer 2008 die Lücke im überarbeiteten Beneteau- Fahrtenprogramm schließen. Bei allen drei neuen Yachten im unteren Längensegment haben die Designer von Finoti Conq den Decksaufbau mit einer ausgeprägt kantigen Optik versehen, geprägt durch die eckigen, relativ großflächigen und schwarz abgetönten Seitenfenster.

Das wirkt nur auf den ersten Blick markanter als bei den größeren Modellen der Oceanis-Serie (Oceanis 40, Oceanis 43, Oceanis 46), wo die Konstrukteure von Berret-Racoupeau noch mit einem harmonisch geschwungenen Kajütaufbau arbeiteten. Doch der Wandel macht Sinn.

Die gestreckten Linien und die kantige Formensprache der kleineren Boote kaschieren geschickt die auf maximales Volumen ausgerichtete Yacht. Davon profitiert insbesondere die kleine Oceanis 31, bei der sich die Kluft zwischen optischer Eleganz und optimaler Raumausnutzung natürlich besonders weit öffnet .Im Rahmen einer groß angelegten Präsentation in Monaco wurde die Oceanis 31 jetzt zum Test freigegeben.

Oceanis 31: Im Praxistest

Die ausgeprägte Hochdruck-Wetterlage ließ es jedoch nicht zu, dass sich viel mehr als ein laues Lüftchen entwickeln konnte. Bei gerade einmal sechs Knoten Windbewegung (maximal acht Knoten) musste also die Oceanis 31 im YACHT-Test beweisen, was sie bei Leichtwind-Bedingungen zu bieten hat. Und das ist nicht wenig!

Oceanis 31: Segeleigenschaften

Das Design von Finoti Conq überrascht in erster Linie mit einer ausgeprägten Lebhaftigkeit und Agilität sowie mit erstaunlich viel Höhe am Wind. Knapp 90 Grad Wendewinkel sind sogar bei Leichtwind drin, ohne dass man das Boot dabei über Gebühr pressen müsste. 4,2 Knoten Fahrt bringt die Oceanis 31 im Test auf das Log. Diese Werte entsprechen durchaus den Erwartungen an ein Boot dieser Größe und der Ausrichtung als reine Fahrtenyacht.

Die Geschwindigkeits-Vorhersage-Programme errechnen für diese Bedingungen zwar eine Geschwindigkeit von 5,07 Knoten auf einem Kurs von 40 Grad am Wind. Die Angaben erscheinen allerdings doch recht optimistisch, selbst wenn man den Schwell vor Monaco während der Messungen in Betracht zieht. Für die Raumschots-Kurse lohnt sich das optional erhältliche Ausrüstungspaket mit einem etwa 70 Quadratmeter großen Gennaker. Der Aufpreis beträgt 1.160 Euro für Schotenmaterial, Umlenkblöcke und das zusätzliche Fall. Das Segel selbst belastet das Budget nochmals zusätzlich mit 1.856 Euro. Der relativ flache Gennaker von Elvström-Sobstad zieht vor allem auf relativ spitzen Kursen gut.

Bei 70 Grad wahrem Windeinfallswinkel werden. 5, 6 Knoten Speed ermittelt, unter weiterhin gleichbleibenden Schwachwind-Bedingungen. Auch diese Daten sind für ein solches Boot sehr annehmbar.

Oceanis 31: An Deck

Besonders gut gelungen erscheint die Aufteilung im Cockpit. Die Duchten sind omegaförmig um die Steuersäule herum angeordnet und lassen dem Rudergänger viel Platz, damit der in seinem Arbeitsbereich ungestört wirken kann. Die Mitsegler sitzen ihrerseits bequem im Cockpit auf den Bänken, die bereits im Lieferumfang mit Teakstäben belegt sind. Wie bei Fahrtenyachten mittlerweile üblich, werden auch auf der Oceanis 31 die Winschen für die Genua in den unmittelbaren Aktionsradius des Steuermanns geschraubt. Er soll nicht nur steuern, sondern auch kurbeln können.

Weil die Führung der Großschot aber weiterhin über die Dachwinsch läuft, ist die Einhandtauglichkeit der Oceanis 31 eingeschränkt. Wer viel allein segelt oder nicht dauernd die Crew bemühen will, wäre mit einer beidseitigen Führung der Großschot auf ein zusätzliches Winschenpaar besser bedient.

Und wer ganz und gar perfekt ausgestattet mit der Oceanis 31 in See stechen will, bestellt zusätzlich noch das Elektronik-Paket (4960 Euro) mit GPS-Kartenplotter sowie einem Tridata-System von Raymarine, das die Anzeige von Lot, Logge und Wind umfasst.

Eine originelle Lösung: Das Steckschott lässt sich mit wenigen Handgriffen öffnen, hochschieben und sicher verstauen. Warum da noch nie jemand anders darauf gekommen ist?

Qualitativ ordentlich und funktionell einwandfrei ist die Ausrüstung an Deck sowie die Anordnung der Beschläge. Die wesentlichen Bedienungen der Fallen und Trimmleinen laufen über das Kajütdach zurück ins Cockpit, einzig der Strecker für das Unterliek bleibt auf einer Klemme am Großbaum belegt.

Oceanis 31: Rigg

Für das Rigg setzt Beneteau auf das einfache, unkomplizierte Konzept. Der Mast ist beinahe bis ins Topp geriggt und nur über ein Paar Salingsspreizen abgespannt. Ober- und Unterwanten führen auf die Rüsteisen ganz außen an der Schale. Das spart womöglich Kosten beim Bau; allerdings stört das Unterwant den Gang auf das Vorschiff. Was die Segel betrifft, liefert Beneteau für die Oceanis einen ordentlich gemachten Satz Fahrtentücher von Elvström-Sobstad mit. Die kleine Genua überlappt zu 105 Prozent und ist damit vor allem im Manöver sehr einfach und ohne viel Kraftaufwand zu bedienen.

Oceanis 31: Verarbeitung

Die qualitative optische Anmutung des Schiffs ist tadellos. Das Testboot wurde in allen Bereichen sauber und fehlerfrei gefertigt. Auch unter Deck findet man keine groben Schnitzer. Die Schale wird übrigens handlaminiert, mit Vinylesterharzen für maximalen Osmoseschutz außen und mit Polyesterharzen für die inneren Lagen. Für das Deck aller kleineren Oceanis-Modelle (31, 34, 37) setzt Beneteau jetzt auf das Vakuum-Infusionsverfahren.

Oceanis 31: Unter Deck

Der einfache und klare Innenausbau sowie das funktionelle, klassisch wirkende Layout charakterisieren die Oceanis 31 unter Deck. Oceanis 31 SalonDie Gestaltung jenseits des Niedergangs entstammt der engen Zusammenarbeit mit den Stylisten des italienischen Studios Nauta Design. Sie haben dem Boot ein luftiges und angenehm helles Interieur verpasst. Die großen Fensterflächen im Aufbau, die zusätzlichen Luken im Rumpf sowie eine kleine, im Kajütaufbau eingelassene Panoramascheibe lassen genügend Helligkeit ins Innere dringen. Wie bereits erwähnt, limitiert die Schiffsgröße auch bei der Oceanis 31 die Möglichkeiten für exotische Aus- und Einbauten. Das kleinste Boot der Oceanis-Reihe bietet im Wesentlichen dasselbe Grundlayout wie auch die Konkurrenzyachten.

Das bedeutet: zwei Kabinen (achtern und im Vorschiff) plus eine Nasszelle hinten, Salon, Pantry und Navigations-tisch im Zentrum. Die Unterschiede in den Konzeptionen liegen in den Details. So ist die Koje in der Achterkabine bei der Oceanis 31 quer zur Fahrtrichtung eingebaut. Auf diese Weise kann der Platz im Achterschiff optimal ausgenutzt werden, die Liegefläche ist riesig und übertrifft in den Ausmaßen selbst die von deutlich größeren Booten.

Auch die Koje im Vorschiff sortiert sich mit einer Länge von 2,06 Metern deutlich über dem Durchschnitt ein. Im Salon steht dagegen nur das lange Sofa auf Steuerbordseite als zusätzliche Koje zur Verfügung. Die Sitzgruppe backbords wäre mit einer Länge von lediglich1, 74 Metern zu klein. Dementsprechend wird auch keine Option für einen ablenkbaren SaIontisch angeboten. Gewöhnungsbedürftig, aber immer häufiger zu sehen - auch auf größeren Booten - ist die Anordnung des Navitisches, an dem auf dem Salonsofa sitzend mit dem Rücken zur Fahrtrichtung gearbeitet wird. Das spart zwar Platz. Allerdings ist bei der Oceanis 31 die Navi-Funktionalität bis an die Schmerzgrenze minimiert. Wer auch heute noch auf Karte und Zirkel setzt, kann hier allenfalls mit Krampf arbeiten.

Oceanis 31: Fazit

Mit der Oceanis 31 bringt Beneteau ein starkes, rundum stimmiges und weitgehend fehlerfreies Angebot auf den Markt kleiner Fahrtenyachten.

Die Qualität ist gut, die Segeleigenschaften sind ansprechend, der Preis geht in Ordnung. Aber auch die Konkurrenz bietet gute und ausgereifte Konzepte in dieser hartumkämpften Klasse, und das ebenfalls zu attraktiven Preisen. Wer den Kampf um die Gunst der Einsteiger gewinnt, wird sich zeigen. Auf jeden Fall herrscht jetzt mehr Wettbewerb in diesem Segment. Das freut in erster Linie die Kunden!

 

Hier finden Sie eine Übersicht von Testberichten zu allen Yachten

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