Der hier veröffentlichte Text ist dem vollständigen Yachttest der Zeitschrift "Yacht" entnommen. Sie können die PDF-Datei mit dem vollständigen Artikel downloaden. Dieser Artikel enthält aussagekräftige Bilder, detaillierte Diagramme, Vergleiche zu anderen Yachten sowie präzise technische Angaben. (Autor: Michael Good, Heft 03/2019)

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Yachttest der Dufour GL 430

Dufour GL 430: Konkurrenz am Markt

Z wei Schiffe, dasselbe Konzept. Im Frühjahr 2018 hat Dufour Yachts gleich zwei Neuentwicklungen für das Tourenprogramm Grand Large angekündigt – bei beiden handelt es sich um Boote für besonders wichtige Längenklassen: die Grand Large 390 für das Segment um elf Meter Rumpf länge sowie die größere Grand Large 430 als neue Konkurrenz für die hart umkämpfte Zwölf- Meter-Klasse. Die zumindest äußerlich fast identischen Typen haben der YACHT-Testredaktion gleichzeitig für eine gründliche Inspektion in Italien zur Verfügung gestanden, was letztlich interessante Quervergleiche möglich gemacht hat.

Der Test der Grand Large 390 wurde jüngst publiziert, in der YACHT 23/2018. Zur Wiederholung und in aller Kürze: ein spannendes Boot mit vielen guten Ideen und äußerst variantenreich – aber leider auch mit einigen unübersehbaren Fehlern bei der Ausstattung und unschönen Mängeln in der Detailverarbeitung, was von der Werft mit einem erheblichen Zeitdruck bei der Fertigstellung des Prototyps begründet wurde.

Ganz anders dagegen die Dufour Grand Large 430. Beim Testschiff, ebenfalls die Baunummer 1 und aus derselben Produktion, war von den im Test der kleinen Schwester monierten Schwächen nichts zu erkennen. Im Gegenteil: Das größere Schiff erfüllt bezüglich der Machart und der Ausführung im Allgemeinen wie im Detail wieder die bekannt guten Werftstandards, was gleichzeitig die Hoffnung nährt, dass es sich beim Prototypen der 390 bezüglich der Qualität tatsächlich nur um einen unerfreulichen Ausrutscher gehandelt hat.

Dufour GL 430: Stark auch bei wenig Wind

Eine leichte Seebrise in der Bucht von La Spezia bietet für den Test der Dufour Grand Large 430 ausreichend gute Rahmenbedingungen. Die extrem voluminöse Konstruktion von Umberto Felci mit ihrem hohen Freibord, der fülligen Frontpartie und dem breiten Heck setzt den schwachen Druck schnell in Fahrt um. Und das Testboot mit dem Standard-Tiefkiel von 2,10 Metern läuft zudem gute Höhe. Bei nur knapp 10 Knoten Wind schafft die Neue immerhin 6,4 Knoten Speed an der Kreuz bei einem Wendewinkel von rund 85 Grad.

Dabei profitiert das Testschiff von besseren Segeln mit einer 106 Prozent überlappenden Genua. Das leistungsfördernde Upgrade ist Teil vom Grand-Prix-Paket, unter anderem zusammen mit einem Achterstagspanner, leinenverstellbaren Holepunkten sowie der doppelseitig geführten Großschot (German Cupper System). Im Standard ist die Grand Large 430 ein facher aus gestattet, mit Selbstwendefock und nur den nötigsten Trimmeinrichtungen.

Der Traveller auf dem Kajütaufbau wird aber in jedem Fall bereits ab Werft installiert, genauso wie der fest angebaute Bugspriet, welcher auch als Ankerhalterung dient. Leider stand für den Test aber weder ein Code Zero noch ein Gennaker zur Verfügung. Und trotzdem: Mit halbem Wind und nur mit Genua zeigt die Logge immer noch einen Wert von 7,8 Knoten, was bereits recht dicht an der theoretischen Rumpfgeschwindigkeit liegt.

Dufour GL 430: Erst überlegen, dann Handeln

Die tadellos abgestimmte Steuerung macht es einfach, das Boot sauber am Wind zu lenken, zumal das große und relativ weit unter den Rumpf gebaute Ruderblatt auch gute Rückmeldungen für den Steuermann bereithält. Dieser kann zudem aus seiner Position leicht die Schotwinschen erreichen, die weit achtern im Cockpit auf den Sülls montiert sind; das Segeln mit kleiner Crew oder einhand ist so problemlos. Ist die Dufour mit großer Genua und German-Cupper-Großschot ausgestattet, laufen beide Schoten auf die hinteren Winschen und müssen beim Wenden und Halsen wechselseitig abgeklemmt werden. Das Handling erfordert etwas Übung und Übersicht, klappt aber letztlich doch ganz gut. Allerdings kommen achtern sehr viele Leinen an, vor allem, wenn das Boot zusätzlich mit Gennaker oder Code Zero ausgestattet ist. Große Schapps im Cockpit fehlen aber dafür.

Die halb geschlossene Heckpartie mit dem seitlichen Durchstieg zur Badeplattform gehört mittlerweile zum konkurrenzlosen Standard für das Fahrtenprogramm von Dufour Yachts. Die Badeklappe ist mit einer Breite von 2,50 Metern und einer Tiefe von knapp einem Meter riesig groß und bietet sich sogar zum Sonnenbaden an. Die Bühne liegt geöffnet etwa 50 Zentimeter über der Wasseroberfläche.

Das ist eine vernünftige Höhe zum Einund Aussteigen im Hafen und auch zum Baden immer noch praxisgerecht. Die Plattform ist aber relativ schwer gebaut, und das Aufholen und Absenken über den einfachen Taljenzug braucht Kraft. Ein elektrischer Antrieb dafür ist als Option erhältlich und auch empfehlenswert.

Die Dufour Grand Large 430 erhält im Standard ein einfaches Zweisalings-Rigg von Z-Spars mit außen stehenden Ober- und Unterwanten. Für die massiven, außen angebolzten Püttingplatten sind im Rumpf allerdings keine Rezesse vorgesehen. Die Beschläge stehen entsprechend vor, was nicht nur unschön aussieht, sondern beim Einfahren in enge Hafenboxen auch ein Problem darstellen könnte. Scheuerleisten sind selbst als Option nicht vorgesehen. Der Großbaum ist am Mast sehr tief angeschlagen und steigt nach achtern hoch. Das mag von außen vielleicht gewöhnungsbedürftig wirken, hat aber bezüglich des Handlings, vor allem beim Bergen des Großsegel in die Lazybags, entscheidende Vorteile.

Dufour GL 430: Mehr Boot, mehr Möglichkeiten

Den Rumpf baut Dufour als Volllaminat in Handauflage. Das Deck ist im Vakuum-Injektionsverfahren hergestellt, was für eine gute Isolation steht, sowohl als Schallschutz wie auch gegen Hitze oder Kälte. Wie bereits im Test der Dufour 390 kritisiert, fertigt Dufour die Rümpfe aller Boote bis 46 Fuß aber ohne ein Kollisionsschott im Vorschiff, so auch die neue Grand Large 430. Die sogenannte Crashbox muss zwar nicht zwingend sein, steht aber doch für eine gewisse Sicherheit im Falle einer Kollision.

Mit einer Rumpflänge von 12,50 Metern ist die Neue rund 50 Zentimeter länger als die möglichen Vergleichsschiffe aus den großen Werftserien. Damit ignoriert das Konzept von Dufour zwar die möglichen Steuervorteile für Schiffe unter zwölf Meter Rumpflänge, kann aber im Konkurrenzvergleich mit einer bisher noch nie dagewesenen Ausbauvariante vorlegen.

Zum klassenüblichen Standard mit drei Kabinen und zwei Nasszellen bietet Dufour für das Schiff ein Layout mit einer zusätzlichen seitlich angebauten Gästekabine mit zwei übereinanderliegenden Kojen. Den Plänen nach zu urteilen, wird es darin für zwei Personen aber sehr eng werden. Mit vier möglichen Doppelkabinen kann Dufour in der Klasse Maßstäbe definieren und nimmt damit vor allem das Chartergeschäft ins Visier.

Dufour GL 430: Zu Schmal für Zwei

Für Eigner ist das Layout mit drei Kabinen und zwei Bädern attraktiv, zumal es ein ebenfalls ungewöhnliches Arrangement bietet – die Pantry liegt nämlich als quer ein gebaute Funktionszeile vorn direkt am Hauptschott. Diese Anordnung haben die französischen Bootsbauer schon bei größeren Schiffen in ähnlicher Form umgesetzt, zum Beispiel bei der Grand Large 460 (Test in YACHT 23/ 2015). Die zwei gegenüberliegenden Arbeitsnischen in U-Form gewähren unterwegs auf See einen guten Stand und perfekte Möglichkeiten zum Festhalten. Und im Vergleich zu einer konventionellen L-Pantry verfügt die Küche als Ganzes über größere Arbeitsflächen und mehr Stauräume.

Im Vorschiff ist die Koje als Inselbett recht weit in den Bug hinein platziert, was die Breite der Liegefläche auf Höhe der Schultern auf nur 1,25 Meter begrenzt. Zu zweit schläft man hier also nicht komfortabel. Zum Vergleich: Bei der kleineren Dufour 390 ist das Bett im Vorschiff als Dreieck eingebaut und bietet auf Schulterhöhe eine beachtliche Liegefläche von über zwei Metern. Diese Variante ist jedoch für das größere Boot als Ausbaualternative leider nicht gegeben.

Mehr Platz zum Schlafen bieten die beiden symmetrisch angeordneten Achterkabinen. Die Breite der Liegefläche beträgt hier 1,68 Meter, was im Vergleich zur Konkurrenz überdurchschnittlich viel ist. Und dies, obwohl Dufour zwischen den Kabinen einen etwa 50 Zentimeter breiten Kanal für die Bordtechnik einbaut.

Hell, freundlich und wohnlich, so präsentiert sich die Dufour Grand Large 430 unter Deck. Die großen Fensterflächen im Rumpf sowie am und auf dem Kajütaufbau sorgen tagsüber für ein lichtdurchflutetes und angenehmes Ambiente im Salon und in den Kabinen; hier kann man sich wohlfühlen. Zudem gibt es in allen Bereichen gut nutzbare Stauräume und eine ordentliche Ventila tion, abgesehen von fehlender Querbelüftung in der Pantry.

Dufour GL 430: Zu Schmal für Zwei

Mit der 430 will Dufour Yachts einer überaus starken Konkurrenz in einem wichtigen Längensegment die Stirn bieten. Das kann gelingen, weil das ideenreiche Boot ungewohnte Varianz bietet, was sowohl für Eigner wie für das Chartergeschäft gleichermaßen inter essant ist. Dass die Neue hierfür etwas größer ausfällt als der direkte Wett bewerb, schlägt sich in den Kosten nieder. Mit einem Basispreis von 222 040 Euro ist die Dufour Grand Large 430 zwischen 25 000 und 40 000 Euro teurer, bei durchaus vergleichbaren Grundausstattungen.

Dass letztlich die Qualität in der Detailverarbeitung stimmt, beruhigt und nimmt der Kritik an der kleinen Schwester etwas den Wind aus den Segeln.

Hier finden Sie eine Übersicht von Testberichten zu allen Yachten

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