Der hier veröffentlichte Text ist dem vollständigen Yachttest der Zeitschrift "Yacht" entnommen. Sie können die PDF-Datei mit dem vollständigen Artikel downloaden. Dieser Artikel enthält aussagekräftige Bilder, detaillierte Diagramme, Vergleiche zu anderen Yachten sowie präzise technische Angaben. Autor: Michael Good, Heft 14/2013

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Yachttest der Dufour GL 390

Dufour GL 390: Innovation aus Frankreich

Eine Segelyacht von nur wenig mehr als elf Meter Rumpflänge mit insgesamt drei Kabinen und drei Nasszellen – so etwas gab es bisher noch nie. Mit dieser Ankündigung sorgten die Bootsbauer von Dufour Yachts im Frühling dieses Jahres für eine faustdicke Überraschung auf dem Markt und innerhalb der Branche. Die Franzosen werden damit einmal mehr ihrem Ruf als innovative Werft gerecht. Auch wenn lediglich als Variante und ausschließlich für den Einsatz im Charterbereich gedacht: So viel Wohnangebot in einem Rumpf dieser Größe bleibt aktuell ungeschlagen. Die Konkurrenz der führenden Produktserien muss nachdenken.

Seit April dieses Jahres befindet sich Dufour Yachts in Périgny bei La Rochelle unter dem Dach von Fountaine Pajot. Der unweit in Aigrefeuille produzierende Katamaranhersteller möchte sich mit der Übernahme auf dem Markt breiter aufstellen und so ein schlagkräftiges Bündnis formieren, gegen die Gruppen von Beneteau, Hanse und Bavaria. Diese verfügen mittlerweile alle über ein Portfolio von Segelyachten sowie Katamaranen.

Dufour bleibt aber als eigenständige Marke erhalten und produziert auch künftig in weitgehend autonomer Regie am bisherigen Standort. Wie um diesen Umstand zu zementieren, hat die Werft kurz nach Bekanntgabe des Zusammenschlusses mit Fountaine Pajot gleich zwei komplett neu entwickelte Modelle für das Tourenprogramm Grand Large angekündigt, Dufour 390 und 430. Tatsächlich aber waren diese beiden Typen schon längst vor der Fusion geplant und letztlich wohl auch Teil des Übernahme-Deals.

Dufour GL 390: Noch mehr Fülle

Jetzt sind die ersten Schiffe der neuen, dritten Generation Grand Large fertig und wurden auch schon auf den frühen Herbstmessen in Cannes und Genua präsentiert. Für Deutschland sind Premieren im Januar auf der boot in Düsseldorf vorgesehen. Die YACHT hatte Gelegenheit, die beiden neuen Schiffe gleich nach deren Erstvorstellungen am Mittelmeer zu testen. In diesem Heft bringen wir zunächst die Dufour 390 und legen mit dem Test der Dufour 430 in einer der kommenden Ausgaben nach.

Was ist neu? Umberto Felci, Dufours Hauskonstrukteur seit vielen Jahren, hat versucht, in die aktuellen Rümpfe nun noch mehr Volumen zu zaubern, vor allem in der Bugsektion. Der Freibord fällt über die gesamte Länge nahezu lotrecht ab. Chines – achtern noch als richtige Kanten – ziehen sich fast bis zum Bug durch und schnüren das Volumen zur Wasserlinie ein. Das sorgt einerseits für weniger benetzte Oberfläche am Rumpf und gleichzeitig für eine hohe Formstabilität bei Krängung.

Optisch markant ist die überaus umfangreiche Rumpfform aber nur, wenn man das Schiff genau von vorn betrachtet. Aus der seitlichen Perspektive kaschieren der vertikale Steven sowie ein leichter Deckssprung das Volumen. Zudem sorgen die tief liegenden Rumpffenster und der dafür vorgesehene Rezess im Rumpf optisch für Streckung. Für das Auge passen die Linien, trotz der enormen Fülle.

Die Dufour 390 wird erst mittelfristig ihre bisher sehr gut verkaufte Schwester Dufour 382 (Test in YACHT 1/2015) aus dem Programm Grand Large verdrängen; derzeit wird noch das ältere Boot im Angebot geführt. Bei der Neuen ist das Cockpit achtern mit einem hochgezogenen Formteil halb geschlossen. Darin lassen sich auf Wunsch eine zusätzliche Außenspüle und ein Elektrogrill integrieren. Und die Badeplattform wird über einen seitlichen Durchstieg erschlossen. Die gute Idee und das Arrangement sind bereits bekannt, sie wurden von Dufour für alle Modelle der letzten Jahre bereits in ähnlicher Form umgesetzt – wie jetzt auch bei den beiden Neuen.

Dufour GL 390: Test mit Hemmnissen

Für den Test in der Bucht von La Spezia steht zwar eine Menge Sonnenschein zur Verfügung, hingegen kaum brauchbarer Wind. Die Seebrise am Nachmittag schwächelt, und die starken Dreher machen es schwierig, das Leistungsvermögen der Yacht voll auszuloten. Das mit einem segelfertigen Gesamtgewicht von 7,7 Tonnen vergleichsweise schwere Schiff schafft im Mittel bei sechs Knoten Wind (2 Beaufort) einen Speed von 4,3 Knoten an der Kreuz bei einem Wendewinkel von 90 Grad.

Dazu bedarf es noch mal einer Erklärung. Beim Testschiff war die Mechanik des ausfahrbaren Bugstrahlruders defekt und der Antrieb unterwegs dauerhaft abgesenkt. Dies sorgte neben einer Menge von Verwirbelungen an Kiel und Ruder natürlich auch für zusätzlichen Widerstand und entsprechend geringere Geschwindigkeiten. Die Leistungswerte sind daher mit sehr großem Vorbehalt zu interpretieren. Dazu kommen die bereits erwähnten Probleme mit der zu kurzen Holepunktschiene für die Genua.

Die schön gebauten Segel von Elvstrøm mit der überlappenden Genua und dem durchgelatteten Großsegel sind Teil des optional erhältlichen Grand-Prix-Pakets, mit dem das Testschiff ausgestattet ist. Im Bündel mit dabei sind auch der Achterstagspanner sowie die doppelseitige Großschotführung nach German-Cupper-Vorbild. Im Standard wird die Dufour 390 nur mit Selbstwendefock ausgerüstet. Zumindest bei den vorherrschenden Testbedingungen wäre das Boot damit zweifellos deutlich untertakelt.

Die sinnvolle Alternative für Leichtwindbedingungen ist auch hier der rollbare Code Zero. Dafür baut Dufour den Yachten der jüngeren Generation jetzt schon ab Werft einen festen Bugspriet an, welcher auch als Ankerhalterung dient. Bei der Dufour 390 ragt der Rüssel rund 75 Zentimeter über die Bugspitze hinaus. Für mehr Leistung mit raumem Wind können sportliche Segler daran auch einen Gennaker setzen.

Die Schoten für Genua und Groß laufen beidseitig am Süll entlang auf die Winschen vor den Steuerrädern und werden dort wechselseitig bedient. Das heißt: Die doppelt geführte Großschot muss jeweils vor der Wende abgestoppt und auf der Luvseite neu auf die Winsch gelegt werden. Das verlangt zwar nach etwas Übung und Vorbereitung für die Manöver, klappt aber letztlich doch recht gut, auch für Alleinsegler im Einhandmodus. Weil im Bereich des Steuermanns aber dauerhaft reichlich Schoten material liegt, wären zusätzliche Leinenschapps absolut wünschenswert.

Von ihrer geordneten Umlenkung am Mastfuß werden die Fallen, Reff- und Trimmleinen innerhalb vom Kajütaufbau seitlich an den Niedergang zurückgeführt. Die Winschen und die Stopper dort könnten eine Nummer größer und kräftiger sein. Speziell zum Durchsetzen der Fallen ist die Hardware an der Stelle eher zu schwach dimensioniert.

Gebaut wird der Rumpf der Dufour 390 im GFK-Volllaminat mit einer äußeren Sperrschicht aus Vinylester-Gelcoat. Gegen Osmose gewährt die Werft eine Garantie von zehn Jahren, branchenüblich sind lediglich fünf. Das Deck ist im doppelschaligen Vakuum-Injektionsverfahren mit Schaumkern hergestellt. Die kompakte Konstruktion sorgt für gute thermische und akustische Dämmung.

Dufour Yachts verzichtet weiterhin auf den Einbau eines Kollisionsschotts im Vorschiff, nicht nur beim Modell 390, sondern bei sämtlichen Booten der Reihe bis 46 Fuß. Eine Sicherheitswand zwischen Vorpiek und Vorschiffskabine ist zwar nach CE-Norm nicht zwingend vorgeschrieben, wird aber von Zertifizierern empfohlen.

Ratsam ist übrigens auch das Up grade für die Einbaumaschine. Im Standard wird die Dufour 390 mit dem Dreizylindermotor mit 30 PS von Volvo Penta ausgestattet. Beim Testboot ist optional der ruhiger laufende Vierzylinder mit 40 PS Leistung verbaut. Damit und mit einem Dreiblatt-Faltpropeller schafft die Französin bei Marsch fahrt (80 Prozent der Höchstdrehzahl) 6,6 Knoten Fahrt im ruhigen Wasser. Dieser Wert ist trotz mehr Motorleistung nicht besonders üppig, was aber ebenfalls am nicht ganz eingezogenen Bugstrahlruder liegen mag.

Die Maschine ist ordentlich schall isoliert. Die Lärmpegel bewegen sich in allen Wohnsektionen unter Deck im durchschnittlichen Bereich.

Dufour GL 390: Mehr als die anderen

Die für die Längenklasse um elf Meter noch beispiellose Ausbauversion der Dufour Grand Large 390 mit drei Kabinen und drei Nasszellen ist für das Chartergeschäft interessant. Der Kompromiss dafür bedeutet, dass die Werft die Pantry als lange Zeile in den Salon verbauen muss, was den Platz in der Sitzgruppe drastisch reduziert. Hier können auf einer Seite dann noch drei oder maximal vier Personen am Tisch sitzen. Bei der Standardversion (Testschiff ) können mindestens sechs oder sieben Personen bequem um den beidseitig aufklappbaren Salontisch Platz nehmen.

Die Standardversion der 390 kommt mit drei Kabinen und zwei Bädern, was im Vergleich zur Konkurrenz bereits ungewöhnlich ist; drei Kabinen ja, aber nur ein Toilettenraum – so lautet der Klassenstandard bei den Wettbewerbern. Den Vorsprung holt sich Dufour mit einer extrem geräumigen Vorschiffskabine. Dank des weit achtern anlaminierten Hauptschotts kann die Werft vorn ein eigenes Bad für die Eigner realisieren, und dies in einer noch vernünftigen Größe. Interessant ist, dass die Abmessungen der Koje im Vorschiff trotzdem immer noch weit über dem Durchschnitt liegen. Auf Höhe der Schultern beträgt die Liegefläche in der Breite hier mehr als zwei Meter, was selbst auf deutlich größeren Schiffen ungewöhnlich ist. Die markant voluminöse Rumpfform im vorderen Bereich macht dies überhaupt erst möglich.

Für den Dreikabiner ist das Achterschiff symmetrisch geteilt. Mit einer Breite auf Schulterhöhe von 1,64 Metern sind die Kojen hier ebenfalls überdurchschnittlich groß für ein Schiff dieser Länge mit zwei Doppelkabinen im Heck. Zwei weitere Mitsegler können auf den Sofakojen im Salon übernachten. Auch hier sind die Liegeflächen groß genug und die schön gemachten Polsterungen dafür geeignet. Zudem lässt sich der kleine Navigationstisch auf der Backbordseite mit einem Handgriff absenken, was die Kojenfläche noch vergrößert oder eine zusätzliche Sitzgelegenheit beschert.

Als weitere, dritte Layoutvariante kann man sich die Dufour 390 mit nur einer quer eingebauten Kabine achtern bestellen. Das verbleibende Volumen nutzt die Werft für eine größere und tiefere Backskiste sowie für einen separaten Duschbereich in der hinteren Nasszelle.

Das Testboot ist mit hellem und matt lackiertem Teakholz ausgebaut. Alternativ können sich Kunden auch für das etwas dunklere Moabi-Mahagoni oder für deutlich helleres Eichenholz entscheiden. Die Maserung verläuft in allen Varianten durchgehend horizontal, was eine edle Anmutung bewirkt und speziell im Salon für noch mehr gefühltes Volumen sorgt. Die vielen und großen Fenster flächen am Aufbau und im Rumpf tauchen das gefällige Interieur tagsüber in ein helles und angenehmes Licht. Zudem gibt es in allen Wohnbereichen ausreichend viele Luken für vorbildliche Lüftungsmöglichkeiten unter Deck.

Dufour GL 390: Spannende Alternative

Mit einem Grundpreis von 163 030 Euro für das Schiff in der Basisausführung ist die Dufour Grand Large 390 etwas teurer als die Konkurrenz (s. Übersicht Seite 89). Profitieren kann der Käufer hingegen von einer ganzen Reihe von funktional zusammengestellten Ausstattungspaketen, welche gegenüber den wählbaren Einzeloptionen finanzielle Vorteile bündeln. Wer sich im Längensegment um 38 Fuß (elf Meter) orientiert, muss sich jetzt auch mit der neuen Dufour Grand Large 390 befassen, die für den Käufer mehr Flexibilität und Individualität bietet als die Wettbewerber. Die vielen ärgerlichen Verarbeitungsmängel beim ersten Serienboot trüben leider den guten Gesamteindruck. Zuversichtlich aber stimmt das Wissen, dass Dufour es besser kann. Die Werft hat das vielfach unter Beweis gestellt.

 

Hier finden Sie eine Übersicht von Testberichten zu allen Yachten

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