Der hier veröffentlichte Text ist dem vollständigen Yachttest der Zeitschrift "Yacht" entnommen. Sie können die PDF-Datei mit dem vollständigen Artikel downloaden. Dieser Artikel enthält aussagekräftige Bilder, detaillierte Diagramme, Vergleiche zu anderen Yachten sowie präzise technische Angaben. Autor: Fridtjof Gunkel, Heft 22/2014

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Yachttest der Dehler 46

Dehler 46: Auf den Spuren der Dehler 38

it Spannung erwartet und nun in Cannes erst­mals präsentiert: Die neue Dehler 46 soll die Erfolgsgeschichte der Dehler 38 fortschreiben. Und die wurde immerhin Deutsche Meiste­rin im Seesegeln, siegte bei der Wahl zur Yacht des Jahres im Mutterland des moder­nen Serienbootsbaus Frankreich, konnte gar den Titel European Yacht of the Year erringen und verkaufte sich in eineinhalb Jahren im­merhin rund 100-mal. Was ein herausragend guter Wert für einen Performance-Cruiser ist.

Nun die 46er, wieder eine JudelNrolijk­Konstruktion und echte Schönheit für jeden, der sportiv-moderne Boote mag. Steile Rumpfenden, ein sich kaum verjüngender Heckbereich, moderat breiter, flacher Frei­bord. Dazu die Optionen: drei Tiefgänge, zwei Ruderblätter, Alumast oder längeres Carbonrigg.

Dehler 46: Segeln der Extraklasse

Das Boot beweist auch eine gewisse gestalte­rische Finesse. Augenbrauen aus Aluminium zieren die Fensterlinie, deren Silhouette der langgezogene Edelstahlgriff am Cockpittisch aufnimmt. Die formschön integrierten Plot­terpods vor den Steuersäulen wirken ebenso elegant wie funktional. Groß- und Genua­schot sowie die Holepunktverstellung ver­laufen dicht am Aufbau, stören weder Fuß noch Auge. Boot und Deck wirken wie aus dem Vollen gefräst, sehr durchdacht und er­wachsen.

Über die optionale Heckklappe geht's an Bord und nach wenigen Handgriffen raus auf den Golfe de la Napoule vor Cannes, wo die große Bootsausstellung Festival de la Plai­sance gerade durch die Regates Royales ab­gelöst wird. Die Klassiker vom Drachen bis zur majestätischen J-Class „Shamrock" müssen den Tag jedoch im Hafen abwettern, zu viel Wind für altes Holz, befindet die Wettfahrtleitung.

Modemes GFK verträgt die bis über 20 Knoten jedoch ganz gut- und dies sogar oh­ne Reff, wie sich probeweise mit der Hand an der Großschot zeigt. Der realistische Reff­punkt dürfte ohne Crew auf der Kante bei et­wa 15 Knoten wahrem Wind liegen. Ein recht hoher Wert für ein Performance-Boot, das in der Testversion mit dem längeren Car­bonrigg und rund sieben Quadratmetern mehr Segelfläche ausgestattet ist, was jedoch durch den tiefen T-Kiel mit Bleibombe und 2,50 Meter Tiefgang kompensiert wird. Auffällig ist unterwegs auch, wie kontrolliert die Dehler 46 selbst mit großen Schräglagen weit jenseits der 25 Grad umzugehen vermag.

Und sie steuert sich exzellent, liefert den nötigen Ruderdruck für gutes Feedback ab, reagiert willig über die recht direkt ausgeleg­te Anlage mit Drahtübertragung ( eineinvier­tel Umdrehungen von Anschlag zu An­schlag) und macht in der Summe ihrer Ei­genschaften einfach viel Spaß am Rad. Wozu natürlich auch die Geschwindigkeit und das Verhalten in der Welle beitragen.

Das Boot meistert Seegang souverän. An der Kreuz präsentiert es sich mit kleinen Wendewinkeln und einer Geschwindigkeit von rund 7,5 Knoten. Kaum abgefallen, stei­gert sich der Speed fast von allein auf über 8 Knoten und schnuppert schon mal an der 9. Mit Gennaker geht's dann schnell ins Zweistellige, auch wenn sich das aufgrund eines Segelschadens nicht weiter ausbauen und genießen ließ.

Der Steuermann findet an den beiden Rädern gute Sitz- und Stehpositionen vor, Fußstützen werden mitgeliefert und individuell vom Händler angepasst. Wobei man sich bei einem Boot dieses Schlages doch große herausklappbare Schrägen wünschen würde. Die gibt es als Option (790 Euro). Ebenso vermisst man auf dem Weg durchs Cockpit Handgriffe an den Steuersäulen. Und diese wiederum fangen in der Halse schon mal die Großschot des German-Cup­per-Systems, das mit Traveller versenkt im Boden direkt vor den Rädern arbeitet.

Die Winschen, gut bemessene 55er Race von Lewmar ( Option für 770 Euro, Standard sind 50er), wurden in direktem Zugriff des Steuermanns positioniert und mit liegenden Hebelklemmen ausgestattet, wodurch das Deckslayout flexibel wird; in Lee lässt sich dort dann beispielsweise der Gennaker fah­ren. Die Genuawinschen sitzen weiter vorn und recht weit außen. Das typische duch­tenbedingte Bein in Lee auf der Kante lässt sich da nicht vermeiden. Ansonsten präsentiert sich das Deckslayout durchaus wunschgemäß. Für den Regattaein­satz bieten sich noch Inhauler zum Verkleinern des Genua-Anstellwinkels, im Mast über Kreuz verlegte Spinnakerfallen für besseres Holen in Luv und ein Abklemmer für den Toppnant an, damit das Vorschiffsteam im Manöver autono­mer ist.

In dem Zusammenhang: Die mastseitige Höhenverstellung des Spinnakerbaums auf ei­ner Schiene erfolgt per Kurbel, ein antiquiertes, weil langsames System, das geändert wird. Das Rigg von Pauger aus Ungarn kommt mit zwei Salingen und Püttingen an der Deckskante aus. Es macht einen vertrauenerweckenden Ein­druck und lässt sich mit dem serienmäßigen hydraulischen Achterstagspanner trimmen. Gut gefielen auch die profiltreuen Elvstrøm-Se­gel aus triradial geschnittenem Fast Cruising Laminate (FCL, Option). Die 105 Prozent über­lappende Fock wird per versenkter Furlex-An­lage ab- und aufgerollt.

Weitere Details an Deck: Eine dezente Scheuerleiste aus Aluminium ist Standard. Die Badeplattform kommt nur als Extra ( 3560 Euro) und wird händisch bedient. Zwischen Anker­kasten und Vorschiff wurde ein Segelstauraum eingebaut. Zwar ist achterlich der Steuerräder im Fußboden noch Kellerraum vorgesehen, doch naturgemäß gerät das Backskistenvolu­men einer Drei-Kabinen-Version recht knapp.

Dehler 46: Innen nur zwei Versionen

Sind die Wahlmöglichkeiten für Kiele, Ruder und Riggs groß, gibt es für den Kunden unter Deck deutlich weniger Optionen. Er muss sich - abgesehen von Polsterstoffen und den Ober­flächen von Fußboden und Einbaumöbeln nur zwischen einer oder zwei Kabinen im Heck entscheiden. Das Layout ist asymmetrisch. Die Steuerbordkabine geriet größer, dann folgt ein mittiger Serviceschacht, der auch zum Stauen genutzt wird. Der verbleibende Platz an Back­bord ist als kleinere Kammer oder als Stauraum mit Einzelkoje ausgeführt.

Eine Besonderheit ist das schon von der Dehler 38 bekannte Raumbad. Die Tür trennt das gesamte Bad oder nur den kleineren Raum für Dusche und WC vom Salon ab; das Wasch­becken ist dann frei zugänglich. Ähnlich funk­tioniert das zweite Bad im Vorschiff. Weil es recht viel Volumen einnimmt, überlegt die Werft, das Boot auch ohne Nasszelle vorn anzu­bieten. Beide Türen sind ohne Schwellen ge­baut und öffnen nach außen - beim Duschen wird also Wasser in den Nebenraum rinnen; ein Vorhang, ein Abweiser oder andere Maß­nahmen sind dort also noch nötig.

Die Dehler 46 überzeugt auch unter Deck mit einer moderat-modernen und eigenen Formensprache. Auffällig sind die nicht bis unter die Decke reichenden Oberschränke mit abgerundeten Klappen. Das System ver­schenkt Platz, ja, aber wirkt und ist leichter - und das passt wiederum gut zum Schiff. Der Prototyp wartete noch mit Problemzonen wie unschönen Spaltmaßen, zu großzügig verwendeter Dichtungsmasse und nicht hal­tenden Bodenbrettern auf - Dinge, welche die Werft wird abstellen können.

Als gut gelungen erwies sich die Naviga­tion mit abdeckbarer Einbauelektronik, die großzügige Pantry (wenn auch der Kocher bereits bei 20 Grad Lage anschlägt) sowie die Tatsache, dass die Stauräume unter den So­fas per Schubladen genutzt werden, das läs­tige Anheben von Polstern entfällt. Auch der Blick in die Bilge zeigt Erfreuliches: Boden­gruppe aus GFK und Kielaufhängung wirken sehr solide und sauber ausgeführt. Das Boot selbst wird im Vakuum-Infusionsverfahren gefertigt, welches für leichtere und homogenere Rümpfe steht. Als Harz kommt Vinyl­ester zum Einsatz, das für gute Osmose-Re­sistenz bekannt ist. Im Rumpf-Sandwich wird Schaum eingesetzt, im Deck Balsaholz.

Dehler 46: Ein Boot, viele Ausrichtungen

Das Konzept der Dehler 46 funktioniert: Es lässt sich durch die vielen leistungs- und handlingrelevanten Varianten hervorragend an die persönlichen Vorlieben anpassen; vom sportlichen Fahrtenboot mit Badeplatt -form und Bugstrahlruder bis zum Cruiser/Racer mit Carbon.mast und extrem tiefem Kiel geht alles - oder auch ein Mix daraus. Es segelt hervorragend: schnell, hoch, steif, agil. Und es gefällt in den meisten Details so­wie unter Deck. Dabei kommt die Neue überraschend preiswert. Kostete die ver­gleichbare ältere Dehler 44 2007 noch 320 000 Euro, ist der 46-Fußer jetzt schon ab 273 000 zu haben. Eine Grand Soleil 47 be­ginnt bei 403 000, eine Solaris bei 410 000 Euro. Die XP-44, allerdings ab Werft höher­wertig ausgestattet, kostet 365 000 Euro. Da ist nur noch die etwas kleinere Salona 44 aus Kroatien günstiger, die sich bereits für 250 000 Euro ordern lässt.

Insofern stehen insgesamt ihre Chancen nicht schlecht, so erfolgreich wie die 38-Fuß­Schwester zu werden. Die Dehler 46 zeigt ähnliche Qualitäten und Gene - und für die Wahl zu Europas Yacht des Jahres ist sie ebenfalls schon nominiert.

Hier finden Sie eine Übersicht von Testberichten zu allen Yachten

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