Der hier veröffentlichte Text ist dem vollständigen Yachttest der Zeitschrift "Yacht" entnommen. Sie können die PDF-Datei mit dem vollständigen Artikel downloaden. Dieser Artikel enthält aussagekräftige Bilder, detaillierte Diagramme, Vergleiche zu anderen Yachten, sowie präzise technische Angaben.

Hier geht es zum kostenpflichtigen Download (3,-€, Heft 18/2005):   Yachttest der Beneteau Cyc. 39

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Yachttest der Beneteau Cyclades 39

Beneteau Cyclades 39: Eine ehrliche Haut

Es ist ein mutiges Projekt: Branchenführer Beneteau macht seiner bewährten Cruising-Linie Oceanis mit der Oceanis 37 und der Oceanis 40 selber Konkurrenz. Und das auf dem ohnehin hart umkämpften Markt für mittelgroße und groß Fahrtenyachten. Zumindest sieht es für jeden Außenstehenden so aus. Die Strategie der Werftleitung jedoch ist komplexer. Die Cyclades-Modellreihe mit Beneteau Cyclades 39, Beneteau Cyclades 43-3, Beneteau Cyclades 43-4 und Beneteau Cyclades 50 soll nicht hausintern konkurrieren, sondern addieren. Heißt, die Yachten mit der simplen Ausführung, der minimalen Optionenliste, den fehlenden Ausbauvariationen und dem äußerst attraktiven Preis runden das bestehende Produktportfolio nach unten ab. Das ist zugegeben ziemlich geschickt in einer Zeit, in der hauptsächlich im Niedrigpreissegment Wachstum zu erzielen ist.

Wer aber sind die Käufer? Im Visier hat die Werft all jene, die in erster Linie segeln wollen. Menschen, die keinen gesteigerten Wert auf exklusiven Komfort legen. Deren erster Gedanke nicht der Sonderausstattung gilt, sondern dem generellen See- und Segelverhalten einer Yacht. Und die beim Kauf ihr Bankkonto nicht über Gebühr strapazieren möchten.

 

Beneteau Cyclades 39: Solides Grundpaket

Beneteau Cyclades-Yachten sind also für Einsteiger ins Fahrtensegeln durchaus eine Überlegung wert. Aber auch für Menschen, die noch andere Hobbys haben, für die Segeln nicht oberste Priorität hat und die demzufolge nur begrenzt Kapital in Form einer Yacht binden wollen. Angesprochen sind des Weiteren Crews, beispielsweise Familien, die zuallererst ein möglichst großes Boot haben wollen, um es dann erst in den Folgejahren nach und nach in Eigenregie weiter auszurüsten. Darüber hinaus hat Beneteau natürlich auch den lukrativen Chartermarkt im Blick.

Bei der Entwicklung der Cyclades- Reihe haben die großen Flottenbetreiber Sunsail und Stardust intensiv mit den Designern von Berret-Racoupeau zusammengearbeitet. Herausgekommen sind Schiffe mit einer ehrlichen Ausrichtung auf Fahrtensegeln. Sie erfüllen die Grundbedürfnisse von Seglern, erheben aber keinerlei Ansprüche auf Luxus oder Regattatauglichkeit. Nach der viel beachteten Einführung der Cyclades 43.3 im Frühjahr dieses Jahres (Test in YACHT 10/05) zieht Beneteau nun mit der Beneteau Cyclades 39 nach - und kündigt gleichzeitig die große 50 für den Herbst an. Rein optisch unterscheidet sich die 39-Fuß-Version kaum von der größeren Schwester. Salopp formuliert hinterlässt die Kleine den Eindruck, als hätte man aus der 43er lediglich etwas Luft abgelassen.

An Deck dominiert großflächig das pure Weiß des Gelcoats. Alles wirkt schnörkellos, funktionell. Das einzige schiffige Element sind die lamellierten Schotttürchen des Niedergangs. Wer Teak auf Laufdeck oder Sitzduchten vermisst, bekäme vom Verkäufer wohl gleich einen Prospekt der Oceanis-Reihe in die Hand gedrückt. Bei den Cyclades- Yachten ist und bleibt die Liste der Optionen kurz, da macht auch die Neue keine Ausnahme.

 

Beneteau Cyclades 39: Große Wirkung

Erstaunlich ist das geradezu riesig wirkende Cockpit. Grund dafür: die breit gehaltene Heckpartie und das weit nach außen reichende Süll. Bis zu sechs Personen finden bequem Platz und beim Segeln sicheren Halt. Mittendrin ein großer, beidseitig abklappbarer und ebenfalls schneeweißer Cockpittisch - der gleiche, der auch auf der 43.3 eingebaut wird. So etwas senkt die Produktionskosten. Allerdings: Das gute Stück, das auf der größeren Yacht harmonisch wirkt, mutet auf der Beneteau Cyclades 39 etwas wuchtig an. Einschränken muss sich auf der Beneteau Cyclades 39 der Rudergänger. Nur jeweils direkt hinter den beiden Steuerrädern sitzt man einigermaßen komfortabel. Wer ganz in Lee oder aber ganz in Luv steuern will, dem kommen die beidseits ans Heck geführten Drähte des geteilten Achterstags arg in die Quere. .

Beim Test an der französischen Atlantikküste vor St. Gilles, dem Hauptsitz der Groupe Beneteau, zeigt die Beneteau Cyclades 39 recht ansprechende Segeleigenschaften. Bei einer leichten bis mittleren Brise von maximal 10 Knoten Wind steht das Boot seiner älteren Schwester in nichts nach - der gleiche Speed, die gleiche Höhe. Hart am Wind bringt es die Beneteau Cyclades 39 auf bis zu 6 Knoten Fahrt bei einem wahren Windeinfall von 55 Grad. Das ergibt einen Wendewinkel von 110 Grad. Nicht gerade berauschende Werte, doch sie gehen insgesamt in Ordnung. Besonders in Anbetracht der Tatsache, dass dieser Schiffstyp nun mal nicht darauf ausgerichtet ist, möglichst schnell und gut zu segeln.

 

Beneteau Cyclades 39: Einfaches Handling

Entsprechend ist auch das Rigg konzipiert. Ein relativ dickes Profil von Z-Spars wird über zwei stark gepfeilte und überlange Salingspaare verstagt. Das hat Vorteile: Die Wanten fluchten auf Püttinge ganz außen an der Bordwand. Damit werden die Kräfte optimal in den Rumpf eingeleitet. Und durch die außen liegenden Rüsteisen ist es möglich, das Deckshaus möglichst breit zu konzipieren und dennoch den ungehinderten Durchgang auf das Vorschiff zu gewährleisten. Das breite Rigg offenbart aber auch seine Schwächen. So kann keine deutlich überlappende Genua gefahren werden, ganz klar ein Nachteil bei wenig Wind. Das Standard-Vorsegel der Beneteau Cyclades 39 reicht bis maximal 110 Prozent Überdeckung und wird an einer vormontierten Rollreff-Anlage von Profurl gefahren. Für das Großsegel sind Lazyjacks und -bags schon werftseitig angeschlagen.

Beneteau Cyclades 39: An Deck

Die Großschot führt über eine geteilte Talje auf dem Kajütdach - ohne Traveller - nach vorn und wieder zurück auf die Winsch seitlich des Niedergangs. Das ist mittlerweile Standard für ein reines Fahrtenboot. Auf diese Weise bleibt das Cockpit frei von störendem laufendem Gut. Die Genua-Winsch ist weit achtern auf das Süll montiert. Das ist gut für den Steuermann, der dadurch das Vorsegel gleich selbst bedienen kann. Ein Crewmitglied allerdings muss sich bei der Arbeit an der Schot um eine gute Position bemühen und steht dann mit dem Rücken zum einzustellenden Segel. So sehr sich die Schiffe der Cyclades- Reihe äußerlich gleichen, unter Deck hebt sich die Beneteau Cyclades 39 vom vier Fuß größeren Modell deutlich ab. Die Beneteau Cyclades 43.3 verblüffte mit einem für ihre Länge unüblichen Ausbau mit drei abgetrennten Kabinen und ebenso vielen Nasszellen. Die kleinere Version schlägt nun genau in die andere Richtung aus: auch drei Kammern, aber nur ein WC-Waschraum.

Beneteau Cyclades 39: Ein Familienfreundliches Layout

Damit setzt man sich bei Beneteau einmal mehr von der Konkurrenz ab. Vergleichbare Boote von Bavaria wie B. die Bavaria 39 cruiser oder Hanse mit der Hanse 385 , und selbst die aus dem eigenen Haus stammende Oceanis 393 haben drei Kabinen und zwei Nasszellen. Marketing-Chef Serge Paillard zur Strategie, die hinter dem Konzept steht:

"Während sich die Beneteau Cyclades 43.3 konsequent an den Bedürfnissen von Chartergästen orientiert, ist die kleinere 39er auf die Wünsche von Familien mit Kindern ausgelegt. Das heißt viel Platz in den Kammern zum Schlafen und Leben, dafür nur ein Toilettenraum für alle." Allerdings steht in der einen Nasszelle deutlich zu wenig Stauraum zur Verfügung. Nur ein einziges, nicht unterteiltes Staufach über dem Waschbecken ist für sechs Personen an Bord nicht ausreichend, selbst wenn Kinder dabei sind. Ansonsten findet sich unter Deck der übliche Ausbaustandard.

Schön ist die lange Küchenzeile an Backbord samt großer Arbeitsfläche aus Laminat. Ein zweiflammiger Gasherd und ein Kühlschrank mit 170 Liter Inhalt gehören zur Grundausstattung. Vorbildlich und auch bei anderen Werften mehr und mehr in Mode ist die Ausstattung der Kojen mit einem Lattenrost anstelle der sonst üblichen Kojenbretter. Das kommt sowohl dem Schlafkomfort als auch der Durchlüftung des darunter befindlichen Stauraums zugute.

Beneteau Cyclades 39: Der Stauraum

Auf der Beneteau Cyclades 39 bieten zahlreiche, ordentlich dimensionierte Fächer in den Kammern jede Menge Platz für Kleidung und Kleinkram. Taschen und sperrige Gerätschaft verschwinden in einem der großen Staufächer im Salon oder unter den Kojen. Im Großen und Ganzen wirkt der Innenraum der 39er zwar nüchtern-funktionell, aber keineswegs unwohnlich oder gar kühl. Während beim Yachttest der Cyclades 43.3 deren Ausbauqualität stellenweise noch Anlass zur Kritik gab, hat sich die Werft bei der Beneteau Cyclades 39 mehr Mühe gegeben. Die Einbauten sind gut verarbeitet und mit hochwertigen Beschlägen versehen. Der Yanmar-Diesel bringt 40 PS Leistung über eine Antriebswelle auf einen Dreiblatt-Festpropeller. Damit lässt sich das Boot im Hafen ausgezeichnet manövrieren. Die Beneteau Cyclades 39 reagiert zügig auf Ruderausschläge. Der Maschinenraum ist ordentlich schallisoliert. Der Geräuschpegel im Salon bleibt mit gemessenen 78 Dezibel (bei Marschfahrt) im normalen Bereich. Der Zugang zum Motor ist von vorn über den aufklappbaren Niedergang sowie über zwei Inspektionsluken von den Achterkammern aus zufrieden stellend.

Beneteau Cyclades 39: Das Fazit

Der Kunde hat bei Beneteau jetzt in dieser Range noch mehr Auswahl, ohne den Hersteller wechseln zu müssen: Exklusiv und individuell, dann wird ihm eine Oceanis 37 offeriert. Wem es auf gute Segelleistung ankommt, dem wird die Werft ein Schiff ihrer First-Reihe wie die First 36.7 ans Herz legen. Alle, die es einfach, gut, aber günstig mögen, finden in der Beneteau Cyclades 39 das passende Angebot.

Die Beneteau Cyclades 39 ist konsequenter Ausdruck dieser Philosophie. Kritiker mögen die noch junge Modellreihe als "Einheitsbrei" abtun, dem sich die Segler verschließen werden. Beneteau sieht genau darin ein gewinnbringendes Geschäft. Die Zukunft wird zeigen, wer Recht behält.

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