J 92S


Auf den ersten Blick erscheint die J 92 S als sportliches Boot für junge Leute. Das hinten vollkommen offene Cockpit signalisiert Anklänge an Hochseeracer, bei denen es auf schnelles Lenzen eines durch überkommende Brecher vollgelaufenen Fahrstandes ankommt. Unter Deck überwiegt ein etwas spartanischer Eindruck, der Grund liegt in der Gewichtsersparnis. Ein Blick auf die Verdrängung der segelfertigen Yacht bestätigt das, denn sie verdrängt tatsächlich nur 2,5 Tonnen und hat gleichzeitig eine Kielflosse mit sage und schreibe 1,90 m Tiefgang. Also doch ein Racer! Unter Deck hat das Boot vier Kojen, alle längsschiffs, zwei im Salon und zwei im spitzen Vorschiff. Dazwischen gibt es einen sehr kleinen Toilettenraum und gegenüber einen Kleiderschrank. Die J 92 S ist sehr schnell unterwegs und macht viel Spaß. Die Segelgarderobe ist reichhaltig und passt zu dieser pfeilschnellen Yacht. Genau was junge Segler wollen.

Kategorie : Segelyacht | wong it! 3 Kommentare »

3 Reaktionen zu “J 92S”

  1. charterzentrum

    Bitte nutzen Sie diese Plattform, um anderen Segelkameraden bei der Auswahl der richtigen Yacht zu helfen! Was ist Ihnen bei der J 92S aufgefallen? Hat sie besondere Segeleigenschaften, hat sie viel Platz, sind die Kojen bequem?

    Schreiben Sie Ihre Meinung – das ist für uns und vor allem für viele andere Crews sehr wichtig!

  2. Gero Pischke

    Einfach klasse zu segeln!

    Das Schiff lässt sich genauso gut segeln wie eine Jolle. Die Sitzposition ist entsprechend. Es gibt keine ausgeformte Lehne wie auf großen Yachten, sondern es kommt gleich auf der Sitzfläche die Reling. Das macht das Sitzen bei ungünstigem Wetter kälter und deutlich nässer. Die Füße können auf ausgeformten Leisten abgestützt werden (sehr ergonomisch). Die Pinne und der längenverstellbare Ausleger lassen sich gut bedienen und das Kontrollpanel für den Motor ist ausreichend. Leider gibt es keinen Autopiloten.

    Der Motorschalthebel befindet sich an der Seite und wird vom Unterschenkel gelegentlich berührt. In der Plicht befindet sich der Traveller über die gesamte Breite. Er wird mit dem üblichen Leinensystem verstellt. Die Großschot ist mehrfach untersetzt und verfügt zusätzlich noch über eine Feinjustierung. Selbst bei Bft 6 ist das für eine Person noch gut handhabbar.

    Durch die Segelfläche von insgesamt 54 qm ist das Boot auch bei viel Wind gut beherrschbar. Nur das Reffen ist etwas aufregend, da wenig Platz ist, sich das Schiff auf Grund seiner Größe stark und schnell bewegt und es nicht über eine Dirk verfügt. Beim Festhalten am Baum (was aber manchmal nicht anders geht, wenn man nicht über Bord fallen will) entsteht Druck auf den Kicker (kombinierter Baumniederholer und Baumhochhalter), sodass der sich schlimmstenfalls verbiegen und seine Funktion verlieren kann.

    Die Segel sind hochwertig und aus einer Mylar-Dacron-Mischung gemacht. Sie stehen sehr gut. Die Genua lässt sich einrollen.

    Die Segelleistungen sind hervorragend: Bei Bft 6 aus SW sind wir von Göteborg nach Helsingör ständig zwischen 7,2 und 7,5 Kn am Wind gesegelt und das, obwohl wir nur mit Groß im 2. Reff gesegelt sind. Das Schiff nimmt auf Am-Wind-Kurs durch den flachen Rumpf bei viel Welle allerdings viel Wasser über. Ansonsten weiche Schiffsbewegungen und kaum Ruderdruck.

    Bei raumen Wind sind wir bei 4-5 Bft (Genua voll, Groß technisch bedingt nur im 2. Reff) auch zwischen 7 und 7,3 Kn gefahren.

    Die Anzeigen der Navi-Geräte sind am Mast angebracht und der Kartenplotter backbord vorm Niedergang und lassen sich bis auf den zu kleinen Kompass gut ablesen. Ein Tochtergerät befindet sich steuerbord vom Niedergang.

    Am Heck befindet sich eine eingehängte Backskiste direkt für diesen Bootstyp. Diese kann gut verwendet werden, da die Pinne nicht im Weg ist.

    Die Motorleistung ist mehr als ausreichend. Durch den Saildrive stellt sich allerdings kein brauchbarer Radeffekt ein. Durch den extrem kurzen aber langen Kiel ergibt sich eine sehr gute Wendigkeit bei Hafenmanövern.

    Eine Sprayhood gibt es nicht, sodass bei Regen oder Gischt Wasser in die Kajüte kommt und gleich auf den Kunststoffpolstern landet, wenn man heruntergeht. Der Niedergang und die Kajüte bieten keine (!) Möglichkeit sich festzuhalten. Navigieren oder Tee kochen bei der Fahrt kann man vergessen. Hoffentlich muss nie jemand an die Rettungsinsel, denn die wiegt etwa 40 Kg und liegt im Vorschiff in einer Art sehr großen Reisetasche. Und die unter schwierigen Bedingungen irgendwie an Deck zu kriegen …

    Unter Deck gibt es kaum Staumöglichkeiten: Unter den Polstern etwa 10 bis 20 cm über die Kojenlänge und im Vorschiff allenfalls ein bisschen über dem Wassersack unter der Doppelkoje oder dem Stauraum dahinter, wo man aber nur mit Mühe hinkommt. Gegenüber der Toilette ist ein Schapp, was aber mit den nötigen Dingen für Sicherheit und Bootsführung voll ist. Hinter den Salonkojen geht es noch einmal jeweils 2 bis 2,5 m hinten rein, aber da kommt man dann nicht mehr so einfach ran. Geschirr und Flaggen sind an den Wänden in langen Stoffhalterungen untergebracht. Das ist noch etwas Platz für verpacktes Essen. Eine Kühlbox gibt es. Die ist aber lose und muss irgendwo in der Nähe des Stroms untergebracht werden (bleibt eigentlich nur der hintere Salon, also Koje oder neben Niedergang. Beide Waschbecken sind nur durch Fußpumpe zu betätigen und die Stehhöhe beträgt 1,5 m.

    Kurzum: super und sportlich zu segeln und zu handhaben, aber längere Törns nur bei bequemem Wetter und nur mit 2 Personen, die gut mit Improvisation und Unbequemlichkeit leben können.

  3. Gero Pischke

    Hinzuzufügen ist noch, dass bei längerem Süd- oder Ostwind ein Strom von 2-3 Knoten im Sund und nördlich davon in Nordrichtung steht. Somit ist das Boot etwa 9,5 Knoten durch das Wasser gefahren. Die obigen Angaben sind GPS-Angaben (also FüG).


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