Delphia 40-4
Die
Delphia 40.4
ist ein keine Rennziege, aber ein Charterrenner: viel Platz in 4 Kabinen, sehr stabiles Segelverhalten, besonders bei viel Wind. Bemerkenswert ist die solide Verarbeitung und die gewaltige Stehhöhe mit 2,10 im Salon. Für eine Yachtcharter in der Ostsee ist die Delphia 40.4 eine Segelyacht mit sehr interessantem Preis-Leistungsverhältnis.
Schreiben Sie hier, wie Ihre Erfahrungen mit der Delphia 40-4 als Charteryacht sind und helfen Sie somit anderen interessierten Crews mit der Wahl der richtigen Charteryacht
Bilder vom Überführungstörn mit der Delphia 40 von Heiligenhafen nach Greifswald



Kategorie : Segelyacht, Segelyachten | wong it! Ein Kommentar »
am 10. Mai 2010 um 17:32 Uhr | #
Anfang Mai 2010 hatte ich Gelegenheit, die Delphia 40.4 bei einer Überführung von Heiligenhafen nach Greifswald unter recht unterschiedlichen Bedingungen zu segeln.
Am ersten Tag herrschten Leichtwindbedingungen, etwa 2 Bft aus W und kaum Welle. Dem recht gemäßigten Segelplan mit etwa 60 qm unter Fock und Groß gegenüber gut neun Tonnen Lebendgewicht hatte ich unter diesen Bedingungen kaum brauchbare Segeleigenschaften zugetraut. Umso überraschter war ich, dass es auch auf dem zunächst raumen Kurs mit gut 4 kts voran ging – ausreichend, um sich erst einmal in aller Ruhe mit dem Schiff vertraut zu machen und dabei trotzdem noch voranzukommen.
Östlich des Fehmarnsundes ging es dann auf Vormwindkurs. Durch die glatte See war Schmetterlingsegeln möglich und die Geschwindigkeit konnte annähernd gehalten werden. Zur Sicherheit wurde ein Bullenstander eingebunden.
Nach einer Weile schlief der Wind jedoch fast ganz ein, so dass wir die Maschine starten mussten, um unser heutiges Ziel – Warnemünde – noch erreichen zu können. Da der Motor überholt worden war, durften wir nur mit maximal 1.500 U/min fahren. Immerhin waren so knapp 6 kts bei angenehm leisem Motorgeräusch möglich – das sollte reichen, um bis Sonnenuntergang unser Ziel zu erreichen.
An dieser Stelle ein paar Worte zum Arbeitsbereich der Yacht: Das Cockpit wirkt aufgeräumt und relativ großzügig. Der Rudergänger hat viel Platz hinterm Rad, gute Abstützmöglichkeiten für die Füße und eine mittig erhöhte Sitzducht über fast die gesamte Heckbreite. Die Genuawinschen sind so angeordnet, dass der Rudergänger sie erreichen kann, ohne seinen Platz hinterm Rad zu verlassen. Da die seitlichen Cockpitduchten vor dem Steuerstand enden und das Rad nicht übermäßig groß ist, kommt man gut daran vorbei nach vorne.
Mir persönlich wäre allerdings eine Sitzmöglichkeit seitlich vom Steuerrad lieber gewesen, da man von dort aus bessere Sicht nach vorn und in die Segel hat. Gegen Abend frischte der Wind noch einmal auf gut 3 Bft aus NE auf, so dass wir noch eine Stunde mit halbem Wind und 5-6 kts Fahrt segeln konnten. Hierbei fiel mir auf, dass das Schiff trotz optimalem Feintrimm eine leichte Tendenz nach Lee hatte, wobei das Ruder so neutral und leichtgängig war, dass hierüber keine Rückmeldung erfolgte. Es ist also aufmerksames Steuern erforderlich, um nicht immer wieder unmerklich abzufallen. Hier ist der Autopilot eine gute Hilfe, wobei man unbedingt darauf achten muss, dass dieser 1. eine Weile braucht, um sich “einzusteuern” und 2. die Batteriekapazitäten des Schiffes zu gering sind, um längere Strecken nur mit dem Autopilot zu segeln
.
Vor dem Anlegemanöver im recht engen alten Yachthafen von Warnemünde musste ich mit dem Schiff zunächst einmal etwas rückwärts manövrieren üben. Die Delphia reagiert durch den großen Abstand zwischen Saildrive und Ruder nur sehr verzögert auf Steuerbefehle – eine Kurskorrektur mit Hartruderlage und einem dosierten Vorausschub funktioniert hier nicht!
Bei Seitenwind macht sich zudem der hohe Aufbau unangenehm bemerkbar, so dass es sehr wichtig ist, den erforderlichen Platz zum Manövrieren einzukalkulieren und das Manöver rechtzeitig abzubrechen, wenn man merkt, dass der Platz nicht reicht.
Der zweite Tag bescherte uns, entgegen den moderaten Wettervorhersagen, NE 4-5, zunehmend 5-6 und in Böen 7 bis 8 Bft sowie eine mittlere Welle von 2 m, d. h. im Peak bis über 3 m – hervorragende Bedingungen also, um auch mal die Starkwindtauglichkeit zu testen.
Da unser Kurs genau gegenan führte, hieß es also unter diesen Bedingungen zu kreuzen. Unter Groß mit Reff 1 und der ganz ausgerollten Fock kamen wir hart am Wind zunächst auf 5-6 kts. Der effektive Wendewinkel lag bei ca. 90° – sehr gute Werte für so eine Fahrtenyacht. Später bei weiter zunehmendem Wind und höheren Wellen refften wir weiter auf Reff 2. Die probehalber etwas eingerollte Fock brachte keine Vorteile, so dass wir sie kurz darauf wieder ausrollten. Die Fahrt hart am Wind reduzierte sich auf 4-5 kts und der Wendewinkel verschlechterte sich um etwa 10°. Sobald die ganz heftigen Böen nachgelassen hatten, refften wir wieder auf Reff 1 aus und die Werte verbesserten sich wieder. Vereinzelte starke Drücker konnten problemlos ausgesteuert bzw. mit kurzzeitig gefiertem Groß abgefangen werden. Das Schiff hatte auch unter diesen Bedingungen zu keiner Zeit mehr als 35° Lage, die Leeseite des Decks ging nicht durchs Wasser.
Die Segeleigenschaften der Yacht sind also durchaus starkwindtauglich, jedoch fehlt es dafür unter Deck an Einigem: Handgriffe, um sich unter Deck gefahrlos bewegen zu können, Türfeststeller, die ihrer Bestimmung gerecht werden und Schlingerleisten an den Tischen (vor allem im Navibereich und der Pantry), die wirklich rutschende Gegenstände aufhalten.
Am dritten und vierten Tag konnten wir die Delphia noch unter optimalen Bedingungen auf allen Kursen segeln und erreichten bei 4-5 Bft Durchschnittsgeschwindigkeiten um 7 kts – zeitweilig sogar über 8 kts und bei 3-4 Bft lagen die Durchschnittswerte um 6 kts. Alle Werte wurden per GPS ermittelt und sind somit reale SOG. Als Spitzenwert wurde kurzzeitig sogar 9,1 kts geloggt, das ist ein Knoten über Rumpfgeschwindigkeit!
Alles in Allem ein gutes Schiff für den Urlaubstörn auf der Ostsee, mit viel Platz auch für eine größere Crew und dennoch brauchbaren Segeleigenschaften, um bei allen Bedingungen voran zu kommen und sich dabei jederzeit sicher zu fühlen.