Das sagt die "yacht" zur Sun Odyssey 40
Testbericht der "yacht" der Sun Odyssey 40

Abschrift des Test der Sun Odyssey 40 .
Link zum Original-Artikel am Ende dieser Seite
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Das,was Marc Vallier, Konstrukteur und Testleiter bei Jeanneau, sagt, ist erschütternd. "Unsere Sun Odyssey 40.3 passt genau zum heutigen Durchschnittssegler", meint er. Der nutze sein Boot an sieben Tagen im Jahr und übernachte einmal pro Saison an Bord. Das habe eine von der EU in Auftrag gegebene Studie gezeigt. Mit diesen Erkenntnissen im Kopf haben sich die Franzosen an die Arbeit gemacht. Entsprechend fällt das Resultat aus: ein Boot, perfekt auf den Massenmarkt im Bereich der Mittelklasse zugeschnitten. Das ist schlicht nicht zu übersehen. An Bord finden sich zahlreiche Ausrüstungsgegenstände und Einrichtungsdetails, die keinesfalls schlecht sind. Aber übermässig gut sind sie auch nicht. Kurz, die Yacht ist knallhart Durchschnitt. Das spiegelt schon ihr Preis wider. Mit knapp 146000 Euro in der segelfertigen Version braucht Jeanneau den Vergleich mit anderen Großserien-Produzenten wie Beneteau, Bavaria oder Elan nicht zu scheuen (siehe Seite 85). Gänzlich neu ist die Sun Odyssey 40.3 übrigens nicht. Den Rumpf hat Daniel Andrieu bereits 1999 für die bis vor kurzem produzierte und insbesondere auf dem Chartermarkt äußerst erfolgreiche 40-Fuß-Version entworfen. Auch am Rigg hat sich bis auf ein hinzugefügtes Babystag nichts verändert. Die Franzosen haben also lediglich Modellpflege betrieben. Die immerhin wurde gleich dazu genutzt, zumindest teilweise neue Bauverfahren einzusetzen. Jeanneau experimentiert schon länger mit einer speziellen Harz-Infusionstechnik, die nun bei der Herstellung des Decks der 40.3 zum Zuge kommt. So wirkt die Sun Odyssey 40.3 optisch wie eh und je kräftig und nicht eben filigran. Das liegt zum einen an dem zwar flachen, dafür aber sehr breiten und lang gestreckten Aufbau. Der hört erst kurz vor dem Ankerkasten auf. Außerdem trägt das breite Süll um das Cockpit herum zum kompakten Gesamteindruck bei. Es füllt achtern fast die gesamte Fläche des Laufdecks bis zur Alu-Fußreling aus. Abgesehen vom vielleicht nicht ganz so eleganten Erscheinungsbild ist dieses Deckslayout durchaus von Vorteil. Es garantiert der Crew eine sichere Arbeitsposition an der Genuawinsch - selbst bei schwerem Wetter. Das wurde während des Tests deutlich: Starkwindbedingungen brachten das Boot bis an die Grenzen seines Einsatzbereichs. Ohne Festhalten, selbst im Cockpit, ging gar nichts. Dennoch ließ sich das Vorsegel noch zuverlässig bedienen. Und das, obwohl der Rumpf der Sun Odyssey 40.3 breit ist. Er bringt es auf stolze 3,95 Meter. Da ist die Crew dankbar für den in der Mitte des Cockpits fest montierten Tisch. Er bietet Halt in allen Lebenslagen. Einzig der Sockel, auf dem die Platte verbolzt ist, löst keine Begeisterung aus. Die Aussparungen, die Zugang zu einem backskistenartigen Staufach gewähren, sind nur grob gefräst, und offenes Laminat, das nicht gesondert eingefasst ist, wird sichtbar. Einfaches Topcoat hält als Verkleidung her. Das geht besser. Wechseln wir zum Rudergänger. Der geriet trotz des heftigen Windes ebenfalls nicht in Bedrängnis. Das liegt vor allem daran, dass auch die 40.3 wie schon das Vorgängermodell eine Steueranlage mit zwei Rädern hat. Die Variante ist in dieser Klasse eher selten anzutreffen, hat aber viel Positives. Dank der außen platzierten Steuerräder kann der Rudergänger selbst bei viel Schräglage auf Amwind-Kursen weit in Luv stehen und behält auf diese Weise jederzeit die Übersicht nach vorn. Begünstigt wird das durch kleine Bodenpodeste, auf denen die Füsse selbst bei wilden Bocksprüngen über die Wellen sicheren Halt finden. Da zudem die Übersetzung vom Rad aufs Ruderblatt gut eingestellt ist, reagiert die Yacht schon auf kleine Steuerbewegungen. Wildes Gekurbel braucht also trotz der geringen Raddurchmesser niemand zu fürchten. Selbst im Hafen können zwei kleinere Räder gegenüber einem großen punkten. Beim Anlegen mit dem Heck voraus ist der Durchgang nach achtern frei. Die Formenbauer erfreut das Zwei-Rad-Konzept ebenfalls. Sie sind nicht gezwungen, für ein einzelnes größeres Rad einen Spalt im Cockpitboden auszusparen. Ganz zu schweigen davon, dass solche Schächte herumliegende Schot-Enden erfahrungsgemäß geradezu magisch anziehen. Verhaken die sich dann auch noch, ist das Ruder, ehe man sich versieht, blockiert. Zugegeben, bei der Sun Odyssey ist diese Gefahr relativ gering. Außer dem losen Ende der Genuaschot landet sowieso keine Leine in der Plicht, die bei Wind und Welle herumrutschen könnte.

Komfortables Cockpit für die Crew
Für die Mitsegler geht es vor den Steuerrädern zwar recht nass zu. Beim Test wühlte sich die Sun Odyssey geradezu durch die Wellen, Gischt flog quer durch die Plicht. Einzig der Rudergänger blieb verschont. Verscherzen sollte der es sich mit seinen Vorderleuten allerdings nicht, ist er doch auf sie angewiesen. Denn er kann von seinem Platz aus die Genuawinschen nicht erreichen, und auch die Großschot sowie die wenigen anderen Trimmleinen sind in weiter Ferne. Sie werden in Stoppern auf dem Kajütdach belegt. Einmal mehr ein deutlicher Kompromiss, den die Werft einging, um Fahrtenseglern das Leben im Cockpit so angenehm wie möglich zu gestalten. Die Segel lassen sich in der Tat prima bedienen, ohne dass ein Segler nach vorn muss. Die Schoten für den Traveller vor dem Schiebeluk wurden sogar über kreuz geführt. Das ist sehr schön. Der Nachteil: Das Ende, das geholt werden soll, ist dadurch ärgerlicherweise etwas kurz geraten. Um es hinter dem Stopper noch auf eine Winsch zu führen, reicht seine Länge nicht ganz aus. Bitte nachbessern! Außerdem fehlt eine Leine, um vom Cockpit aus den Genuaholepunkt zu verstellen. Wem bei viel Wind und Wellengang der Stand des Vorsegels nicht gefällt, der muss eine waghalsige Kletterpartie unternehmen. Einfacher wäre eine Leinenverstellung. Ansonsten braucht die Crew nicht einmal zum Segelsetzen oder -bergen den schützenden Platz zu verlassen. Das Fall fürs Groß ist ebenso nach achtern umgelenkt wie die Wickelleine für das permanent angeschlagene Rollvorsegel. Dessen Trommel Marke Facnor ist leider nicht wie bei anderen Jeanneaus im Ankerkasten versenkt. Sie sitzt auf Edelstahlstegen von etwa 40 Zentimeter Länge auf Höhe des oberen Bugkorbgestänges. Demzufolge wird dann auch der Hals des Vorsegels in dieser arg luftigen Höhe angeschlagen, sodass auch das Unterliek nicht auf dem Deck aufliegen kann. Das hat zwar den Vorteil, dass von achtern zumindest begrenzt ein Blick nach vorn auf die Leeseite möglich ist. Schicker wäre jedoch ein völlig vom Tuch ausgefülltes Vorsegeldreieck. Aber auch das würde einmal mehr höhere Kosten mit sich bringen. Immerhin: Spürbar negative Auswirkungen auf die Segelleistungen hat das fliegende Unterlieknicht. Das Groß von Technique Voile ist naturgemäß nicht gerade ein Regatta- Hightech-Segel. Bei einer ordentlichen Portion Wind verzieht es sich und wirft Falten, besonders im gerefften Zustand. Bemerkenswert sind die kurzen Langlatten, die im Tuch stecken. Dank ihrer kann das Segel wie ein wesentlich materialaufwändigeres durchgelattetes Groß an einem Rutschersystem in einen - serienmäßigen - Lazybag fallen. Ans Segel sind - als kostengünstigste Variante für ein Lazyjack-System überhaupt - einfache Nylonrutscher geschäkelt. Dem Stauchdruck durchgehender Segellatten würden solche Rutscher nicht standhalten, zumindest nicht bei 35,2 Quadratmeter Tuch, wie sie die Sun Odyssey 40.3 trägt. Die Gefahr wäre groß, dass sie in der Schiene verkanteten. Daher die gekappten Latten, wenn dadurch auch das Hauptsegel im vorderen Bereich nicht optimal steht. Serienmäßig stattet Jeanneau die 40.3 auch mit je zwei Einleinen-Reffsystemen aus, sodass in Windeseile Tuch weggenommen werden kann. Das ist jedoch lange Zeit nicht nötig, denn die Sun Odyssey fühlt sich fast ein wenig untertakelt an. Das war zumindest gegen Ende der Testfahrt zu spüren, als der Wind sich etwas beruhigte. Zuvor im Starkwind lieferte das Schiff dagegen eine ganz passable Vorstellung. Solange sich der Rudergänger nicht zu arg versteuert, behält selbst der Trimmer, der sich meist an der Fußreling abstützt, trockene Füsse. Die Yacht reagiert zwar sensibel und zeigt sich überaus lebendig allerdings nicht in dem Ausmaß, bei jedem kleinen Fehler gleich die Reling in die See zu versenken oder gar aus dem Kurs zu laufen. Wer als Fahrtensegler vor einwenig Action beim Segeln nicht zurückschreckt, wird mit dem Boot bei solchen Bedingungen viel Spaß haben. Knapp 6,5 Knoten schaffte die neue Sun Odyssey 40.3 bei gut und gerne 25 Knoten wahrem Wind und mit angeknallten Segeln. Viel bessere Segelleistungen waren von einem Fahrtenschiff nicht zu erwarten. Der Wendewinkel lag dabei knapp unter 100 Grad. Kein berauschend guter Wert. Aber bei Verhältnissen, die Segel und Rumpf bis an die mechanischen Grenzen belasten, leidet die Höhe immer ein wenig. Die Segel lassen sich nicht mehr wie gewünscht trimmen, und die Bocksprünge des Rumpfes in den Wellen tragen ebenfalls zur Abdrift bei. Da die 40.3 aber kein kleines leichtes Schiff ist, vertreibt sie auch nicht übermässig stark. Im Gegenteil: Verlässlich kämpfte sie gegen das schwere Wetter an. Raumschots schaffte die Französin anschließend deutlich mehr. Die Logge pendelte sich bei 7,3 Knoten ein. Wer mehr vom Schiff will, muss zur aufgepeppten Version greifen, der Sun Fast. Auch die gibt es in der 40-Fuß- Version nach wie vor. Versehen mit einem wesentlich sportlicher ausgelegten Deckslayout und einer renntauglicheren Segelgarderobe ist sie für ambitionierte Steuerleute die bessere Wahl.

Motorpower fürs Hafenmanöver
Im Hafenbecken macht die Sun Odyssey eine gute Figur. Souverän schiebt sie unter Motor durchs Wasser. Der dreiflügelige Festpropeller und die 41 Kilowatt starke Maschine sorgen dafür, dass die 40.3 sicher aufstoppt, gut anzieht und fast auf dem Teller dreht. Der reichlich vorhandenen Motorkraft verdankt sie es zudem, dass sie auch bei Wind nicht zum Vertreiben neigt. Trotz so viel Power hält sich der Lärmpegel in Grenzen. Mit 77 Dezibel(A) schallt es bei Marschfahrt (7,9 Knoten) im Salon. Das ist noch akzeptabel. Und beim Manövrieren in den Boxengassen erweisen sich einmal mehr die zwei Steuerräder als angenehm hilfreich. Überraschend ist jedoch die Position des Ziehgriffs, mit dem der Dieselmotor gestoppt wird. Er befindet sich tief innerhalb der achteren Backbord-Backskiste. Darauf muss ein Nichteingeweihter erst einmal kommen! Und selbst, wenn der Rudergänger weiß, wo die Konstrukteure den Griff versteckt haben, ist es immer noch umständlich, ihn vom Steuerrad aus zu bedienen. Bevor es hinunter in den Salon geht, noch einmal ein Blick über Deck. Nicht zuletzt wirkt die Sun Odyssey deshalb so kompakt, weil kein Teakdeck vorhanden ist, das den Linien mehr Kontur verleihen würde. Marc Vallier erklärt: "Teak auf den Cockpitbänken ist Standard, auf dem Deck gibt es den Belag nur gegen Aufpreis." Auffälliger sind dagegen die Fenster. Seit der Ur-Ausgabe der Sun Odyssey 40 hat Jeanneau deren Anzahl auf beiden Seiten um ein Fenster auf drei erhöht. Gemeinsam bilden sie eine große, geschwungene und vorn keilförmig zulaufende Front. Das ist derzeit halt modern. Und ob man solches Design mag oder nicht, einen Vorteil hat es: Es gelangt mehr Tageslicht ins Innere. Der Ausbau unter Deck ist Jeanneau- Standard. Die Verarbeitung ist ordentlich, selbst bei rauem Seegang fangen weder Türen noch Schapps an, in ihren Arretierungen zu klappern, und auch von Bodenbrettern und Schotten ist kein unangenehmes Knarzen zu vernehmen. Der früheren Sun Odyssey 40 hat die Neue eine weitere Nasszelle voraus. Neu ist darüber hinaus auch der von größeren Jeanneau-Modellen bereits bekannte in Längsrichtung verschiebbare Kartentisch. Dessen Platte macht zwar einen soliden Eindruck, die Laufschiene wirkt hingegen ein wenig instabil. Sich auf der Konstruktion bei Seegang abzustützen ist nicht ratsam. Wird der Navitisch nach achtern gefahren, verschwindet der konkav aus geformte Sitz darunter. Das schafft Platz im Salon. Der wird allerdings gleich wieder von einer einfachen Sitzbank, die sperrig mitten im Gang vor dem Salontisch steht, zunichte gemacht. Apropos Platz: Wer die 40.3 in der Version mit zwei Achterkabinen ordert, hat die Möglichkeit, die Trennwand dazwischen herauszunehmen und auf diese Weise eine große Kajüte zu schaffen. Das Boot ließe sich dann einfacher als schwimmendes Hafendomizil nutzen, meint Jeanneau -Mann Marc Vallier. Und das täten die Durchschnittssegler heutzutage nun mal gern - zumindest wenn man der Studie glaubt, auf die er sich beruft. Matthias Beilken
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