Das sagt die "Yacht" zur Oceanis 46 (Heft 07/09)

 

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Abschrift des Test der Oceanis 46.

Gelungener Kompromiss.

Der Preis attraktiv, das Konzept ausgewogen, die Qualität gut. Beneteaus neueste Fahrtenyacht soll mit klaren Merkmalen Kunden gewinnen. Yachten aus Großserien sind längst wieder individueller geworden, geschickt verstehen es Designer und Werftmanager, eigenständige Erscheinungsbilder zu schaffen. Innerhalb einer Werftlinie jedoch setzt man auf Homogenität. Schließlich soll eine Bavaria, Hanse, Dufour oder Sun Odyssey als solche zu erkennen sein -egal welche Größe sie hat. Die optische und konzeptionelle Vereinheitlichung der Modellserien aus preis-und stückzahlorientierter Massenproduktion spart nebenbei auch Entwicklungsaufwand. Besonders die französischen Werften belassen es nicht bei einer homogenen Modellreihe. Jeanneau zum Beispiel offeriert für fast das gesamte Sun-Odyssey-Programm entsprechende Alternativen als fahrtenorientierte Deckssalon - Ausführungen (DS) oder in sportlicher Performance-Variante. Auch Hanseyachts strebt ein breiter gefächertes Angebot an und arbeitet derzeit ebenfalls an einer neuen Reihe von DS-Yachten. Bavaria Yachtbau hat indes diese Entwicklung mit der Einführung der aktuellen Vision-Reihe bereits vollzogen. Der Branchenführer Beneteau hat schon vor mehr als zwei Jahren mit der Präsentation der neuen, speziell auf die Bedürfnisse des Chartermarkts ausgerichteten Cyclades-Reihe das Gesamtprogramm um eine zusätzliche dritte Linie ausgebaut. Gleichzeitig kündigte die Werftleitung die Komplettüberarbeitung des bisherigen Angebots des sportlichen First-sowie des fahrtenorientierten Oceanis-Programms an. Der Einstieg erfolgte bei beiden neuen Serien von oben. Die First 50 als Flaggschiff der sportlichen Linie (Test YACHT 24/06) überraschte mit einem hohen Innovationsgrad, viel Sportlichkeit und komplett neuen Designansätzen. Die Oceanis 50 (YACHT 10/06) konnte dagegen mit viel Volumen, Komfort und einem frischen, modernen Look überzeugen. Mittlerweile wurde die Oceanis-Reihe im Längenbereich zwischen 40 (YACHT 12/06 )und 5 0Fuß um drei weitere Modelle aufgestockt.

Die Oceanis 40 und 43 (YACHT 6/07) sind bis auf Abmessungen und Gewicht nahezu identisch. Ein zweites Doppel stellen die 50er und die neue 46er. Auch diese Modelle unterscheiden sich lediglich in den Dimensionen. Die Formensprache bleibt bei allen Typen der aktuellen Linie dieselbe. Maximales Volumen achter.

Die Oceanis 46 ist das jüngste neue Modell des Marktführers. Größe demonstriert man denn auch mit einem exklusiven Testschauplatz. Der ist kein geringerer als die Alinghi-Basis in Valencia. Weil das Schweizer Team mit den Booten gerade in Dubai trainiert, konnte sich Beneteau ein exklusives Gastrecht in der noblen Heimat des Cup-Verteidigers sichern. Dort, wo sonst die filigranen Kohlefaser-Cupper liegen, dümpelt das breite und im Vergleich wuchtig wirkende Fahrtenboot aus der französischen Großserie mit dem geschwungenen Kajütaufbau, dem hohen Freibord und dem breiten Heck ein recht krasser Gegensatz.

Die wuchtige Optik am Steg relativiert sich schnell, sobald die Oceanis 46 das Hafenareal verlässt und auf dem Boot in der aufkommenden Seebrise die Segel gesetzt werden. Schon bei leichter Krängung wirkt die Yacht plötzlich elegant, die Linienführung harmonisch. Die weit nach achtern geführten Flanken des Kajütaufbaus umhüllen als hochgezogenes Süll einen Teil des Cockpits. Damit bleiben die Konturen weitgehend ungebrochen. Dies vermittelt den neuen Oceanis-Modellen ihre charakteristische, nicht unattraktive Optik. Auffällig ist auch die große Breite des Achterschiffs mit dem ausgeprägten U-Spant. Jean Berret vom beauftragten Konstruktionsbüro BerretlRacoupeau und prominenter Mitsegler an Bord des Testbootes erklärt die Philosophie: "Wir sind mit allen neuen Oceanis-Modellen gezielt bis ans Maximum der Breite im Heck gegangen. Wir wollen damit einerseits hohe Stabilität auf raumen Kursen erreichen und gleichzeitig maximales Volumen für den Einbau der Achterkammern herausholen." Natürlich weiß Berret auch, dass die große Breite hart am Wind und bei Schräglage ein Nachteil sein kann, weil das Boot dann hinten schnell aushebelt. Aus diesem Grund haben die Konstrukteure das Ruderblatt relativ weit vorn platziert, damit es bei Krängung keine Luft ansaugen kann. Wäre die Oceanis noch breiter geworden, hätte man eine doppelte Ruderanlage installieren müssen.

Die Segelbedingungen vor dem Hafen von Valencia gestalten sich außerordentlich schwierig. Bei etwa 14 Knoten Wind schiebt sich eine alte, hohe Dünung quer zur Windrichtung heran. Auf dem einen Bug segelt das Boot so mit dem SchwelI, auf dem anderen Bug direkt gegenan. Die Oceanis meistert diese Prüfung aber mit Bravour. Sie reagiert in jedem Fall gut auf das Rad und lässt sich auch feinfühlig durch die langen Wellen steuern. An der doppelten Steuerung arbeitet der Rudergänger ohne Krampf, sitzt oder steht in jeder Position gut und mit viel Übersicht auf Kurs und Segel. Außerdem hat er die Winschen für die Genua direkt in Griffweite und kann so selbst an den Trommeln kurbeln. Die gemessenen Werte unter Segeln entsprechen in etwa den Daten des Geschwindigkeits-Vorhersageprogramms: 6,8 Knoten hoch am Wind bei einem Wendewinkel von knapp 90 Grad sind zwar kein Grund zum Jubeln, gehen aber für ein Boot dieser Ausrichtung durchaus in Ordnung.

Die Segeltragezahl von 4,7 (Verhältniszahl von Segelfläche zu Gesamtgewicht) weist die Oceanis 46 auch eher als Fahrtenboot aus. Mehr Segelspaß ergibt sich dann auf raumen Kursen unter Gennaker. Hier beweist die Oceanis eindrucksvoll, dass bei gelungener Konzeption auch ein schweres, voluminöses Schiff richtig viel Temperament entwickeln kann. In den Böen lässt sie sich auch schon mal über die 10Knoten-Marke prügeln.

Das Cockpit der Oceanis 46 ist funktionell und übersichtlich gestaltet. Eine Öffnung in der Sitzbrücke hinten gibt den Zugang zur Badeplattform frei. Wer mit dem Heck am Steg liegt, freut sich dank doppelter Radsteuerung über einen ungehinderten Zugang ins Cockpit und weiter Richtung Kajüte. Positiv zu erwähnen ist das große Staufach im Heck für die Rettungsinsel. Während viele andere Hersteller gar keine oder unpraktische Lösungen mit eher schlechten Zugriffsmöglichkeiten bieten, scheint Beneteau hier das Optimum gefunden zu haben. Das Staufach lässt sich komplett öffnen und die schwere, hochkant stehende Rettungsinsel sich mit einem Griff ins Wasser befördern.

In Sachen Rigg und Mast bleibt Beneteau bewusst konventionell. Die Standard-Ausführung wird mit unspektakulären, aber ordentlich gemachten Segeln von Elvström-Sobstad ausgeliefert. Lazyjacks und Lazybags sowie eine Rollreffanlage von Facnor gehören bereits zum Lieferumfang der Basisversion. Auch die Decksausrüstung ist von guter Qualität: Rollen, Blöcke und Schotschienen von Lewmar, Winschen von Harken. Allerdings sind die selbstholenden Winschen auf dem Kajütdach seitlich vom Niedergang für die Bedienung von Fallen und Großschot deutlich zu klein dimensioniert. Unter Belastung drehen die 40er-Trommeln selbst bei vier oder fünf Überwürfen der Schot leer. Hier wird am falschen Ort gespart.

Frische Ansätze unter Deck: Auffällig ist der weit vorn liegende Niedergang. Das lange Brückendeck davor eignet sich als willkommener Platz für die Arbeit an den Fallwinschen. Allerdings wurde dieses spezielle Layout aus anderen Gründen konzipiert. Auch für die Oceanis 46 offeriert Beneteau anstelle der 3-Kabinen-Standardversion eine Ausbauvariante mit lediglich einer Achterkabine und quer zur Fahrtrichtung eingebauter Schlafstatt. Um die große Kammer möglichst geräumig zu halten und weil Beneteau für die beiden Varianten nicht in zwe iunterschiedlichen Decksformen produzieren wollte, musste die Maschine und damit auch der Niedergang relativ weit nach vorn rücken. Diese Anordnung ermöglicht unter Deck eine eher ungewöhnliche Gestaltung der Pantry mit einem separaten Korpus für die Doppelspüle im Durchgang zum Achterschiff -eine sehr praxisorientierte Einteilung.

Eher klassisch dagegen das Grundlayout im Salon: U-Sitzbank backbords und kurze Dinette steuerbords vor der Navigationszentrale. Das luxuriös gestaltete, großzügig dimensionierte und schön ausgebaute Vorschiff wird der Einstufung als Eignerkabine vollauf gerecht. Das moderne Inselbett allerdings könnte etwas größer sein, in Schulterhöhe ist die Breite von 1,32Metern zuknapp. Dafür ist die Matratze zusätzlich mit einem Lattenrost unterlegt.

Schön gemacht sind die beiden Nasszellen. Im vorderen Toilettenraum ist der Duschbereich durch eine wertigen Eindruck. Das fein gemaserte Moabi-Mahagoni wurde tadellos verarbeitet. Ärgerlich große Spaltmaße oder unsauber wirkende Stellen sucht man vergeblich. Teilweise sind Rand-und Schlingerleisten sogar formverleimt.

Bleibt noch der Blick auf das Kostengefüge: Der Basispreis von 199.325 Euro bei einer recht umfangreichen Ausstattung und einem guten Qualitätsniveau ist attraktiv. Die Mitbewerber Jeanneau und Dufour bieten ihre vergleichbaren, aber etwas kleineren Boote (Sun Odyssey 45/455 Grand'Large) einen Tick teurer an. Auch die 44 Vision von Bavaria kommt preislich in greifbare Nähe. Sie kostet nur rund 20 000 Euro weniger als die Oceanis 46, ist aber auch etwa 70 Zentimeter kürzer. Beneteau verfolgt weiterhin zielgerichtet seine Marktstrategie: Die Boote sind jetzt noch präziser auf die Kunden-wünsche hin gebaut.

Das klare Profil, das eigenständige Design, das runde Angebot sowie die ideenreiche Konzeption schaffen neue Differenzierungen zum Wettbewerb. Beneteau legt die Messlatte für die Mitbewerber hoch, in vielerlei Beziehung. Den Kunden freut's, und die Konkurrenz ist gefordert.

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