| Das sagt die "yacht" zur Oceanis 311 | ||
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Abschrift des Test der Oceanis 311 . Link zum Original-Artikel am Ende dieser Seite. |
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| Der Ostseewind meinte es an diesem
Vormittag gut mit uns. 20 Knoten
(5 Beaufort) waren ideal, um einem
Schiff auf den Zahn zu fühlen. Was
störte, war die Temperatur von zwei Grad,
die uns da aus Nordnordwest geschickt
wurde. Die Finger waren schnell klamm.
Eigentlich ein Wetter, bei dem man besser
Wärmebekleidung ausprobieren sollte.
Aber Termin ist Termin. Die neue Oceanis 311 Clipper gehörte
kurz zuvor während der hanseboot zu den
vielbeachteten Schiffen. Offensichtlich also
eins, das den Bedürfnissen von Tourenseglern
besonders gerecht wird. Sequana,
Norddeutschland-Importeur von Beneteau,
ließ sich von uns überzeugen, die 311
nicht einzumotten, sondern sie für den
YACHT-Testnoch einmal aufzuriggen.
Konzept Manche mögen's unterm Boden flach. Um das zu erreichen, gibt es viele Möglichkeiten. Vom Plattbodenschiff, Hub- oder Kimmkieler bis hin zum Schwenkkieler. Diese Spielart variablen Tiefgangs ist besonders in Frankreich beliebt. Auch Beneteau greift auf die bewährte Technik zurück. Natürlich bauen die Franzosen das Schiff auch mit einem Festkiel, aber wenn man schon mal die Gelegenheit hat, dann will man's schon mal klappen lassen. Die Konstrukteure (Groupe Finot) wollten zwei wichtige Ziele erreichen. Erstens: Das Schiff soll sich mit beigeklapptem Kiel und mit nur 80 Zentimetern Tiefgang unter Maschine noch gut manövrieren lassen. Zweitens: Nach dem Trockenfallen soll das Boot aufrecht und ohne zusätzliche Wattstützen stehen bleiben. Wir können bestätigen, beide Ziele wurden erreicht. Unter Deck hat man sich konsequent auf eine Vierer-Crew eingestellt. Die Salonkojen sollen nur im Notfall zum Schlafen herhalten. Desgleichen ist das Cockpit für vier Personen optimal gestaltet. Konstruktion Gebaut wird nach CE-Standard; jede Yacht erhält die entsprechende Zulassungs- Plakette. Mit sechs Personen an Bord gilt dann Fahrtgebiet-Kategorie B (nach CE: küstenferne Gewässer); mit acht Personen die stärker eingeschränkte Kategorie C (küstennahe Gewässer). Der Rumpf wird massiv laminiert, das Deck besteht aus einem Balsa-Sandwichlaminat. Zur Verstärkung der Bodensektion wird eine kräftige Innenschale mit Stringern einlaminiert, um besonders die Kielaufhängung auszusteifen. Rumpfund Decksschale sind mit einer Alu-Fußreling verschraubt (auf die anfällige Holzeinfassung wurde verzichtet). Der Festkieler hat ein Spatenruder. Die Schwenkkiel-Version wird hingegen mit doppelten Kurzrudern ausgerüstet. Die Schwenkmechanik des Kiels findet sich in der Mitte des Salontisches. 96 Umdrehungen mit der Winschkurbel sind nötig, um den Kiel von der geklappten Position auf den maximalen Tiefgang von 2,10 Metern abzufieren. Die Arbeit ist zu ertragen, ein Manko allerdings ärgerlich: Eine Anzeige für die Position des Kiels ist nicht vorhanden. Keine Angst vorm Auflaufen: Bei harter Grundberührung gibt eine Sollbruchstelle am Ende der Gewindespindel nach. Die Spindel soll dann ohne Schaden zu nehmen einschwenken. Segel- & Manövriereigenschaften Unter Maschine (Volvo Penta 2020, Festpropeller) und mit hochgeklapptem Kiel verlassen wir Laboe. Obwohl der stramme Nordwind von querab setzt, lässt sich das Schiff leicht auf Kurs halten. Im freien Fahrwasser setzen wir das Groß und rollen die Genua ganz aus. Genau 50 Quadratmeter stehen jetzt; damit haben wir schon die Grenze der Segeltragfähigkeit erreicht. Trotz des voll abgefierten Kiels krängt die 311 in den Böen so stark, dass wir sie nur noch durch Auffieren des Großsegels abfangen können. Und es zeigt sich noch etwas: Das nun voll wirksame Leeruder (das Luvruder taucht aus) kann der hohen Luvgierigkeit nur noch mit Mühe entgegenwirken. Was wir hier ausprobieren, sollte der Fahrtensegler natürlich vermeiden. Rechtzeitiges Reffen ist daher anzuraten, will man nicht mit quergestelltem Ruder als Handbremse durchs Wasser pflügen. Bis 20 Grad Lage erzielen wir gute Geschwindigkeiten (6,3 bis 6,5 Knoten) mit einem Schrick. Nimmt die Lage und damit die Luvgierigkeit zu, verringert sich der Speed um bis zu 2 Knoten. Fazit: Das Schiff will laufen, knüppeln bringt nichts. Da Groß- und Genuawinschen nur vom Vorschoter bedient werden können, wird dem Rudergänger leider die Arbeit aus der Hand genommen. Einhandsegeln ist also ohne Umbauten nicht möglich. Die Werft sollte die Genuawinschen weiter nach achtern verlegen, damit der Rudergänger wenigstens dort eingreifen kann. Gut gelöst ist die Raumaufteilung im Cockpit. Der Rudergänger hat Übersicht und gute Steh-/Sitzmöglichkeiten. Die sehr direkte Steuerung erlaubt einerseits schnelle Richtungswechsel, andererseits lässt sich die Oceanis 311 bestens auf Kurs halten. Beim Testboot sind leider die Lager noch recht stramm, und wir haben kaum Feedback vom Ruder. Unter Maschine hat das Schiff ebenfalls angenehme Seiten: Gegen den Wind erreichen wir 5,2 Knoten, vor dem Wind 6,7 Knoten. Ergo: Gute 6 Knoten Marschgeschwindigkeit sind bei normalen Wetterlagen möglich. Ebenso angemessen der Schallpegel- mit unter 80 Dezibel(A) ist's im Salon noch erträglich. Mit maximal gefiertem Kiel reagiert dieser Schwenkkieler auf Ruderbewegungen eigentlich wie eine ganz normale Kielyacht. Er ist absolut seetauglich. Wohnen & Ausbauqualität Vier Personen können sich auf der Oceanis 311 richtig wohl fühlen. Das Ausbau- und Einrichtungskonzept im Telegrammstil: vier ordentliche Kojen vorn und achtern, eine grosszügige Nasszelle mit Dusche, ein Salontisch mit kaum störendem Kurbelkasten, genug Licht durch Luken und Fenster, gute Lüftungsmöglichkeiten, viele Staufächer, eine praktische Pantry, ein gut begehbarer Niedergang, ordentliche Holzoberflächen. Doch es gibt Dinge, die uns weniger gefallen: Der Gasabsperrhahn befindet sich versteckt im Kleiderschrank, das Gasrohr des Kochers stößt bei Lage gefährlich hart gegen den Pantry-Schrank; die sehr flache Bilge hat keinen Wassersammler und schlecht erreichbare Kanäle, in denen Wasserreste rotten können; das Waschbecken im WC-Raum ist zu klein, der schwere Niedergang (Motorabdeckung) ist oben nicht an Scharnieren geführt; die Polsteraufteilung stimmt nicht mit den darunterliegenden Staudeckeln überein; die Handläufe am Niedergang verhaken sich gern in offenen Jackentaschen und reißen sie ein (eigene Erfahrung). Kleine Mängel auch an Deck: Die Griffmulde am Backskistendeckel ist zu schmal, der Bugkorbdurchstieg hat keine Trittstufe, das Segelkleid keine Lenzöffnungen und Lüftung an der Unterseite. Ausrüstung & Technik Gut gefallen haben Motor-und Elektroinstallation. Ebenso tadellos ist die Beleuchtung. Solide die Beschlagsausstattung, wenngleich die Plazierung (Stichwort Einhandsegelei) noch Wünsche offen lässt. Ebenfalls sehr erfreulich: die Badeleiter, der variable Durchstieg am Heck, die Handläufe an Deck, das einfache Rigg. Fazit Exzellenter Riss, gelungene Optik, gutes Konzept für vier Personen. Trockenfallen ist ohne Probleme möglich. Die Kielmechanik bereitete uns keine Probleme. Die im Test entdeckten Detailschwächen wird die Werft leicht abstellen können. Für den Preis von gut 148000 Mark bekommt man ein solides Fahrtenschiff. Dazu einen gut organisierten Service: Beneteau hat in Europa ein computergestütztes, eng gewebtes Netz aufgebaut, das schnelle Zubehörund Ersatzteillieferung garantiert. Michael Naujok |
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Oceanis 311
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