Das sagt die "yacht" zur Hanse 350
Testbericht der "yacht" der Hanse 350

Abschrift des Test der Hanse 350 .
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Der moderne Yachtbau ist ein besonderes Geschäft - irgendwo auf halbem Weg zwischen Handwerk und industrieller Fertigung, zwischen Uhrenmanufaktur und Autofabrik. Er bringt einerseits hoch emotionale Produkte hervor, hergestellt in kleinen Stückzahlen, setzt aber andererseits immer stärker auf Automatisierung. Er gründet auf der Tradition der Seefahrt, ist jedoch zunehmend geprägt von modernen Designtrends. Und er erzeugt Boote von außergewöhnlicher Langlebigkeit, das aber in immer kürzer werdenden Verkaufs- und Modellzyklen. Mit anderen Worten: eine Branche im Umbruch. Die neue Hanse 350 ist ein Paradebeispiel für die aktuellen, teils gegenläufigen Entwicklungen auf dem Bootsmarkt. Sie löst die erfolgreiche 342 ab, die seit 2005 gebaut wurde und zu den bestverkauften Typen der Greifswalder Werft zählt (Test in Heft 12/05). Diese war eine maßvolle Weiterentwicklung der vor fünf Jahren erstmals präsentierten 341. Statt es bei einem weiteren Facelift zu belassen, konstruierte Hanse-Yachts diesmal ein komplett neues Boot. Die 350 ist einen halben Fuß länger, um genauso viel breiter und im Rumpf etwas höher als die 342. Gleichzeitig hat sie ein volleres, kaum verjüngtes Achterschiff, was in der Summe zu einem deutlich besseren Platzangebot unter Deck führt. Der Zuwachs ist mess- und auch sofort fühlbar - bei der Wahrnehmung von Yachten das mitunter wichtigere Kriterium. Die Werft wollte das Plus an Raum ursprünglich im Sinne der Gleichteilestrategie nutzen. Sowohl die Zwei-als auch die Dreikabinen-Version sollte von der Kajüteinteilung her nahezu identisch sein: ein Vorschiff, eine Nasszelle, ein Salon, eine Pantry, ein und dieselbe Navigation für beide Modelle. Das hätte die Komplexität beim Bau minimiert und die Effizienz verbessert. So der Plan. Nun aber hat Hanse-Yachts-Chef Michael Schmidt doch eine stärkere Differenzierung beschlossen. Damit folgt er dem bei den größeren Booten der Werft so erfolgreichen "Individual Cabin Concept", das Eignern einige im Serienbootsbau sonst unübliche Wahlmöglichkeiten bietet. Ein sinnvoller Schritt. Während es schon die Dreikammer- Version der 350 mit vorn liegendem Bad nicht wirklich an Platz oder Komfort mangeln lässt, offeriert die Eigner-Variante jetzt eine für vier Personen noch weit bessere Raumausnutzung: Breite Doppelkoje achtern, große Backskiste, sehr geräumige Nasszelle und im Vorschiff auf Wunsch ein kleiner Schreibtisch machen das Boot für Paare und kleine Familien besonders attraktiv. Damit könnte die 350 sogar der nächstgrößeren Hanse 370 gefährlich werden, die zwar mehr Luxus, jedoch kaum mehr Grundnutzen bietet. Wie erwachsen sich das Boot anfühlt, zeigten erste Probeschläge vor der dänischen Küste bei 4 bis 6 Beaufort und kurzer Welle. In Böen war die Reffgrenze dabei eigentlich bereits überschritten. Dennoch ließ sich die neue Hanse so eben noch unter Vollzeug fahren. Dass sie sehr steif segelt, liegt am ausgeprägten U -Spant sowie am tiefen Schwerpunkt des T-Kiels, den sie mit ihrem Schwestermodell 320 gemein hat. Er geht 1,85 Meter tief und passt perfekt zum Charakter eines leistungsorientierten Fahrtenschiffs. Ausgewogen und leicht liegt die 350 auf dem Ruder. Sie verfügt über ein Maß an Richtungsstabilität, zugleich aber auch an Wendigkeit, das Segeln zum Vergnügen macht. Die Messwerte ordnen die Hanse eindeutig im oberen Spektrum ihres Marktsegments ein. Hoch am Wind erreicht sie 6,6 Knoten, nur leicht geschrickt sogar 7 Knoten Geschwindigkeit. Raumschots sind mit der Standardbesegelung knapp 8 Knoten drin, obwohl hier die serienmäßige Selbstwendefock in der Abdeckung des Großsegels schon nicht mehr optimal angeströmt wird. Erstaunlich ist die Flächenverteilung, die Jude Wrolijk bei der Konstruktion gewählt haben. Fock und Groß sind annähernd gleich groß; das Vorsegel misst sogar einen Quadratmeter mehr als bei der Hanse 370. Das soll die Leichtwind- Eigenschaften verbessern - ein Schwachpunkt der nicht überlappenden Selbstwendefock. Ob das gelingt, muss der Test in einer der folgenden Ausgaben zeigen. Für sportlich ambitionierte Eigner besteht auf alle Fälle noch eine Aufrüstungsmöglichkeit mittels großer Genua. Schienen entlang des Kajütaufbaus werden bereits ab Werft vormontiert; es fehlen jedoch, anders als noch bei der 342, Schotwagen, Umlenkrollen und Winschen. Sie sind auf Wunsch erhältlich und kosten zusammen 1460 Euro. Ansonsten ist die 350 sehr komplett ausgestattet. Warmwasser, Dusche in der Nasszelle, Cockpitdusche, Landstromversorgung und Ladegerät - alles inklusive. Deshalb fallen die Mehrkosten für die segelfertige Ausrüstung oder eine Komfortausstattung auch vergleichsweise maßvoll aus (jeweils nach YACHT-Definition gerechnet, s. Kasten). Die Werft, seit jahren wachstumsstärkstes Unternehmen unter den führenden Serienyacht- Herstellern weltweit, zwingt Eigner dabei nicht in umfangreiche Mehrwertpakete, sondern ermöglicht eine an individuellen Wünschen orientierte Konfiguration. Das ist selten geworden in einem zunehmend preissensitiven Markt. Alles in allem sollte es die neue Hanse nicht schwer haben, an die Erfolge ihrer Vorgängerinnen anzuknüpfen. Vor allem die Abkehr von der ursprünglich aus Rationalisierungsgründen verfolgten Gleichteilestrategie macht sie für die unterschiedlichsten Zielgruppen attraktiv. Für Vercharterer, die auf eine maximale Kojenzahl Wert legen, ebenso wie für Eigner mit gehobenen Ansprüchen an ein Kajütlayout, das auf Zwei- bis Viermann-Crews zugeschnitten ist. Und noch etwas hebt sie aus der Masse heraus: Die 350 ist fraglos die Yacht mit der modernsten Linienführung - streng, strakend, Stärke vermittelnd. Ihr Design wird nicht allen gefallen. Aber es ist stimmig, weit mehr als bei der gedrungener wirkenden 320. Das macht sie zu einem besonderen Angebot.
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