Das sagt die "yacht" zur Hanse 341
Testbericht der "yacht" der Hanse 341

Abschrift des Test der Hanse 341 .
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Es tut sich was im Osten der Republik: Das Yachtzentrum Greifswald, nach Bavaria mit weitem Abstand durch eine Jahresproduktion von rund 260 Einheiten und mit 95 Mitarbeitern zweitgrößte deutsche Serienbootswerft, hat auf einen Schlag zwei neue Entwürfe auf den Markt gebracht. Die Hanse 411 und die 341 aus dem Büro von JudelNrolijk & Co. Engineering sind Konstruktionen, denen Werftboss Michael Schmidt seinen eigenen Stempel aufdrücken konnte. Hatte die Werft ihren Weg in den Markt anfangs durch preisoffensive ältere Konstruktionen gefunden, setzen die Greifswälder mit ihren Hanse-Typen jetzt zunehmend auf frische, maßgeschneiderte Designs. Die Schiffe erinnern durch ihre Aufbauten, die Fensterfront und einen leichten Deckssprung entfernt an moderne amerikanische Schiffe und haben so in Europa ihr Alleinstellungsmerkmal gefunden. Dazu trägt auch die deutliche Ausrichtung auf gute Segeleigenschaften bei und die serienmäßige Ausstattung mit einer Selbstwendefock. Der größer werdende Käuferkreis ist gemischt. "Unsere Kunden", so Werftboss Schmidt, "setzen sich mit verschiedenen Konkurrenzprodukten auseinander. Sie hatten meist vorher schon ein Boot und verfügen daher über größere Erfahrung. " Preislich jedenfalls liegt die neue 341 am unteren Ende des Spektrums. Möglich wird dies durch niedrige Löhne, voranschreitende Teilautomatisierung, relativ hohe Stückzahlen in Relation zu wenigen Typen und eine nach Werftaussage hohe Produktivität. Trotz des günstigen Preises entstehen die Greifswälder Schiffe im Handauflegeverfahren und zum Teil in Sandwich, bei dem anstelle von Schaum das höherwertige Balsaholz als Kernmaterial zum Einsatz kommt. Die Verbindung zwischen Deck und Rumpf ist verklebt und verschraubt. Schotten und Innenschalen werden komplett an Rumpf und Deck anlaminiert. Durch den Einsatz von Isophthalsäureharz soll das Schiff resistent gegen Osmose sein; die Garantie beläuft sich auf die gesetzlichen zwei Jahre. Die CE-Zertifizierung für die höchste Entwurfskategorie (A, Hochsee) erfolgt durch Lloyd's Register.Erfreulich: Der Übergang vom Spiegel zum Rumpf besteht nicht aus einem Flansch, der mit einem Gummiprofil verdeckt wird. Diese Methode bevorzugen viele Werften, weil sie billiger ist und den Kunden gern als Schutz beim rückwärtigen Anlegen verkauft wird. Die Greifswälder Bootsbauer wählen stattdessen die teurere, aber schönere Verbindungsart: Der Übergang wird laminiert und danach gespachtelt, geschliffen und lackiert. Das Schiff geht in der von uns getesteten Normalversion 1,79 Meter tief. Die Alternativen sind ein Kurzkieler (1,55 Meter) oder ein Kielschwerter, bei dem der Tiefgang zwischen 0,90 und 1,80 Meter variabel ist. Der Blick auf die Pläne des Tiefkielers zeigt ein gemäßigt modernes Unterwasserschiff mit Bombenkiel (aus Gusseisen) und frei stehendem, vorbalanciertem Schweberuder sowie eine relativ große Segelfläche. Das Groß am langen - und mit einer Höhe von 1,67 Metern vom Cockpitboden aus eher tiefen Baum - ist maximal überrundet, die Selbstwendefock füllt das Vorsegeldreieck fast vollständig aus. Bereits mit diesem kleinen Vorsegel kommt das Schiff auf ein hohes Verhältnis von Segelfläche zu Gewicht (Segeltragezahl: 4,5). Mit der optionalen Genua ließe sich für weniger Wind die Fläche um knapp neun Quadratmeter vergrößern, was eine hohe Segeltragezahl von 4,85 mit sich bringt. Das bedeutet dann sehr sportliche Eigenschaften und frühes Verkleinern des Vor- oder Großsegels. Die größere Fläche ist für den Normalgebrauch des Bootes jedoch kaum nötig. Beim Test wehten anfangs schlappe 2 bis 3 Windstärken, die das Schiff bereits ordentlich in Schwung brachten und den Fahrtensegler nichts vermissen ließen. Später bei 3 bis 4 Beaufort und einer unangenehm kurzen, knapp einen halben Meter hohen Welle waren Werte zwischen 6,0 und 6,3 Knoten bei einem Wendewinkel von 80 Grad zu erzielen - trotz bremsendem Zweiflügel- Festpropeller. Das überzeugt. Ebenso wie das Verhalten der Hanse 341 an der Pinne (eine Radsteuerung ist optional erhältlich). Das Boot lässt sich feinfühlig mit gut dosiertem Ruderdruck auf Kurs halten; der Anstellwinkel des Blattes bleibt am Wind auf die gewünschten, weil leistungsfördernden 3 bis 5 Grad beschränkt. Und das bis zu einer Lage von immerhin 30 Grad, in einem Bereich also, in dem bei modernen Schiffen gerefft werden sollte. Störend ist lediglich das zuweilen heftig vibrierende Ruderblatt eines Zulieferers. Dieses Problem wurde auf dem Prototypen erkannt und nach Angaben der Werft für die Serie abgestellt. Ansonsten dreht das Schiff auf dem Teller, beschleunigt gut und zeigt keine unangenehmen Bewegungen in der Welle. Ausgezeichnet ist das Handling. Die Selbstwendefock befreit an der Kreuz Mitsegler von jeglichen Arbeiten; das Boot ist dadurch perfekt einhandtauglich. Durch die einfachen und schnellen Wenden ist die Hanse 341 obendrein bestens geeignet fürs Segeln in engen Gewässern und Flussrevieren. Zur Einhandtauglichkeit trägt auch bei, dass der Reitbalken auf dem Testschiffkurz vor dem Sitzplatz des Rudergängers untergebracht war. Serienmäßig ist die Installation auf dem Kajütdach vor dem Niedergangsluk vorgesehen. Das schafft Platz im Cockpit, entzieht aber dem Steuermann das wichtigste Bedienelernent. Der sitzt im Übrigen höchst bequem und sicher auf dem eigens abgeschrägten Süll und hat von dort die Fäden der Fock bestens im Blick. Sehr erfreulich: Das 9/l0-Rigg von Sparcraft mit zwei Salingspaaren lässt sich in Maßen über die 1:8-Achterstagstalje biegen und wird so zu einem wirkungsvollen Trimminstrument fürs Großsegel. Auch schön: Die nachträgliche Installation von Spiwinschen ist durch entsprechende Sockel und Unterfütterungen höchst einfach. Die auf dem Testschiff von der Werft probeweise eingesetzten Segel gefielen dagegen weniger. Die Genua beispielsweise zeigte eine ausgeprägte Kralle. Was keine Relevanz hat, da die Seriensegel von East-Sails und somit von einem anderen Zulieferer kommen werden. Die Fock ist rollreffbar. Das durchgelattete Großsegel wird von der Crew mit einem Einleinenreffsystem verkleinert, was höchst wirkungsvoll funktionierte. In Kombination mit Lazy-Jacks und -Bag ist es fast so einfach zu bedienen wie ein Rollgroßmast - nur eben deutlich effektiver und weniger anfällig. Wer unbedingt will, der kann auch ein Rollgroß ordern. "Aber der Kunde muss dann mit mir zwei Stunden darüber diskutieren und gute Argumente finden. Das hat erst einer geschafft", so Michael Schmidt, für den Rollgroßsegel "Sünden an gut segelnden Yachten" sind. Unter Motor - installiert wird serienmäßig ein 18PS starker MD 2020 von Volvo Penta mit Saildrive - geht die Marschfahrt von 6,6 und der Volllast- Speed von 7,0 Knoten in Ordnung. Die Geräuschentwicklung liegt jedoch mit 79 dB(A) in der Achterkammer an der Grenze zum lauten Bereich; hier sollte die Werft noch nachbessern. Das Boot lässt sich normal aufstoppen und in einem engen Kreis drehen. Aus dem Stand heraus fällt jedoch die Rückwärtsfahrt nach Backbord etwas schwer, was am großen Abstand zwischen Propeller und Blatt liegen dürfte. Um den starken Radeffekt weitgehend zu kompensieren, muss man viel Gas geben und zwischendurch auskuppeln. Insgesamt überzeugt das Boot; Handling und Leistungsdaten weisen die Hanse 341 als betont guten Segler aus. An diesen Punkten wird deutlich, dass nicht nur ein renommiertes Konstruktionsbüro hinter der Hanse steht, sondern dass auch das Werftmanagement viel vom Segeln versteht. Michael Schmidt war immerhin viele Jahre in der Admiral's-Cup-Szene aktiv und konnte dort mit Yachten wie "düsselboot" und "Rubin" große Erfolge feiern. Mittlerweile ist Schmidt zu den Fahrtenseglern übergelaufen und segelt die 70 Jahre alte Herreshoff-Ketsch "Bounty". Deren typisch amerikanische Gestaltungsmerkmale finden sich ansatzweise auch auf den Hanse-Typen wieder. So arbeiteten die Innenraumgestalter mit starken Kontrasten durch helle Schotten und Deckenverkleidungen gegenüber den hölzernen Möbelteilen und Umleimern. Auf dem Prototypen war noch eine Deckenbespannung aus Sky-Material eingesetzt; für die Serie ist eine Innenschale vorgesehen. Die Holzteile aus Mahagoni- Marinesperrholz sind sehr rötlich gebeizt und von Industrieautomaten achtfach perfekt hochglänzend lackiert. Das ist erst mal Geschmackssache, birgt aber in jedem Fall auch einen Nachteil: Die Oberflächen sind sehr reinigungsintensiv, da schon jeder Handabdruck einen Fleck hinterlassen kann. Ein weiteres gestalterisches Element, das dem Innenbereich etwas von Retro- Design verleiht, sind Türfüllungen aus Peddigrohrgeflecht. Das Material spart Gewicht und sorgt für gute Durchlüftung. Es kann jedoch leichter beschädigt werden, beispielsweise, wenn im Seegang jemand unter Deck stolpert und sich abstützen will. Allerdings ist das Peddigrohrgeflecht auch einfach und günstig zu ersetzen. Überraschend und in weiten Teilen sehr gelungen ist die Innenraumaufteilung. Der Heckbereich wird von zwei identischen Achterkammern oder einer Kabine sowie einer großen Backskiste ein-genommen. Dazu kommen noch zwei kleinere Stauräume direkt vor dem Spiegel. Die gigantische begehbare und beleuchtete Backskiste aber reicht nach unten bis in die Bilge, erstreckt sich vom Heck bis zum Niedergang und ist durch das Bad auch von innen zugänglich. Macht insgesamt locker über 2000 Liter Stauraum - mehr als genug Platz für Klappfahrräder, Dingi, Zusatzsegel und diverse andere Dinge, die sonst schwierig zu stauen sind. Trotz dieser Opulenz sind die Raumverhältnisse auch im übrigen Heckbereich in Ordnung. Lediglich die Koje ist dort mit knapp 1,90 Meter Länge recht kurz ausgefallen. Das Bad dagegen überrascht durch Größe und erfreut mit einem offenen Ölzeugschrank. Die Toilette wurde diagonal eingebaut. Das ist für deren Gebrauch auf See bei Lage und Welle immer noch besser als ein quer installiertes WC, auf dem man sich auf einem Bug schlecht abstützen kann. Noch besser aber wäre eine längs eingebaute Toilette. Weitere Besonderheiten liegen im Salon: Gegenüber dem L-förmigen Sofa ist eine Dinette mit zwei einzelnen Sitzplätzen eingerichtet. Hier sitzt es sich entspannt mit ausgestreckten Beinen. Der Tisch dient als Kartenunterlage, Fläche für Einbaugeräte ist vorhanden. Mehr Navigationsplatz braucht man heute eigentlich nicht. Wer dennoch eine klassische Navigationsecke bevorzugt, beispielsweise um einen Laptop dauerhaft aufzustellen oder um generell Büroarbeit zu erledigen, kann dies ordern. Gut gefallen haben auch die beiden offenen, türlosen Schapps im Salon und in der Pantry, da sie mit herausnehmbaren Schlingerleisten ausgestattet sind. Die Kochecke fällt insgesamt eher klein aus. Doppelspüle, Schubladen und Schränke dürften in ihrer Größe jedoch die meisten Wünsche erfüllen. Die Arbeitsfläche ist recht knapp bemessen. Der zweiflammige Ofenkocher zeigt außerdem ein echtes Manko: Auf Steuerbordbug schlägt die Kardanik bereits bei 18 Grad Krängung an. Ebenfalls nachteilig, jedoch im modernen Bootsbau immer noch weit verbreitet, ist das Fehlen eines Sumpfes für die Lenzpumpe. In Kombination mit den flachen Bilgen zeitgenössischer Konstruktionen bedeutet dies, dass eingedrungenes Wasser bei Lage schnell seinen Weg in Schränke und Einbauten findet. Das Salonsofa eignet sich mit einer Länge von 1,90 Metern und einer Breite von knapp 70 Zentimetern nur begrenzt zum Schlafen. Was zu verkraften ist, da man dieses Schiff nur selten mit mehr als vier Personen belegen wird. Mustergültig fällt die Vorschiffskabine aus. Die Koje ist mit einer Länge von 2,02 Metern und einer Schulterbreite von üppigen 1,80 Metern richtig groß. Zwei Schränke und offene Ablagen schlucken reichlich Bekleidung. Und der Fußraum sowie die Stehhöhe von knapp 1,90 Metern sind grosszügig genug, um sich nicht beengt oder geduckt an- und ausziehen zu müssen. Angesichts dieser Merkmale werden die meisten Käufer die Kammer zur Eignerkabine erklären. Das Schiff hat zwar diverse zu öffnende Fenster, und die Luken lassen sich in Lüfterstellung arretieren. Eine Permanentbelüftung für Hafentage ohne Crew an Bord oder Törns bei Wind ist im Standardlieferumfang aber nicht vorgesehen. Natürlich lassen sich auf der Hanse 341 und besonders bei einem frühen Schiff der Serie wie dem Testboot hand-werkliche Mängel entdecken. Beispielsweise stößt das achte re Schott in Höhe des Niedergangs direkt auf ein Aufbaufenster und unterbricht es höchst unelegant. Es sind auch schon mal Ecken und Kanten im Holzausbau oder Laminatstellen im GFK -Bereich zu finden, die sauberer gearbeitet sein könnten. Jedoch sind dies keine großen Auffälligkeiten, die auch keine Sicherheitsrelevanz haben. Insgesamt ist die sichtbare Verarbeitung in Ordnung, der optische Eindruck positiv. Zwei Petitessen stören noch: Die Salonpolster passen nicht zu den Öffnungen in den darunter liegenden Auflagen. Wer einen Stauraum erreichen will, muss mehrere Polster entfernen. Und für das große einteilige Niedergangsschott ist keine Halterung vorgesehen, um es beim Segeln beispielsweise in der Backskiste sicher zu stauen. Dafür ist der Niedergang selbst sehr gelungen. Die Treppe mit drei seitlich angewinkelten Stufen für Schräglage lässt sich schnell und sicher begehen. Und der Cockpitboden ist bis vor das Steckschott durchgezogen; hier hat man im Luk einen guten, sicheren Stand. Fairer Preis, gute Ausstattung Eine feste Position dürfte sich auch die neue Hanse 341 im Markt erobern. Im ohnehin günstigen Standardpreis ist schon fast alles enthalten, was für den YACHT-Vergleichspreis nötig ist. Und Primer inklusive Antifouling erhält der Kunde schon für rund 500 Euro - ob das für hohe Qualitätsansprüche ausreicht, ist allerdings fraglich. Aber auch Übergabe und Zuwasserlassen - was sich viele Werften sehr teuer bezahlen lassen - werden nur mit etwa 1000 Euro berechnet. Deutlich kostspieliger wird es erst, wenn man vom Standard abweicht: Der Preis für den Kielschwerter beträgt immerhin rund 13 000 Euro mehr, und die zweite Achterkabine bedeutet knapp 2000 Euro zusätzlich. Der Rumpf in farbigem Gelcoat kostet etwa 2300 Euro extra, die Radsteuerung ersetzt für rund 2300 Euro die Pinne. Das ist insgesamt viel Geld, aber immerhin gibt es überhaupt diese Optionen, mit denen der Eigner das Schiff an seine persönlichen Vorlieben anpassen kann.
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