Das sagt die "yacht" zur First 36.7
Testbericht der "yacht" der First 36.7

Abschrift des Test der First 36.7 .
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Sportlich engagierten Seglern, die sich mehr als nur einmal in der Saison auf die Jagd nach Pokalsilber begeben und für die eine Kieler Woche kein Volksfest ist, sondern als wichtiger Regattatermin schon im Winter im Kalender vermerkt wird, widmet sich die Bootsbranche mit besonderer Aufmerksamkeit. Nicht horrend teure Einzelkonstruktionen geben auf der Bahn den Ton an, sondern längst Serienyachten mit urlaubstauglicher Einrichtung, manche davon mit beachtlichem Leistungsumfang zu einem recht ordentlichen Preis. Der Eintritt in die Welt des Hochsee-Regattasegelns ist heute so günstig zu haben wie nie zuvor. Lange schon erfolgreich in diesem Segment ist man bei Beneteau. Die französische Werft, die für nahezu alle Facetten des Segelns populäre Produkte auf dem Markt hat, präsentiert die Mitglieder ihrer Sportfamilie stets mit dem Anhang "First". Das ist keineswegs nur ein Marketing- Gag nach dem Motto "Wer eine First segelt, hat ein Boot unter dem Hintern, das das Zeug für erste Plätze hat". Die Liste der Siege ist tatsächlich beeindruckend lang, inklusive Erfolge im Admiral's Cup. Die neue Linie, gezeichnet von Bruce Farr für die Vermessung nach IMS, wird konsequent seit 1998 verfolgt und trägt zusätzlich das Typen-Kürzel.7. Nach 31, 40 und 47 kommt nun zur Messesaison die 36.7. Es war nur eine Frage der Zeit für Beneteau, der erfolgreichen Familie diese Tochter hinzuzufügen - wenn man so will, ein Schiff im Segment der gehobenen Mittelklasse. Premiere in Deutschland war auf der hanseboot, aber der Verkaufsstart fand bereits früher statt. Wie in YACHT 22/01 zu lesen war, konnte Beneteau bis Oktober schon mehr als 100 Orders schreiben. Wir segeln die Baunummer 3, ein Schiff also, von dem man durchaus vermuten könnte, dass hier und da noch ein paar kleinere Probleme auftauchen. Der erste Eindruck der 36.7 hängt sehr davon ab, durch welche Brille man das Schiff betrachtet. Anders ausgedrückt: Was will ich mit dem Schiff machen? Der Regattasegler wird zunächst mehr Zeit damit verbringen, die Linien, etwa die Formen von Bug und Heck, zu begutachten, dann das Rigg und die Fallenführung, die Abmessungen des Cockpits sowie die Wahl und Position der Beschläge. Er wird schnell feststellen: Die 36.7 ist konsequent gestaltet und ausgerüstet und im Wesentlichen eine Yacht, an der alles Notwendige vorhanden ist. Also einsteigen und lossegeln. Wer seinen Schwerpunkt mehr auf sportliches Törnsegeln legt, wird nach einem kurzen Rundgang über Deck zunächst einmal zur Kenntnis nehmen, dass das Rigg mit drei gepfeilten Salingspaaren (ein Extra der Racing-Ausrüstung,ansonsten Doppelsalinge) wirklich einfach zu bedienen ist und keine Backstagen benötigt. Zustimmung werden die ordentlich dimensionierten Klampen inklusive Springklampen mit Scheuerschutz finden. Vermissen wird man dagegen wahrscheinlich das Steuerrad - in dieser Klasse ist das sonst Standard. Stattdessen ragt eine lange Alupinne mit Ausleger nach vorn ins Cockpit. Der breite Großschottraveller mit viel Leinengewusel liegt dahinter. Die in der Sonderausstattung angebotene Radsteuerung - zu betrachten war sie beim Messeschiff auf der hanseboot - enttäuscht allerdings. Sie ist im Durchmesser viel zu klein geraten und steht etwas verloren und fast unsportlich am Cockpitende. Hier sollte sich Beneteau mal die Konkurrenz anschauen. Auch unter Deck sind unterschiedliche Betrachtungsweisen geboten. Durch die Fahrtensegler- Brille betrachtet, wird auf den ersten Blick ins Auge fallen, dass das riesige, schneeweiße Decken-Formteil eine gewisse Krankenhaus-Atmosphäre verbreitet und zu den dunklen Holzflächen (wahlweise Kirsch- oder Birne-Beizung) an Schotten und Möbeln einen heftigen Kontrast bildet. Gemütlichkeit will sich nicht so recht einstellen, jedenfalls scheint sie werftseitig nicht unbedingt geplant zu sein. Ein Kompromiss ist die Doppelkoje im Vorschiff. Durch den Einbau der Nasszelle vorn, die ein bisschen sehr auf Funktionalität reduziert wurde (es gibt nicht ein einziges verschließbares Ablagefach), hat die Länge der Backbordkoje ein paar entscheidende Zentimeter verloren. Ein Racer ist kein Lastensegler Auch beim Stauraum wird der Fahrtensegler hier und da meckern. Natürlich ist bei der 36er der Wassertank nicht im Vorschiff untergebracht, schließlich soll möglichst wenig Gewicht vor dem Hauptschott platziert sein, in Bugnähe schon gar nicht. Die Tanks mit 300 Liter Inhalt wurden unter die Salonbänke verteilt. Das geht natürlich zu Lasten des Stauplatzes in bester Lage, was den Racer aber weniger interessieren dürfte. Der wird sich eher darüber freuen, dass das Schiff innen recht viel Raum für den Segelstau hat, dass man den Tisch mit einem Handgriff von einem Trägerrohr abnehmen und zur Seite legen kann und dass der Dieseltank vernünftigerweise trimmneutral unter den Cockpitboden platziert wurde. An den Doppelkojen der Achterkammern wird kaum jemand etwas auszusetzen haben. Sie bieten in Ausmaßen und Komfort das, was bei dieser Bootsgröße geht, inklusive einigem Stauraum. Das Gleiche gilt für Kombüse mit zweiflammigem Ofenkocher) und Navi. Auch sonst bietet das Schiff in Verarbeitung und Ausstattung das, was man in dieser Kategorie erwarten kann. Vernünftige Installation von Elektrik und Motor, Druckwasser (warm/kalt), 90-Liter-Elektro-Kühlbox, Halogen-Beleuchtung, viele Luken und Fenster (Lewmar) sowie eine komplette Innenschale. Nach Ende der Besichtigungstour ein klares Fazit: Die Yacht lässt sich sofort als ein Produkt der First- Baureihe erkennen. Die Gestaltung an und unter Deck setzt konsequent die Linie der erfolgreichen Geschwister fort. Die 36.7 ist ein Schiff, bei dem das Schwergewicht auf der Sportlichkeit liegt; die Einrichtung ist funktional, komplett und pflegeleicht. An der Konkurrenz von Dehler oder X gemessen, fehlt dem Schiff sicherlich ein wenig Behaglichkeit. Sportlich sieht es anders aus. Man kann davon ausgehen, dass es als Neukonstruktion an die Erfolge der First-Baureihe anknüpfen wird. In der Vergütung liegt die Beneteau gleich- auf mit der Dehler (635 sec/sm), muss aber der schon sieben Jahren alten X-362 in der Standardrigg-Version 18 Sekunden pro Seemeile vergüten. Was wohl kein allzu großes Problem sein dürfte, denn die First ist vom Design her ein Schiff ohne großen Kompromiss und eben mindestens eine Generation jünger. Bruce Farr hat einen sehr großen Tiefgang von 2,20 Meter gewählt mit einem schön profilierten Performance- IMS-Bombenkiel sowie ein tiefes, schmales Ruder. Amwind-Segelfläche ist mit fast 80 Quadratmetern reichlich vorhanden, auch das Gesamtgewicht von knapp 6 Tonnen ist noch als leicht zu bezeichnen. Natürlich wäre es für die Beurteilung eines Performance-Cruisers aussagekräftiger, mit voller Crew eine Regatta zu segeln. Aber wir sind froh, dass uns Ende Oktober überhaupt ein Schiff an der Schelde zur Verfügung steht. Der erste Eindruck ist negativ. Das Ruder ist schon beim Motoren schwergängig, unter Segeln dann vollkommen unsensibel. Eines der kleinen Defizite, die wir der frühen Baunummer zuschreiben. Zu Recht, denn wie wir erfahren, war der von Beneteau gefertigte Ruderschaft etwas zu dick für das verwendete Hightech- JP3 -Ruderlager. Das Problem ist inzwischen gelöst. Dann aber folgen Erlebnisse der angenehmeren Art. Wir jagen das Schiff unter Spi mit knapp 10 Knoten über die ScheIde und haben trotz unseres geringen Crewgewichts auch bei 90 Grad Windeinfall nicht das Gefühl, dass es aus dem Ruder laufen könnte. Dass die 36.7 steif genug ist, bestätigt sich auch auf Amwind- Kurs. Ein Vorzug, der besonders bei der Fahrt mit kleiner Crew wichtig ist. So gesehen ist die First wirklich voll törntauglich. Das Geschwindigkeitspotenzial ist hoch, das Schiff beschleunigt sehr schnell und dreht hervorragend. Das Bedienen von Fallen und Streckern sowie Position und Größe der Winschen ist perfekt. Mit einer Einschränkung: Sind die Extra-Backskisten im Cockpit montiert, lassen sich die Genuatrommeln nicht mehr so effektiv kurbeln. Die Position der Winden für die Spischoten neben dem Eingang und die Fallen/Strecker-Klaviatur ist ideal. Die Werft hat durch die erfolgreiche First- Baureihe reichlich Erfahrung gesammelt und war in der Lage, aus dem Stand ein funktionierendes Deckslayout zu gestalten. Was im Übrigen auch für die Sitzpositionen im Cockpit gilt - weniger allerdings für die der Crewmitglieder, die, die Beine überbords, auf dem Deck sitzen müssen. Sie werden die Holzleiste schnell zu spüren bekommen. Keinen idealen Arbeitsplatz hat der Großschot- Trimmer im Heck hinter dem Steuermann. Er sitzt beengt und muss sich mit fünf Enden auf dem Travellerschlitten auseinander setzen. Vor ihm liegen Groß- Grobeinstellung, doppelte Feineinstellung und zwei Travellerleinen, da kann man sich schon mal vergreifen, zumal beim Testschiff alle Leinen schwarz waren. Natürlich soll der weit achtern liegende Traveller Platz für Manöverarbeit im Cockpit schaffen. Wir würden ein großes Rad bevorzugen. Insgesamt aber hat die First 36.7 einen hervorragenden Eindruck hinterlassen. Das Schiff ist handlich und spontan. Es überfordert seine Crew nicht und bietet einer engagierten Regattamannschaft alle Möglichkeiten. Nicht nur auf der Clubregatta, auch bei der Vergabe des Deutschen IMS-Meistertitels wird die Beneteau Ansprüche anmelden können.
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