Das sagt die "yacht" zur Delphia 40
Testbericht der "yacht" der Delphia 40

Abschrift des Test der Delphia 40 .
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Die Polen arbeiten sich kontinuierlich nach oben. Bis Anfang 2004 standen die Namen Sportina und Delphia vor allem für eine breite Kleinkreuzer- Palette. Gebaut wurden sie in der 1990 gegründeten Werft Sportlake in Olecko, östlich der Masurischen Seen. Karol Jablonski, bekannt als einer der weltbesten Match-Racer und Hochseesegler, startete 1991 mit der Sportina 680 den Verkauf in Deutschland, brachte allein auf der hanse boot fünf Schiffe an den Mann. Später stieg sein Bruder Hubert ins Geschäft ein, der heute Generalimporteur für Nordeuropa ist. Die Palette wurde stetig erweitert: 1995 folgte die Sportina 620, 1996 die 760, 1998 die 700 und 600 (eine abgespeckte 620). Vor drei Jahren dann der Richtungswechsel: Mit der Sportina 860 wurde Anfang 2002 das Segment der Trailerboote erstmals verlassen. Mit Namensänderung der Werft in Delphia Yachts 2003 taufte man die 860 in Delphia 900 um, Anfang 2004 hatte dann das neue Flaggschiff, die Delphia 40, ihre Weltpremiere. Jedoch dauerte es noch ein Jahr, bis der Verkauf in Nordeuropa anlief. Die komplette erste Jahresproduktion ging nach Südeuropa. "Wir haben uns viel Zeit gelassen, um dieses für uns wichtige Boot zu testen und zu modifizieren", so Hubert Jablonski. Eine nachvollziehbare Herangehensweise, schließlich begibt er sich mit der 40er in das am heißesten umkämpfte Segment. Mit der Delphia 40 wird der Massenmarkt der Charterboote angepeilt. Ein mutiges Ziel, denn die Konkurrenz aus Frankreich und Deutschland ist gewaltig. Wobei Chartermarkt etwas irreführend ist. Diese Kategorie steht für Yachten, die sich durch ihr Raumangebot und ihre Segeleigenschaften besonders gut für den Chartermarkt eignen. Sie bedeutet aber nicht, dass die Boote für Eigner nicht empfehlenswert sind. Im Gegenteil: Alle großen Hersteller - ob Bavaria, Beneteau oder Jeanneau - verkaufen teils mehr Boote aus diesem Segment an Eigner als an Charterunternehmen. Die Kategorie trennt diese Yachten jedoch vom Bereich der sportlicheren Performance-Cruiser. Denn in dieses Segment passt die Delphia 40 gewiss nicht. Mit fast 9 Tonnen zählt sie zu den Schwergewichten. Doch wird dieses Manko durch die Form und Besegelung teilweise ausgeglichen. So ist der Rumpf mit 3,94 Metern schmaler als bei den erwähnten Konkurrenten, die zudem bis auf die Bavaria sogar kürzer sind. Logischerweise beschert das der Delphia, zusammen mit der Bavaria, ein widerstandsarmes Längen-Breiten -Verhältnis. Außerdem verhilft der Delphia ihre im Verhältnis zur Rumpflänge lange Wasserlinie (über 92 Prozent) zu einer enorm hohen theoretischen Rumpfgeschwindigkeit von knapp über 8 Knoten. Damit liegt sie im Vergleich im Spitzenbereich. Zwar konnte sie bei den leichtwindigen Testbedingungen auf der Flensburger Förde nicht den Beweis antreten, dass sie diesen Wert auch praktisch erreicht. Aber schon mit der 36-PS-Maschine, die nun gewiss keine Übermotorisierung darstellt, schaffte sie unter Volllast 8,5 Knoten. Dies lässt auf gelungene Linien schließen. Bei den ab 2005 ausgelieferten Modellen wird die Maschine sogar 40 PS haben (neue Modellreihe bei Yanmar) und mit einem Zweiblatt- statt Dreiblattpropeller ausgestattet sein. Bei der Besegelung gehen die Importeure verschiedene Wege. Während die Delphia 40 in Südeuropa mit Genua (43 Quadratmeter) ausgeliefert wird, bestückt sie Jablonski für den nordeuropäischen Markt mit einer Fock (31 Quadratmeter). "Das ist für die eher wind reichen Reviere die logischere Kombination", so der Importeur. Dafür fällt das Großsegel mit fast 40 Quadratmetern vergleichsweise üppig aus. Die Genua wird ab 2100 Euro angeboten. Da alle anderen Konkurrenten standardmäßig ein großes Vorsegel liefern, ist ein Vergleich der Delphia mit Genua angezeigt. Die Segeltragezahl von 4,4 bedeutet ordentlich Tuch. Für die Bedingungen beim Test war sie dagegen etwas untertakelt. Dennoch:Knapp 5 Knoten am Wind mit Fock sind nicht schlecht. Dabei fehlte es jedoch etwas an Höhe. 2 bis 3 Grad mehr wären wünschenswert, sollten sich aber mit ein wenig Feintrimm bewerkstelligen lassen. Und dieser ist nötig, nicht nur unter dem Aspekt der Amwind-Leistungen. Denn die Delphia lag zu ausgewogen auf dem Ruder. Sie zeigte keine (wünschenswerte) Neigung zur Luvgierigkeit, auch nicht bei etwas stärkeren Böen. Im Gegenteil, es war sogar eine leichte Tendenz nach Lee vorhanden. Zudem fehlte es völlig an Ruderdruck, das leichtgängig drehende Rad konnte über lange Strecken losgelassen werden. Das sind für den Steuermann keine idealen Voraussetzungen, wenn es um feinfühliges Steuern an der Windkante geht, zumal mit einem Boot dieser Verdrängung. Dafür hat der Mann am Rad im hinteren Cockpit sein eigenes Reich. Der Raum zwischen Sitzbank und Rad ist groß genug, nur auf dem Süll wird es zwischen Genuawinsch und Heckkorb etwas eng. Für die Crew bleibt ebenfalls ausreichend Platz. Ein gelungenes Detail ist der nach außen gewölbte Cockpitboden, der den Füssen guten Halt bietet. Dagegen dürfte es bei Lage, wenn die Mannschaft auf dem Seitendeck sitzen will, unbequemer werden, denn das Süll fällt nach außen recht steil ab. Das Zweisalings-Fraktionalrigg wird serienmäßig mit festem Achterstag geliefert, ein Spanner ist nicht im Angebot. Schwimmendes Apartment Ihre wahren Werte zeigt die Delphia 40 unter Deck: ein vergleichsweise riesiges Raumangebot, sowohl gemessen als auch gefühlt, gepaart mit einem eigenständigen Design und sehr guter Verarbeitung. Die enorme Raumwirkung wird durch verschiedene Maßnahmen erreicht. Einen Teil tragen die hellen Oberflächen aus Eiche bei, und auch beim Muster der Polsterung haben die Polen dazugelernt. Kamen in der Vergangenheit bei den Kleinkreuzern oftmals fast schon schmerzhaft bunte Stoffe zum Einsatz, hält sich die Delphia in dieser Hinsicht eher dezent zurück. Außerdem ist der Salon dank der großen Fensterflächen lichtdurchflutet. Drei große Scheiben im Kajütaufbau vorn, je zwei Seitenfenster sowie ein Luk im Kajütdach lassen ein Gefühl wie bei einer Deckssalonyacht aufkommen. Jedoch wird die Freude darüber bei den Crews in den Sommermonaten gedämpft sein, denn zur Belüftung lassen sich nur das Luk im Dach sowie ein kleines Seitenfenster über dem Navi-Platz öffnen. Das ist für einen schnellen Durchzug zu wenig. Der dritte - und wichtigste - Aspekt beim Raumgefühl der Delphia ist die Stehhöhe. 2,10 Meter im Salon, selbst im Vorschiff noch 1,88 Meter, ansonsten nie unter 1,90 Meter sind Spitzenwerte. Erreicht werden sie durch einen relativ hohen und nach vorn gezogenen Kajütaufbau sowie eine flache Bilge. Bei der Salongestaltung weicht die Werft etwas vom Standard in dieser Bootsgröße ab. Der Salontisch ist dreieckig, der Zweisitzer diagonal gestellt. Dadurch entsteht viel freier Raum um den Niedergang herum und eine gemütliche Sitzecke. Zwar finden sechs Personen Platz, jedoch ist derjenige auf dem hintersten Sitz an Backbord zu weit vom Tisch entfernt. Es wird aber eine Variante mit vier Kabinen angeboten (zwei im Vorschiff), bei der der Salontisch konventionell rechteckig ausgeführt und mit Zweisitzer plus Hocker versehen ist. Dafür fällt die Vorschiffskabine bei der getesteten Drei-Kabinen-Version entspre-chend grosszügig aus. Besonders bemerkenswert ist die vordere Nasszelle, die eine vollwertige, geräumige Dusche bietet. Die Kojenmaße sind zwar ausreichend, allerdings ist an dieser Stelle der Platz nicht effizient genutzt. Zwischen Kopfende und Nasszelle wurde ein zu großer Freiraum gelassen, die Koje könnte gut 20 Zentimeter länger sein, was vor allem dem mit 40 Zentimetern recht engen Fußraum zugute kommen würde. Im achteren Bereich hat die Werft auf einen voll funktionstüchtigen Navigationsplatz Wert gelegt, was löblich ist, aber zulasten der Bewegungsfreiheit in der Backbord-Achterkammer geht. Ein Kompromiss, der verschmerzbar ist. Die beiden identischen Achterkojen bieten eine für diese Bootsgröße erwartbare Liegefläche. Der Abstand zum Cock-pitboden beträgt auch noch im Fußraum rund 60 Zentimeter und ist ausreichend. Diese Grosszügigkeit reduziert die Backskisten, die mit je rund 280 Litern eher klein ausfallen. Dafür ist zwar die Achterpiek über zwei Deckel der Cockpitbank zugänglich, der riesige Stauraum dort lässt sich jedoch kaum nutzen. Denn Ruderschaft und Quadrant sind nicht abgeschottet, wodurch Staugut das Ruder blockieren kann. Außerdem fehlen in dieser Höhle Unterteilungen. Wer irgendwelche Vorurteile gegen polnischen Bootsbau hegt, wird beim Blick unter die Polster eines Besseren belehrt. Wo andere Werften, weil es ja keiner sieht, gern einmal offene, unbearbeitete Kanten stehen lassen, wird bei Delphia geschliffen und lackiert. Liebe zum Detail spricht auch aus verpropften Schrauben an den Handläufen, komplett verkleideten Übergängen zwischen Schott und Deck sowie aus den ausklappbaren und sehr gut zugänglichen Elektrik-Konsolen in der Navi-Ecke. Mit rund 150000 Euro für eine komplett ausgestattete Yacht bleibt die Delphia 40 unter der französischen Konkurrenz und ist schon allein deshalb einen genauen Blick wert. Doch nicht nur der Preis, vor allem das Raumgefühl machen die Polin, auch außerhalb des angepeilten Chartersegmentes, interessant.
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