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Klare Kampfansage
Die 37 macht den Trend zum Raumschiff nicht mit. Das zahlt sich bei den Segeleigenschaften positiv aus.
Der Name Delphia gehört spätestens seit diesem Frühjahr auf die Checkliste für den Neubootkauf. Mit der 37er hat die gleichnamige polnische Werft ein Jahr nach der 40er wiederum eine Yacht herausgebracht, die in ihrer Größengruppe keine Konkurrenz scheuen muss. Das gilt für die Verarbeitungsqualität, noch mehr aber für den Preis. Für rund 118000 Euro ist das Boot komplett ausgestattet zu haben. Eine Bavaria 37 Cruiser, auch in diesem Segment die Messlatte, ist nur knapp 7000 Euro günstiger. Wobei Delphia Yachts bei der Typenbezeichnung etwas mogelt. Die Werft rundet nämlich deutlich auf. So werden aus 11,12 Meter Rumpflänge 37 Fuß, tatsächlich sind es jedoch nur 36,5 Fuß. Das allein wäre kein Fauxpas; schließlich verfahren viele Firmen ähnlich grosszügig bei der Modellbezeichnung. Doch bei der Delphia spürt man insbesondere unter Deck, dass es kneift - aller Schönfärbung zum Trotz.

Familäre Linien
Optisch hat die Werft mit der 37er und 40er eine einheitliche Linie gefunden. Ein leichter Deckssprung, der Bug zirka 20 Grad geneigt und ein harmonisch nach achtern geschwungener Aufbau, dem die Handläufe und die Kajütfenster in der Kontur folgen - unter Wasser eher konservativ, darüber futuristisch angehaucht. Auch beim Deckslayout und der Cockpitgestaltung ähneln sich beide Yachten sehr. Die Riggs sind in der Geometrie identisch, beide Boote sind 9/10- getakelt und mit zwei Salingspaaren versehen. Optisch wurden klare Identifikationsmerkmale geschaffen. Bei der Konzeption des Interieurs sind dagegen kaum noch Gemeinsamkeiten feststellbar. Die 40er beeindruckte mit enormen Stehhöhen von über zwei Metern und einem sowohl gefühlt wie gemessen großen Raumangebot. Der erste Eindruck der 37er unter Deck ist dagegen ein völlig anderer. Der Ausbau wurde klassisch gehalten, mit L-förmiger Pantry und beidseitig angeordneten Kojen. Insgesamt wirkt der Salon etwas beengt, das Schiff innen kleiner, als es seine Maße vermuten lassen. Denn die 37er ist mit ihrem Längen-Breiten-Verhältnis von 2,98: 1 relativ sogar breiter als die 40er mit 3,03:1. Absolut fehlen ihr nur 28 Zentimeter in der Breite und ein knapper Meter in der Rumpflänge. Ursache des beengten Eindrucks ist der Versuch, aus der gelungenen 40er eine kleinere Version zu kreieren, deren Linien von außen gefälliger wirken als bei der voluminösen größeren Schwester. Dazu wurde das Freibord um rund 17 Zentimeter verringert und der Aufbau etwas flacher gehalten, besonders im Bereich der vorderen Kammer. Deshalb hatte der auf der boot in Düsseldorf im Januar präsentierte Prototyp zu wenig Stehhöhe. Als Kompromiss wurde die Innenschale überarbeitet und das Interieur nach unten verlegt. Die Bilge hat jetzt nur noch zwölf Zentimeter Tiefe. Dadurch wurden zwar ausreichende Stehhöhen von etwas über 1,90 Meter im Salon erreicht. Allerdings wirken nun andere Design-Parameter ungünstig zusammen. Der Ausbau rutschte nicht nur nach unten, sondern auch nach innen. So drängt im Niedergangsbereich an Backbord die Nasszelle optisch weit ins Schiff. Das Hauptschott steht zudem relativ weit vorn, wodurch sich der Salon verjüngt. Diesen Eindruck verstärken die Kojen und die Ablagen über den Rückenpolstern, die der Rumpflinie folgen. Außerdem teilt die Maststütze den Salon optisch in Längsrichtung. Die gravierendste Folge aber ist, dass durch die tiefe Bodengruppe die Salonfenster nicht mehr in Blickhöhe liegen, also von keiner Position im Salon nach draußen gesehen werden kann. Zudem ist die Nasszelle nur eingeschränkt nutzbar, weil durch die nötige Bodenerhöhung für den Duschablauf nur 1,80 Meter Stehhöhe verbleiben.

Freundliches Ambiente
Abgemildert wird der beengte Eindruck durch die Oberflächengestaltung. Auch die Delphia 37 verzichtet nicht auf die derzeit modernen Skylights.
Zusätzlich fällt viel Licht durch die großen Seitenfenster, was zusammen mit den hellen Eichen-Oberflächen und der weißen Salondecke für eine freundliche, offene Atmosphäre sorgt. Gut gelöst wurde die Navigationsecke an Backbord. Zwar sitzt der Navigator mit dem Rücken zur Fahrtrichtung, dafür kann die Backbordkoje durch ein Einlegepolster auf eine benutzbare Größe verlängert werden. Andere Details sollte die Werft dagegen überdenken. So ist die Tür zum Vorschiff etwas zu klein, zusätzlich reicht der Salontisch zu weit ans Schott und beengt den Durchgang stark. Wer nach vorn will, muss sich heftig ver-biegen. Auch wurde der Platz über den Kojen an den Rumpfseiten nicht genutzt, dort hätten einige Schapps integriert werden können. Im Vorschiff befindet sich an Backbord ein Sitz, dessen Sinn sich nicht ganz erschließt. Denn der Hängeschrank darüber macht die Benutzung wegen fehlender Kopffreiheit unmöglich. Dass die Werft zu Änderungen nicht nur bereit, sondern auch schnell in der Lage ist, bewies sie bei den Achterkojen. Beim ersten Test Ende Mai, der wegen Flaute abgebrochen werden musste, war die Koje der Baunummer 1 am Mittelschott nur 1,67 Meter lang, für zwei Personen also unbenutzbar. Nur anderthalb Wochen später kam zum zweiten Test auf dem holländischen IJsselmeer die Baunummer 3 mit nach vorn verlagertem Motor und Niedergang und dafür vollwertiger Achterkoje. Zwar ist dadurch der Niedergang etwas exponiert, und es fehlt beim Abstieg seitlicher Halt, doch ist dieser Kompromiss zugunsten der Koje verzeihbar. Die getestete Drei-Kabinen-Version ist für 3500 Euro Aufpreis zu bestellen, standardmäßig wird die 37er mit einer Achterkoje an Backbord ausgeliefert. Das leere Abteil achtern kann als Stauraum für Fahrräder oder anderes sperriges Gepäck genutzt werden. Oder die Pantry wird nach hinten verlängert. Bei einer Eignerversion ist das sogar ein Muss, da die Arbeitsfläche bei der getesteten Version nur bei abgedeckter Spüle nutzbar und auch dann recht klein war.
Agiles Verhalten
Unter Deck konnte die 37er die hohen Erwartungen zwar nicht erfüllen, dafür bleiben unter Motor und Segeln kaum Wünsche offen. Der Drei-Zylinder-Yanmar mit 29 PS und Zwei-Blatt-Festpropeller beschleunigte die Delphia auf nahezu exakt Rumpfgeschwindigkeit, ist also richtig dimensioniert. Das Ruderblatt wird sofort angeströmt, das Schiff ist unter Maschine sehr gut manövrierbar. Standardmäßig wird eine Fock statt einer Genua ausgeliefert. Das größere Tuch kostet 1290 Euro Aufpreis als Ersatz für die Fock. Die 37er machte einen lebendigen, agilen Eindruck, und auch die gemessenen Werte können sich durchaus sehen lassen. Besonders deutlich hebt sich die Delphia bei der Beschlagsausstattung von der Konkurrenz ab: zehn große Hebelklemmen serienmäßig, 48er Genuawinschen von Lewmar, sechs große Festrnacherklampen, solide Edelstahlverarbeitung - allein die Heckkörbe haben je vier Stützen. Negativ fiel dagegen die Rollanlage auf, die bei stark gespanntem Achterstag schwer drehte, weshalb wohl auch eine kleine Extrawinsch Steuerbord achtern angebracht ist. Zudem war die Steuerung mit eindreiviertel Umdrehungen etwas indirekt. Störend wirkte darüber hinaus der große Cockpittisch, der die Crewarbeit behindert und zu dicht am Niedergang positioniert ist. Eine abnehm- oder klappbare Variante wäre sinnvoller. Verbesserungswürdig ist weiterhin die vom Cockpit aus zugängliche Achterpiek. Sie ist nicht unterteilt, Staugut kann durcheinander purzeln und lässt sich nur schwer wieder hervorholen. Lobenswert ist dagegen, dass es diesen Zugang von oben überhaupt gibt, denn immer mehr Werften verzichten aus Kostengründen auf die beiden Deckel.
Sehr gute Qualität
Egal ob im Schiff oder an Deck: Bei der Verarbeitung gehört die polnische Yacht zu den Klassenbesten. Keine unbehandelte Schnittkante, im sichtbaren Bereich überall Abschlussleisten, kein GFK ohne Topcoat. Das Boot wirkt solide, ohne behäbig zu sein. Es wurde kein Kompromiss aus Einsparungsgründen geschlossen und dennoch ein Endpreis erzielt, auf den die meisten anderen Werften neidisch sein dürften. Diese dicken Pluspunkte werden durch das nicht ganz gelungene Innenraumkonzept abgeschwächt. So wird die Dephia 37 eher segelorientierte Eigner ansprechen als raumbedürftige Charterer.
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