Das sagt die "yacht" zur Delphia 29
Testbericht der "yacht" der Delphia 29

Abschrift des Test der Delphia 29 .
Link zum Original-Artikel am Ende dieser Seite
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Ein wenig sieht man ihr an, dass das wichtigste Designkriterium das Schaffen von Platz war: Der Freibord ist groß, der Aufbau hoch und das bis an den Spiegel reichende Cockpit sehr breit. Trotzdem wirkt sie nicht plump, im Gegenteil, durch eine geschickte Formgebung des Aufbaus und des Hecks wird die große Breite und Seitenhöhe geschickt kaschiert. Wir testen die Delphia 29, genauer gesagt die Festkielversion des Schiffes auf der Flensburger Förde. Die Delphia wird auch als Schwertkieler angeboten, den wir aber leider nicht testen konnten. Schon auf den ersten Blick fallen einige Details an Deck auf: Das Testboot ist mit einem kleinen Bugspriet ausgerüstet, an dem ein Anker gefahren werden kann. Serienmäßig ist eine Klappmastvorrichtung an Bord - ein praktisches Ausrüstungsdetail. Der Mast ist nicht zu hoch, und somit kann ein Mann alleine das Rigg relativ einfach stellen und legen. Dafür werden die Oberwanten an Bügeln angeschlagen, sodass der Anschlagpunkt der Wanten in Höhe des Drehpunktes des Mastes liegt. Zusätzlich mit dem ]ütbaum prägt dieses Detail das Äußere des Deckslayouts. Die Laufdecks sind schmal, reichen aber aus, um sicher auf das Vorschiff zu gelangen. Das ist größer geraten als bei vielen Mitbewerbern, sodass man sich dort bei Manövern noch ausreichend bewegen kann. Vermisst habe ich lange Handläufe auf dem Aufbau - festhalten kann man sich praktisch nur an den Relingdrähten - was nicht ausreicht. Das Cockpit ist angenehm groß. Trotzdem kann man sich bei Krängung gut mit den Füssen an der Leeducht abstützen. Man sitzt tief und geschützt, kann aber noch über den Aufbau hinwegschauen. Serienmäßig sind die Duchten mit Teak belegt, und mit den ergonomisch richtig geformten Lukensüllen ist es recht wohnlich in diesem Bereich. Praktisch sind auch die Teaksitze an den Heckkörben, von denen man auch bei hochgeklappter Sprayhood darüber hinweg nach vorne schauen kann. Stauraum gibt es reichlich in der großen unterteilten Backskiste, wo in einer Halterung das große ungeteilte Steckschott zur Kajüte gestaut werden kann. Wenn man den Niedergang hinunter kommt und sich umschaut, ist man zunächst von der Größe der Kajüte angenehm überrascht. Besonders die Stehhöhe im Niedergangsbereich von 1,87 Meter trägt zu einem angenehmen Raumgefühl bei. Ausgebaut ist das Schiff mit einem eiche furnierten Sperrholz. Ein wenig ungewöhnlich für Yachten, und so kann ich mich zunächst nicht der Assoziation eines Wohnwagens erwehren. Das ist aber keinesfalls abwertend gemeint, denn die Verarbeitung des Holzes ist gut und unterstreicht durch die Farbe der Oberfläche den hellen Eindruck unter Deck. Gegen Aufpreiswird der Ausbau auch in Mahagoni gefertigt. Die Aufteilung ist für eine Crew von vier Personen grosszügig bemessen. Im Vorschiff befindet sich eine Doppelkoje, die mit 1,96 x 1,46 Metern groß genug für zwei Personen ist. Ausreichenden Stauraum findet man in diversen Borden, kleinen Schränken und unter der Koje. Der insgesamt eher kleine Raum kann durch eine Tür zum Salon abgeschlossen werden. Beim Betreten des Salons findet man hier am Schott eine Höhe von 1,77 Meter vor. Sitzen kann man auf zwei 1,9 Meter langen Längskojen, die sich auch gut als Seekojen eignen und bei hochgeklappter Rückenlehne 78 Zentimeter breit sind. Die Doppelkabine achtern weist außer der großen Koje noch einen richtigen Kleiderschrank und genügend Stauraum auf. Insgesamt stehen sechs Schlafplätze zur Verfügung. Laut Prospekt ist die Delphia 29 für 7 Personen geeignet, doch Törns mit mehr als vier Personen an Bord wird man sicherlich nicht länger als ein paar Stunden ausdehnen, dafür wird es dann im Cockpit doch zu eng, vor allem bei Krängung. Die Größe der Pantry ist für diese Schiffsgröße noch als ausreichend zu bezeichnen, doch die Delphia bleibt halt ein 29-Fuß-Schiff und stößt somit in einigen Details an natürliche Grenzen. Aber die Pantry ist praktisch eingerichtet, und über dem Kocher befindet sich ein kleines Bulleye zum Öffnen. Der zweiflammige Herd mit Backofen kann allerdings in eine Richtung nur zehn Grad ausschwingen. Die Navigationsecke ist knapp gehalten. So hat man darauf verzichtet, einen richtigen Kartentisch einzubauen, der Platz vor der Hauptschalttafel ist eher als Ablage für Handbücher, Fernglas oder ein Notebook gedacht. Viel Platz hat man dafür dem WC-Raum gegönnt. Von der Größe her könnte man hier sogar duschen. Auch die Wassertankkapazität ist mit 150 Litern grosszügig bemessen. Neben dem WC-Becken ist ein brauchbarer Ölzeugschrank eingebaut, und in den geschlossenen Schapps findet sich genügend Stauraum. Der Dreizylinder Nanni Diesel steht in einem angenehm großen Motorraum. Besonders an den Seiten ist außergewöhnlich viel Platz für Wartungs arbeiten gelassen. Der Dieseltank ist mit 45 Litern Fassungsvermögen richtig bemessen, und so kann man mit einer Tankfüllung bei sechs Knoten Marschfahrt über 100 Seemeilen zurücklegen. Der Motor ist mit einer konventionellen Wellenanlage mit Festpropeller ausgerüstet. Die Welle läuft gut geschützt in einem Tunnel bis weit nach achtern vor das Ruder, was den Manövriereigenschaften sehr zugute kommt. So dreht das Schiff, wie man es heutzutage erwarten kann, auf dem Teller und fährt sich auch bei Rückwärtsfahrt sehr exakt. Das mit 21 PS kräftig ausgelegte Aggregat beschleunigt das Schiff leicht auf die Rumpfgeschwindigkeit von 6,7 Knoten. Dabei taucht der Spiegel etwa 10 Zentimeter tief ins Wasser. Aus fünf Knoten Fahrt heraus stoppt die Delphia innerhalb einer Schiffslänge wieder auf. Auch aus dem Stand lässt sich die Delphia gut drehen. Eigentlich stimmt hier alles, bis auf den Lärm, den der Motor dabei macht. Bei 3000 Umdrehungen pro Minute ist es im Salon mit 78 dB relativ laut ,und bei Vollast mit 81 dB wird es langsam unangenehm. In der Achterkabine setzt man sich bei 90 dB am besten Ohrenschützer auf. Da aber im Maschinenraum genügend Platz vorhanden ist, könnte man mit dickeren Schallschutzmatten ein besseres Ergebnis erzielen. Es ist frisch an diesem Tag. Das bezieht sich nicht nur auf die Temperatur (nur wenige Grad über null) sondern auch auf den Wind, der in Böen fünf Beaufort erreicht. Wir starten wie immer mit dem Großsegel, das sich dank der umgelenkten Fallen gut setzen lässt. Die Fallwinschen, die für die kleine Fock auch als Schotwinschen fungieren, sind gut zu bedienen. Besonders, wenn man sich in den Nieder-gang stellt, dessen obere Stufe sehr breit ausgeführt ist und die gleiche Höhe wie der Cockpitboden hat. So steht man gut mit einem Bein draußen und mit einem drinnen und findet einen sicheren Stand. Auch bei Krängung oder Seegang kann man hier aufrecht stehend mit zwei Händen kurbeln. Das geht allerdings nur mit geklappter Sprayhood; bleibt die Sprayhood aufgestellt, wird man ergonomische Kompromisse eingehen müssen. Unser Testboot wurde ganz ohne Sprayhood gesegelt. Als das Segel richtig durchgesetzt ist, kommt die Delphia recht gut in Fahrt. Bei durchschnittlich vier Windstärken läuft sie gute vier Knoten bei 50 Grad Höhe am wahren Wind. Sie dreht schnell, und der Druck auf der Pinne ist moderat. Auch die Sitzposition ist bequem, und mit dem Pinnenausleger in der Hand kann man es sich im Cockpit bequem machen. Dann setzen wir die Fock. Angeschlagen ist ein Segel, das kaum überlappt, es ist die 13 Quadratmeter große Standardfock. Der Schotwinkel liegt relativ weit außen, ist aber für die Delphia als geräumiger Fahrtenkreuzer richtig plaziert. So liegt auch die optimale Höhe bei 50 Grad, die beste Höhe etwas unter 45 Grad. Dabei läuft das Schiff gute, aber nicht spektakuläre 5,5 beziehungsweise 4,5 Knoten. Zwanzig Grad abgefallen werden knapp sechs Knoten daraus, und in Böen bei etwas mehr als wahrem halben Wind erreichen wir nahezu Rumpfgeschwindigkeit. Das Schiff liegt generell moderat auf dem Ruder, doch am Wind und in Böen wird es zunehmend unruhig. Bei mehr als zirka 15 Knoten Windgeschwindigkeit und bei stärkerer Krängung nimmt der Ruderdruck deutlich zu. Noch bevor die Seite Deck zu Wasser geht, kann man das Schiff dann kaum noch halten und irgendwann ist der Punkt erreicht, an dem es einen Sonnenschuss macht. So ist man also gut beraten, rechtzeitig zu reffen. Das sollte man trotz der knappen Segelfläche bereits bei knapp fünf Windstärken vornehmen und so die Delphia immer aufrecht segeln. Die Delphia 29 ist ein Familienkreuzer mit viel Platz, der zu einem günstigen Preis und mit reichhaltiger Standardausrüstung geliefert wird. Die Segeleigenschaften sind nur befriedigend, was vor allem der starken Luvgierigkeit bei größerer Krängung zuzuschreiben ist. Das Schiff möchte immer sehr aufrecht gesegelt werden.
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