Das sagt die "yacht" zur Bavaria 50 cruiser
Testbericht der "yacht" der Bavaria 50

Abschrift des Test der Bavaria 50 cruiser .
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Der Henry Ford des Bootsbaus will den innovativen Automobil-Pionier noch überflügeln: Nachdem sich Bavaria-Boss Winfried Herrmann mit besonders preisgünstigen Schiffen weltweit einen Namen gemacht hat, arbeitet der unermüdliche Werft-Motor daran, seine Produkte in jeder Hinsicht zu optimieren. Ein Werftbesuch und die Präsentation des aktuellen Höhepunktes der Linie zeigen: Es genügt dem umtriebigen Franken nicht mehr, viele Boote zu bauen. Im laufenden Geschäftsjahr sollen das immerhin um die 2200 Segelyachten sein - Weltrekord im Segment zwischen 30 und 50 Fuß. Nein, er will auch noch bessere, sicherere, langlebigere und gefälligere Schiffe schaffen. Schon seit Jahren werden Fortschritte in der Produktivität zu einem Großteil an den Kunden weitergegeben - in Form umfangreicherer Ausstattung und höherer Qualität. Nirgends zeigt sich dies deutlicher als am jüngsten Modell aus Giebelstadt, der Bavaria 50 cruiser. Möglich wurde dies nur durch eine Steigerung der Effizienz, die sich am besten über den Lohnkostenanteil messen lässt. Der ist des Herrn Herrmanns liebste Zahl, liefert sie doch Auskunft darüber, wie schnell, rationell und effektiv eine Yacht gebaut werden kann. Winfried Herrmann kann stolz sein auf diesen Wert (und er ist es auch), den maßgeblich er, der Meister des industriellen Bootsbaus, auf deutlich unter zehn Prozent drücken konnte. Insider behaupten, dass es andere Großserienwerften lediglich auf 15 Prozent brächten und Bavaria damit weltweit führend sei. Winfried Herrmann ist sich sicher, dass seine Fertigung eben durch die Standardisierung der Abläufe, einen hohen Automatisierungsgrad sowie durch gutes Material zu besseren Ergebnissen führt als in einem handwerklich geprägten Werftbetrieb. Mal sehen. Rein optisch fügt sich die Neue natürlich in die aktuelle Werftlinie, die demnächst noch um eine 30er und eine 3ger erweitert wird. Will heißen: Der Aufbau besteht aus mehreren Stufen und endet nach oben in einem Sprayhoodsüll. Panoramascheiben, viele Luken, Rumpffenster und ovale, große Aufbauscheiben bestimmen das Gesicht. Das Heck ist gegenüber der Vorgängerin etwas breiter geworden, der Steven steiler, die Wasserlinie um 35 Zentimeter länger. Die Maßnahmen münden in mehr Platz und mehr Leistung, wozu auch die größere Segelfläche an einem längeren Mast beiträgt. Große Unterschiede auch unter Deck, wo das Streben nach mehr Qualität und Modernität am augenfälligsten ist. Seit Start der neuen Serie verwendet die Werft die bislang im Bootsbau selten eingesetzte Sorte Bosse, die Mahagonihölzern ähnelt. Das Material ist heller, Kritiker würden sagen, auch etwas unruhiger im Maserungsbild. Geschmackssache. Fest steht, dass die Schiffe jetzt unter Deck viel freundlicher und zeitgemäßer wirken als mit den dunkleren Salons vergangener Tage. Ein Beleg für die Qualitätssteigerung ist auch der Einsatz von filigraneren Umleimern und Beschlägen. Bavaria verwendet zertifizierte Sperrhölzer, die dort, wo es nötig ist, mit drei Millimeter dicken Kanten geschützt werden. Sämtliche Schränke und deren Klappen sowie die Uml eimer und Griffleisten bestehen aus Massivholz. Das ist robust und lässt sich vor allem einfacher reparieren als ein auf einen bestimmten Farbton oberflächlich gebeiztes oder dünn furniertes Holz. Auch bei der Bootsstruktur hat sich viel getan, wie schon beim Werftbesuch zu sehen war. Die über Wanten und ihre Unterzüge sowie durch den Stauchdruck des Mastes auftretenden Riggkräfte werden in einen gut dimensionierten Stahlrahmen eingeleitet, der mit der Bodengruppe verbunden ist. Diese wiederum ist nicht nur mit dem Rumpf kraftschlüssig verklebt, sondern auch mit Winkellaminaten sehr haltbar befestigt - ein Aufwand, den nicht jeder Konkurrent betreibt. Diese Laminate wurden in Höhe der Achter- und der Hinterkante des Kiels noch verstärkt. Die Bodengruppe weist dabei einen Knick auf, der einen günstigen Winkel für das Laminieren an den Rumpf bildet und selbst verstärkend wirkt. Im gesamten Kielbereich von vorn bis achtern ist obendrein das Volllaminat verdoppelt. Über der Wasserlinie sowie im Deck setzt man auf die leichte und steife Sandwich-Bauweise. Längst werden auch die Schotten nicht mehr nur mit der Innenschale verklebt, sondern festlaminiert. Viele andere Großserienwerften stecken dagegen zumindest einige Schotten lediglich in entsprechende Aufnahmen und verkleben grosszügig. Ein Weg, der gangbar ist, den Bavaria aber nicht mehr beschreiten will. ,,Mit diesen Techniken übertreffen wir die Vorgaben der Klassifizierer", freut sich Vertriebschef Mike Reuer. Weiter: "Unser Stil ist es nicht, nur Sprüche zu machen. Wir haben die Qualität und besonders die Steifigkeit der Schiffe stark verbessert. " Durch intelligenten Umgang mit den richtigen Werkstoffen ergeben sich aber noch mehr Vorteile als hohe Festigkeit. Sie ermöglichen partiell auch bessere Innenraumaufteilungen. So kann jetzt der Durchgang zum Vorschiff in der Mitte liegen. Denn der Stauchdruck des Mastes wirkt nun nicht mehr auf eine zentrale Maststütze, die eine Versetzung des Durchgangs zu einer Seite erfordert, sondern auf einen hölzernen Türrahmen, der mit Stahlträgern verstärkt und auf 40 Tonnen Druck getestet wurde. Der zentrale Durchgang ermöglicht ähnlich große Mittelkammern (Fünf- Kabinen -Version) auf beiden Seiten und ein ausreichend tiefes vorderes Bad. Dort im Vorschiffsbereich ergeben sich auch die einzigen derzeitigen Unterschiede der beiden Versionen. Der Vierkabiner hat eine Mittelkammer mit Stockbetten an Backbord, der Fünfkabiner beschneidet die Vorschiffskabine etwas in ihrer außerordentlichen Grosszügigkeit zu Gunsten einer weiteren Kabine mit Etagenbetten an Steuerbord. Zum Test stand die Variante mit vier Kammern bereit. Klar: Vorn wohnt das Eignerpaar. Freut sich dort über eine Koje, die mit ihren Dimensionen durch das neuzeitliche Attribut kingsize bezeichnet werden darf. Genießt den direkten Zugang in ein üppiges Bad. Stört sich nicht gegenseitig beim Umziehen, weil der Fußraum extrem grosszügig ausfällt. Kann einen kleinen Schreibtisch zum Schminken oder Arbeiten am Laptop nutzen. Staut die Bekleidung in überdimensionalen Schränken. Atmet frische Luft durch die kollektive Umluftleistung dreier Decksluken und delektiert sich am Blick nach draußen durch die zwei Rumpffenster. Auch der übrige Ausbau gefällt, und die Platzverhältnisse sind gelungen. Es gibt genug Sitzfläche für acht am Salontisch. Wenn nicht gegessen wird, lässt sich der Tisch durch Umklappen zweier Seitenteile verkleinern und erleichtert so den Zugang zum Sofa. Vor dem Niedergang steht reichlich Fußraum zur Verfügung, hier wird nie Gedränge auf dem Weg nach draußen oder unten das Wohlbefinden stören. Die Pantry überzeugt in mehreren Punkten: Der (lediglich zweiflammige) Ofenkocher kann auf jedem Bug benutzt werden. Am flach verlaufenden Abwasserschlauch hält die Werft jedoch fest, um die Seeventile über der Wasserlinie einbauen zu können. Der Nachteil: Die Waschbecken lassen sich auf Backbordbug segelnd nicht entleeren. Es sind serienmäßig zwei Kühlschränke eingebaut. Der Stauraum ist ausreichend, und die Schapps sind gut unterteilt. Lob auch für die Gestaltung der Achterkabinen: Genug Staumöglichkeiten, grosszügige Kojenmaße, und vor allem gibt es viele Luken und Fenster. Eine Klappe zum Cockpit, eine große oben und eine außen am Aufbau, lassen sich öffnen, weiteres Licht sowie Ausblick ermöglicht das Rumpffenster. Und auch alles das ist serienmäßig. Die drei Bäder überzeugen durch robuste Armaturen, ausreichend Platz und serienmäßig installierte Fäkalientanks. Lediglich die an der Ostsee obligatorischen Deckabsaugungsstutzen kosten extra (je 280 Euro). Positiv zu erwähnen sind auch sämtliche Installationen. Ob Motor, Seeventile, Batterien oder Elektronik:Alle Komponenten und Bedienteile sind entweder per se simpel zu erreichen, oder die Werft hat wie beispielsweise im Bad Inspektionsdeckel installiert. Auch schön: Achterlich des Motors, wo standardmäßig Volvos D2 -7 5 eingebaut wird, hat Bavaria einen Geräteraum zwischen den beiden Achterkammern vorgesehen. Das isoliert die Kabinen akustisch voneinander und macht es möglich, hier zum Beispiel einen Generator und eine Seewasserentsalzungsanlage zu installieren. Genug geschwelgt. Es wird Kunden geben, die sich an der mit Teppich verkleideten Innenschale unter der Vorschiffskoje stören, zentrale Lichttaster statt Einzelschalter an jeder Leuchtquelle wünschen, und die bemängeln, dass die Sumpfbrunnendeckel in den drei Dusch/Toiletten- Räumen lose sind. Neutrale Beobachter werden sie Querulanten schimpfen müssen, denn das war's auch schon mit möglichen Kritikpunkten unter Deck. Und: Der Preis steht - mehr denn je - in einer äußerst gelungenen Relation zur Leistung. Aus Kostengründen verzichtet die Werft auf zentrale Schalter. Den Teppich will man bei-behalten, da er wohnlicher wirke als nacktes GFK. Die klapprigen Sumpfdeckel werden fixiert. Auch die Lackierung will die Werft weiter verbessern. Während die Türen und andere kleinere Teile aus der Lackierstraße mit einer glänzenden, homogenen und glatten Oberfläche daherkommen, wirken die Schotten teilweise noch etwas grobporig. Dies soll der Lieferant durch eine bessere Vorbehandlung beseitigen. Erwähnung verdient auch das Bemühen um möglichst viel nutzbaren Stauraum. Fast überall, wo es machbar war, sind Schränke, Schapps (deren Klappen löblicherweise nach unten öffnen) und kleine Fächer eingebaut. Des Weiteren wurden die Fronten mit kleinen Lüftungsschlitzen versehen, die die großen Flächen optisch aufwerten. Auch ist die Oberflächenbehandlung an versteckten Plätzen gelungen. Die Rückseiten von Schränken sind mit Holz verkleidet, alle nutzbaren Stauräume wie beispielsweise unter dem Salonsofa oder auch die Bilge sind mit Topcoat ausgestrichen. Das ist eine wirksame Sperre gegen Feuchtigkeit dort, wo sich Wasser sammeln könnte; zudem entschärft die Maßnahme eventuell überstehende Laminatkanten. In Bereichen, die nicht nutzbar sind und wo eingedrungenes Wasser ohnehin abfließt, verzichtet Bavaria auf den Anstrich, beispielsweise im Heck. Das Deck ist von innen partiell mit einer Innenschale oder mit Skaibespannten Sperrholzplatten versehen. Dies ermöglicht, an die Verschraubungen von Beschlägen heranzukommen oder Undichtigkeiten aufzuspüren. Auch ist die geklebte und verschraubte Deck-Rumpf- Verbindung über abnehmbare Leisten zu erreichen. Alle diese Maßnahmen ergeben eine Yacht, die anderen Großserienschiffen zumindest ebenbürtig ist. Zieht man obendrein noch Preis und Ausstattung in Betracht, steht die Bavaria 50 geradezu konkurrenzlos da. Denn der Grundpreis enthält Dinge, die vielerorts Extras sind: zweiter Kühlschrank in der Pantry, acht Rumpffenster, Duschen und Fäkalientanks in allen drei Nasszellen, Landstromanschluss, Logge, Lot und Windmessanlage, elektrische Ankerwinsch, Relingsdurchstieg, Springklampen, Teak in der Plicht und fest installierter Cockpittisch sind wünschenswerte Ausstattung und im Grundpreis inbegriffen. Der liegt mit 223 600 Euro sensationell günstig; eine Sun Odyssey 49 beispielsweise kostet rund 27 000 Euro mehr. Stellt sich nur noch die Frage nach den Leistungen auf dem Wasser. Das Testschiff war mit flächenoptimierten Rollsegeln aus höherwertigem Dacron-Sandwich von Elvström-Sobstad bestückt (Aufpreis: 4210 Euro). Durchgehende und zusätzliche kurze senkrechte Latten steifen das Groß so aus, dass es im Achterliek gerundet werden konnte. Leistungsfördernd wirkte auch ein Vierblatt-Faltpropeller und der Verzicht auf ein für diese Bootsgröße sinnvolles Bugstrahlruder (Extra, 5530 Euro). Mit dem flacheren Gusseisenkiel hing dagegen nicht die effek-tivste der erhältlichen Kieloptionen unter dem Rumpf. In diesem Setup brachte es die Bavaria 50 bei leichten Winden um die 3 Beaufort an der Kreuz auf immerhin bis zu 6,6 Knoten bei einem Wendewinkel von 90 Grad. Was angemessene Werte für ein reines Fahrtenschiff sind, das sicher auch stark in der Charter laufen wird. Die Yacht fühlt sich gut an, bewegt sich ruhig, segelt und manövriert lebendig. Der Ruderdruck ist wohldosiert, das Feedback schon bei wenig Wind ausreichend. Der Steuermann hat einen sicheren Stand auf kräftigen Fussstützen und kann gut hinter dem Rad sitzen. Wer gern vom Süll aus lenkt, hat jedoch auf Steuerbord den Gashebel im Weg (der dafür bei Manövern einfach zu bedienen ist). Einem Kompromiss folgt auch die Positionierung der Genuawinden weit außen. So lässt sich nur mit einem Bein auf dem zur Fußleiste hochgezogenen Rurnpfkurbeln,dafür kann die Crew aber überall auf dem Süll sitzen. Spanien-Händler Charly Linnemann empfiehlt für diese Schiffsgröße ohnehin Elektrowinschen. Diskutiert wird in der Werft derzeit noch, ob eine dritte Winsch im Cockpit für die Leine der Wickelleine auf das Süll gebolzt werden soll oder ob man gleich Spiwinschen in das Serienpaket integriert. Die 50 cruiser ist die vielleicht beste Bavaria, die je Giebelstadt verlassen hat. Nach der sichtbaren Qualität, der Ausstattung und auch der Gesamtanmutung beurteilt ist sie rundum gelungen. Insofern ist das Schiff der Beweis für den Fortschritt im industriellen Bootsbau.
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