Das sagt die "yacht" zur Bavaria 38 cruiser

Testbericht der "yacht" der Bavaria 38 cruiser

Abschrift des Test der Bavaria 38 cruiser .
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Die Zyklen für die Überarbeitungen der Bootstypen werden immer kürzer. Werften reagieren flexibler mit variierten Modellen auf einen sich verändernden Markt oder durch eine noch rationellere Fertigung auf Preisdruck von außen. Kaum hat sich eine Modellreihe etabliert, wird sie schon wieder modifiziert, erneuert, umgebaut und angepasst. Besonders die Werften der Massenproduktionen scheinen sich im Kampf um die kurzfristigsten Neuauflagen ihrer Angebotspaletten gegenseitig zu Höchstleistungen anzutreiben. Der Kunde profitiert meist; Boote werden günstiger, sei es im absoluten Preis oder aufgrund einer verbesserten Ausstattung. Für diesen Trend im europäischen Bootsbau ist besonders Bavaria mit der aktuellen Überarbeitung der Cruiser-Serie zwischen 31 und 40 Fuß stellvertretend. Nach nur zwei Jahren auf dem Markt zieht der fränkische Branchenprimus seine "kleineren" Cruiser (Bavaria 30,33,37 und 39) ab und überrascht mit einer attraktiven, gelungenen Neuauflage im unteren Fahrtenprogramm. Den Auftakt machte die Bavaria 31 Cruiser (Test YACHT 21/2007) als Ersatz für die erfolgreiche 30er, das "Sparschwein" in der 10-Meter-Klasse. Die 34 Cruiser und 38 Cruiser lösen die 33er beziehungsweise die 37er ab, und eine 40 Cruiser soll als Neuheit im Frühjahr 2008 für die bisherige 39 Cruiser ins Rennen um die Käufergunst gehen. Damit hat es sich dann auch, versichert Mike Reuer, Vertriebschef bei Bavaria Yachtbau. Die Modelle 42, 46 und 50 Cruiser bleiben vorerst unverändert im Programm. Auf Mallorca wurden der YACHT gleich zwei der neuen Bavarias für einen Parallel-Test zur Verfügung gestellt, die 34 Cruiser und die 38 Cruiser. Die beiden Fahrtensegler sind von Land aus auf den ersten Blick sowohl optisch als auch konzeptionell kaum voneinander zu unterscheiden. Die wenigen wirklich augenfälligen Änderungen gegenüber den Vorgängermodellen sind bei allen neuen Typen zu verzeichnen: Verschwunden ist der markante und optisch eher unvorteilhafte Buckel des Kajütaufbaus, besonders fürs Auge ein großes Plus. Die Seitenfenster sind jetzt größer und die Decksluken zahlreicher. Das generiert generell mehr Licht und eine angenehme Atmosphäre unter Deck. Und anstelle des partiell offenen Spiegels tritt nun eine beim Segeln geschlossene Variante. Das Heck lässt sich mit einer integrierten, hydraulisch abklappbaren Badeplattform öffnen. Damit gewinnt das Cockpit an Geräumigkeit und Ausdehnung, allerdings fällt der achterliche Sitz für den Steuermann weg. Viele der Modifikationen stecken im Verborgenen: Die Designer von J & J Yachtdesign, J ernej und J apec J akopin, haben die neuen Cruiser vor allem unter der Wasserlinie den neuen Erkenntnissen angepasst. Kiel und Ruder fallen insgesamt etwas schlanker und geringfügig tiefer aus. Dafür sind die Boote unten etwas flacher. Unter dem Strich bleibt der Tiefgang also bis auf Nuancen unverän-dert. Zudem sind die neuen Serien etwas breiter geworden. So ist die 34 Cruiser bei gleicher Rumpflänge immerhin zwölf Zentimeter dicker als das Vorgängermodell. Was die Änderungen bringen, sollen die beiden Bavarias im Starkwind-Test zeigen. Im Zuge einer ungewöhnlich heftigen Mistral-Lage über Südfrankreich bringen Windböen mit bis zu bis 35 Knoten Stärke die Bucht von Palma zum Brodeln. Im Mittel werden 25 Knoten gemessen, Windstärke 6 immerhin. Angesichts dieser Situation wird schon mal ein schöner Teil der Segelfläche weggerollt. Die Rollreffanlagen für Genua (Standard, Furlex) und Großsegel (Option,Selden-Rollmast) sorgen für ein einfaches und reibungsarmes Manöver. Die Starkwind-Bedingungen scheinen die neuen Bavarias sehr zu mögen. Beide Boote überraschen mit exzellenten Segeleigenschaften und schenken sich, was die Geschwindigkeit betrifft, trotz unterschiedlicher Schiffsgrößen tatsächlich nicht viel. Auf einem langen Schlag am Wind nimmt die 38er ihrer kleinen Schwester zwar naturgemäß einige Meter ab, mit Rücksicht auf die unterschiedliche Länge ist die Leistung der Boote aber durchaus vergleichbar. Bei relativ flachem Wasser, weil ablandiger Wind, ziehen die beiden mit knapp 7 Knoten ihren Kurs über Grund, gemessen mit einem Hand- GPS. Wegen des starken Winds können die Schiffe aber nicht mehr voll gefahren werden. Die Wendewinkel sind dementsprechend gering und lassen sich nach mehreren Manövern zwischen 80 und 85 Grad festlegen. In den knackigsten Böen mit weit über 30 Knoten können die Bavarias raumschots sogar fast in Gleitfahrt gebracht werden. Die Her lässt sich dabei im direkten Vergleich etwas lebhafter und agiler segeln als die größere Schwester. Auch das ist nachvollziehbar bei rund 1,5 Tonnen Gewichtsunterschied. Was beide Boote verbindet, ist ihre erfreulich hohe Kursstabilität und das gute Steuergefühl auf dem Ruderrad. Die Lewmar-Anlage mit Schubstangen-Mechanik funktioniert einwandfrei. Wer einigermaßen aufmerksam lenkt, kann die bei solchen Bedingungen vorkommenden Sonnenschüsse bereits im Ansatz erkennen und wirksam gegenhalten. Probehalber wurde auf der 38er zwischendurch sogar die volle Garderobe ausgerollt. Kein Problem, die Bavaria kann selbst unter Vollzeug ordentlich wegstecken. Spielerei kontra Funktion Für den Rudergänger ergeben sich bei Krängung eigentlich nur zwei Positionen: sitzend auf den Cockpitduchten, das Rad zwischen den Beinen, oder stehend dahinter. Nicht möglich ist es, auf dem Süll Platz zu nehmen, denn das Rad wäre von dort aus nicht erreichbar. Dafür sitzt die Crew ganz oben bequem, immer noch gut geschützt und auch relativ entspannt. Neu bei der jungen Cruiser-Generation von Bavaria ist die beidseitige Führung der Großschot am Baum entlang nach vorn und seitlich über das Laufdeck zurück auf zwei zusätzlich montierte Winschen im Cockpit. Die Mischform zwischen herkömmlicher Schotführung und dem so genannten German Cupper System funktioniert relativ gut und ist mittlerweile auf vielen Fahrtenyachten umgesetzt. Allerdings spart Bavaria bei der Größe der Winschen an der falschen Stelle. Die Trommeln sind für die Funktionen einfach zu klein und nur mit Krampf zu bedienen. Speziell auf der 34 Cruiser sind die 30er-Winschen für die Grossschotführung nicht ausreichend. Geblieben ist der Traveller auf dem Kajütdach vor dem Niedergang. Er ist schön lang und bietet im Zusammenspiel mit dem Baumniederholer gerade bei Starkwind eine effiziente Trimmhilfe. Das Cockpit ist auf beiden Booten nahezu identisch, auch in den Ausmaßen. Es wird dieselbe, relativ wuchtig erscheinende Steuereinheit mit integriertem Cockpittisch verbaut. Dahinter öffnet für Notfall oder Wartung eine Klappe den Zugang zum Ruderschaft. Die Ersatzpinne wirkt hier sehr direkt und wirkungsvoll auf die Welle. Das funktioniert in jedem GEMACHTE DETAILS Fall. Der Deckel allerdings ist noch deutlich zu schwach laminiert und verbiegt unter Belastung. Die Werft will hier nachbessern. Über Sinn und Unsinn einer elektrohydraulisch abklappbaren Badeplattform für Boote dieser Größe lässt sich lange diskutieren. Tatsache ist, dass die beiden Motoren 28 Sekunden benötigen, um die Klappe vollständig zu öffnen oder zu schließen. Anbieten würde sich hier eine simplere Lösung mit einer vorbalancierten Klappe, die ganz einfach mit einem Bändsel hochgenommen werden kann. Das eingesparte Geld könnte gut an anderer Stelle investiert werden, zum Beispiel in größere Winschen im Cockpit. Ebenfalls neu: Zwei seitlich fest angeschlagene Teakholz- Türchen ersetzen das bisherige geteilte Niedergangsschott. Ein optischer Gewinn, funktionell aber eher problematisch, weil sie eben auch Schotfänger und potenzielle Klamottenschlitz er sind. Die Teakauflage auf den Duchten und dem Cockpitboden gehört bereits zum Lieferumfang. Wer den Edelholzbelag auch auf den Seitendecks und auf dem vorderen Kajütaufbau wünscht, bekommt diesen zu vernünftigen Preisen (5700 Euro bei der Her und 72 00 Euro bei der 38er). Die Sprayhood steht ebenfalls auf der Liste der Optionen für jeweils 1400 Euro Aufpreis, und auch die Springklampen sind aufpreispflichtig. Ein seitlich umlaufendes Aluminiumprofil dient gleichzeitig als Fußreling und als Scheuerleiste. Zwei zusätzliche, sogar mit Chromstahl- Bügeln geschützte Doradelüfter sorgen auf der 38 Cruiser für Frischluft unter Deck. Auf dem kleineren Boot reichen herkömmliche Pilzlüfter aus. Rutgerson und Lewmar liefern für Bavaria die Decksbeschläge, Rollen und Klemmen.Die Holepunkt-Schlitten auf den recht langen Genuaschienen sind vorbildlicherweise schon im Lieferumfang leinenverstellbar. Die Schottalje allerdings könnte eine Übersetzung mehr vertragen. Für die Motorisierung vertraut Bavaria traditionellerweise auf die Produkte von Volvo Penta. Die Aggregate mit 18 PS (Her) beziehungsweise 27 PS (38er) liefern ausreichenden Schub, um selbst bei viel Seitenwind im Hafen gut und einfach anlegen zu können. Der Radeffekt ist gering, und das Boot reagiert sowohl vorwärts als auch rückwärts unverzüglich auf das Ruder. Vorbildlich ist die Zugänglichkeit für Service und Wartung unter dem hochklappbaren Niedergang und seitlich über zusätzliche Serviceklappen in den Achterkammern. Die Schallisolierung ist ebenfalls gut. Nur bei der Her wird es bei Marschfahrt mit gemessenen 81 Dezibel in der Achterkammer relativ laut. Die Grenzen der Machbarkeit So ähnlich sich die Boote optisch und konzeptionell auch sind, der Vergleich der Innenausbauten ist dennoch spannend: Wie viel bringen 100 Zentimeter mehr Schiffslänge für die Möglichkeiten unter Deck? Grundsätzlich übernehmen die neuen Schiffe die Innenlayouts ihrer Vorgängermodelle. Das bedeutet für die 34er: zwei Kabinen, eine Nasszelle achtern und eine große Backskiste. Damit orientiert sich die Her konzeptionell im Wesentlichen an der 31 Cruiser, die nahe-zu dasselbe Layout bietet, lediglich etwas gedrängter. Kunden mögen bedauern, dass für die Her keine Variante mit drei Kabinen angeboten wird. Dabei müsste die Nasszelle allerdings nach vorn wandern. Bavaria- Mann Mike Reuer argumentiert zu Recht mit den beengten Platzverhältnissen. Die Kabine im Vorschiff würde unverhältnismäßig stark eingeschränkt werden. Die Konkurrenz in Form zum Beispiel der Beneteau Oceanis H 3 beweist demgegenüber bei gleichen Dimensionen die Machbarkeit. Auch Bavaria bot die ältere Her (ab 1999) schon mal als Charterversion mit drei Kabinen an. Die 38 Cruiser kann dagegen als Eignerversion mit zwei oder als Chartervariante (Testschiff) mit drei Kabinen geordert werden. Allerdings haben beide Versionen nur eine Nasszelle. Diese befindet sich bei drei Kammern im Vorschiff und ist über eine zusätzliche Tür auch vom Salon her zugänglich. Bei zwei Kabinen gibt es für den Toilettenbereich achtern mehr Platz, und der wird mit einem separaten Duschabteil ausgestattet. Wer für sich und seine Gäste zwei Nasszellen beansprucht, muss sich eine Etage höher orientieren und allenfalls die neue Bavaria 40 Cruiser ins Auge fassen. Großen Wert legt die Werft auf ausreichende Kojenmaße. Sämtliche Doppelkojen im Vorschiff und achtern sind sowohl auf der 34 als auch auf der 38 Cruiser mindestens zwei Meter lang und auf Schulterhöhe ausreichend breit (mindestens 1,40 Meter). Außerdem lassen sich im Bedarfsfall auf beiden Booten die Sofas im Salon als Kojen nutzen. Im Zuge der Modellpflege hat Bavaria insbesondere die Stauraumsituation überarbeitet. Alle Fächer unterhalb der Kojen und Sitzgelegenheiten sind jetzt ganz einfach über Scharniere zu öffnen und im Wesentlichen gut zugänglich. Lediglich der leider nur einseitig abklappbare Sa- Iontisch blockiert den Zugriff zu den Stauräumen unterhalb des Sofas. Gut nutzbare Sideboards sorgen dafür zusätzlich für Ordnung, auch im Vorschiff. Die Bereiche Navigation und Pantry sind auf beiden Schiffen bis auf geringe Abweichungen der Maße ebenfalls identisch. Freunde des Holzausbaus mögen sich in der Navigation an den Plastik- Abdeckungen der Elektro-Installationstoßen, die nicht mehr im gewohnten Carbon-, sondern im Holz-Look daherkommen. Für diese nur vermeintlich billige Ausführung gibt es werftseitig einen Grund: Die Abdeckung ist aus schwer entflammbarem Kunststoff. Kabelbrände sind schließlich nicht selten Ursache für Feuer an Bord. Bezüglich der Ausbauqualität braucht sich Bavaria mit seinen neuen Modellen nicht zu verstecken. Im Gegenteil: Als einer der wenigen Hersteller der Massenfertigung verarbeiten die Giebelstädter für einen großen Teil des sichtbaren Interieurs immer noch massives Mahagoni. Einzig die Türen zu den Kammern sind aus Marinesperrholz und werden passend zur Umgebung auffurniert. Die beim Test der 31 Cruiser monierten Mängel in der Detailverarbeitung lassen sich bei der Her und 38er nicht mehr entdecken. Die Spaltmaße befinden sich innerhalb der akzeptablen Tole-ranzen, die Fugen in den Nasszellen sind sauber mit Dichtungsmasse ausgestrichen und die Bodenbretter passend ausgeschnitten. Bleibt der Blick auf die Kosten: Mit Basispreisen von 108700 Euro für die 38 Cruiser und 87 700 Euro für die 34 Cruiser positioniert sich Bavaria wie gewohnt am unteren Ende des Preisgefüges innerhalb der vergleichbaren Konkurrenz. Zwar haben die Wettbewerber aus der französischen Großproduktion von Jeanneau und Beneteau einigen Boden gutgemacht, indem sie modern und eigenständig gestaltete Yachten bieten und günstiger geworden sind. Bavaria setzt aber weiterhin die Maßstäbe im Preis bei einer ordentlichen Leistung. Die Kunden wissen, was sie bekommen, nämlich ein insgesamt gut gemachtes Boot mit rundum sauberen Segeleigenschaften, das darüber hinaus zufriedenstellend ausgerüstet ist. Bavaria überrascht weder mit einmaligen Neuentwicklungen, noch bricht die Giebelstädter Werft mit Traditionen. Die Überarbeitung der Cruiser-Serie steht vielmehr für eine vernünftige und logische Umsetzung aus einer Vielzahl von Erfahrungen im Laufe eines - wenn auch mittlerweile sehr kurzen - Modellzyklus.
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